Heiliger in Jeans und Turnschuhen

Carlo Acutis
Ausgabe Nr. 22
  • Spiritualität
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Ein Teenager in Jeans und Turnschuhen.
Carlo Acutis: Ein Seliger für die Teenager-Generation mit Sonnenbrille. Er wird wohl bald heiliggesprochen werden. ©Sujet/Pexels
Das Computer-Genie Carlo Acutis
Heiliger in Jeans: Das Computer-Genie Carlo Acutis starb im Alter von 15 Jahren an Leukämie. ©APA
Ein Teenager in Jeans bindet sich die Turnschuhe.
Carlo Acutis: Ein Seliger für die Teenager-Generation mit Sonnenbrille. Er wird wohl bald heiliggesprochen werden. ©Sujet/Pexels

2020 seliggesprochen, genießt Carlo Acutis, ein Computer-Genie aus Italien, mittlerweile eine große Verehrung. Unheilbar an Leukämie erkrankt, gestaltete er populäre Internetseiten zu religiösen Themen. Was viele nicht wissen: Die Eucharistie war die Quelle seines sozialen Handelns.

Die Heiligsprechung von Carlo Acutis (1991 bis 2006), als „Cyber-Apostel“ verehrter italienischer Jugendlicher, ist offenbar näher gerückt. Denn Papst Franziskus hat ein weiteres auf seine Fürsprache erwirktes Wunder anerkannt, wie das vatikanische Presseamt jüngst mitteilte. Acutis starb mit 15 Jahren an Leukämie. 2020 wurde er in Assisi seliggesprochen, was weltweit für großes Aufsehen sorgte. Ein Konsistorium soll nun prüfen, ob der Jugendliche auch die höchste Stufe der Verehrung – als Heiliger – in der katholischen Kirche erhalten soll.

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Frommes Computergenie bald Heiliger?

Der in London geborene und in Monza gestorbene Katholik wird von seinen Anhängern in aller Welt als frommes Computergenie verehrt. Acutis nahm Assisi als Stadt des heiligen Franziskus zur Wahlheimat und ist auch hier in der Kirche „Santuario della Spogliazione“ bestattet. Sein Grab hat sich längst zum internationalen Pilgerziel entwickelt. Besonders Familien und Jugendliche aus aller Welt interessieren sich für den jungen Seligen und sein Beispiel. Als Autodidakt erstellte er mehrere populäre Internetseiten zu religiösen Themen. Seine ausgeprägte Liebe zur Eucharistie, die er selbst als „Autobahn in den Himmel“ bezeichnete, machte ihn international bekannt. Als Acutis erfuhr, dass er unheilbar an Leukämie erkrankt war, widmete er sich ganz dem Papst und der Kirche. Seinem Wunsch entsprechend wurde er nach seinem Tod in Assisi bestattet. 2018 erkannte ihm Papst Franziskus wegen seines Lebenswandels den sogenannten heroischen Tugendgrad zu. 2020 folgte die päpstliche Anerkennung des ersten auf Fürsprache von Acutis bewirkten Wunders. Demnach wurde damals ein brasilianisches Kind auf medizinisch unerklärliche Weise geheilt.

Die Eucharistie als Autobahn in den Himmel

Einerseits habe Carlo Acutis Dinge getan, „die alle jungen Menschen heutzutage tun“, erläuterte jüngst der Religionspädagoge Bernhard Schörkhuber. Als erster katholischer Seliger in Kapuzenpulli, Jeans und Turnschuhen und mit Sonnebrille habe er schon zu Lebzeiten ein Facebook-Profil und eine E-Mail-Adresse besessen, mit seinen Freunden gespielt, den Computer benutzt und sei so gesehen ein „unauffälliger Junge“ gewesen. „Der einzige große Unterschied war, dass er die Begegnung mit Jesus in der Eucharistie zum Mittelpunkt seines Tages gemacht hatte“, bemerkte Schörkhuber, der als Professor an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems lehrt. Dies sei „wegweisend für sein Leben“ gewesen, habe er doch in der heiligen Kommunion die „Quelle für das soziale Handeln“ erkannt.

Empfindsam für die Not der anderen

Als „Leitplanken der noch jungen Spiritualität“ Carlos bezeichnete der Theologe die „Compassion“ – zu übersetzen mit „Empfindlichkeit für die Situation und das Leid der anderen“ wie auch „Solidarität mit denen, die in der Gesellschaft aus eigenen Kräften nicht mitkommen“. In der Schule habe sich Carlo Acutis stark für benachteiligte, gemobbte oder schüchterne Mitschüler eingesetzt, in seiner Freizeit für Obdachlose und Drogenabhängige. Bekannt sei auch, dass er sein Taschengeld oft der Kapuziner-Hilfsorganisation „Opera San Francesco“ für Armenspeisungen gespendet habe. Carlo lebte damit das Dasein für andere, „ehe man überhaupt etwas von ihnen hat“, vor, befand Schörkhuber über den ungewöhnlichen Seligen.

Heiliger mit Mut und Entschlossenheit

Insgesamt habe Carlo Acutis „auf ganz überraschende Weise“ vorgezeigt, dass es die Augen für andere Menschen – besonders für gesellschaftlich „Unsichtbare“ – zu öffnen und mit ihnen mitzuleiden gelte, und dass das Leben in vollen Zügen und „mit Jesus“ gelebt werden solle. Sein seit früher Kindheit vertrauter Umgang mit Gott habe Carlo Acutis die Fähigkeit verliehen, „die Bedürfnisse und Anforderungen seiner Zeit zu erfassen und darauf eine angemessene Antwort zu geben“. Das mache diesen Teenager-Seligen zum „glaubwürdigen Modell eines jungen Menschen, der es versteht, mit Mut und Entschlossenheit den von Jesus angebotenen Weg zu gehen, trotz Schwierigkeiten, Missverständnissen, Hindernissen und dem Unvermögen von Menschen und Gesellschaft“, unterstrich Schörkhuber.

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Zum Artikel: Jugendliche Heilige und Selige
 

 

 

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Autor:
  • Stefan Kronthaler
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