Faschingssonntagspredigt
Meinung
Kurt Dörfler (62) mit einer Predigt zum Faschingssonntag:
Die Gschicht, die i euch heut erzählen wü,
handelt vom Hosea Franzi
und bedeutet mir recht vü!
Da Franzi is a recht a netter junger Mann,
is intelligent und freundlich
wia ma sich’s nur vorstellen kann.
In an recht an gscheidn Gymnasium er woar
und weiterstudieren duat er –
wird er vielleicht a Doktor goar?
Auf jeden Fall die Eltern und auch
alle Leit von dem Ort
hob’n eam recht gern
und liaßaten eam nur ungern fort!
Auf jeden Fall die Eltern und auch
alle Leit von dem Ort
hob’n eam recht gern
und liaßaten eam nur ungern fort!
Und wias so spült im Leben oft,
kummts dann ganz anders
ois wias olle hobn g’hofft.
Do is a eines Tages mit an Mädl angetanzt,
des wär ja no net schlecht –
wenns ausschauat wia aus an Modekatalog ausseg’stanzt.
Oba des Gegentäu woar der Foll,
des Pirsing durch die Lippn und durch die Waunga,
do hätt ma jo no a Aug zuadruckt
und des war jo no gaunga!
Beim Sprechen hot ma gmerkt, si hat sowas a auf der Zunge
und durchs Gwand hot ma’s erahnen können:
Durt hat’s des a – was habn die Damen vor der Lunge!
Unter die Augen do hat’s schwarze Ringerl ghobt
und ihr Blick hat ausgschaut
als ob wär sie gedopt.
An Kampl hats a nimmer braucht für ihre Locken
und a holländisches Parfüm hats g’habt,
des hat ghassn „Van den Socken“
Und da Franzi? Da Franzi is neben ihr gstanden und hat si nur angschaut –
die Augen san ihm fast stecken geblieben –
dann hat er gesagt: „Ist sie net a Braut zum Verlieben?“
Alle haben’s nur den Kopf geschüttelt und habn zu eam gsagt:
„Nun schau da die Braut nur an genau –
do brauchst net nur a Brün, die is rosa –
die muaß a no sein himmelblau!“
Nur die Oma – die war begeistert ganz
und hat verstanden in Franzis Augen den Glanz.
Da Willi is kumman, in Franzi sei Freind
– er pendelt jeden Tag vom Ort in die Stadt.
Und hat zur Oma gemeint –
dabei hob er die Hand zum Schwure –
„Die Dame ist eine Prater ...“
„Sekretärin?“, hat die Oma gfragt.
„Die san immer so ausgflippt angezogen, hat mei Enkerl gsagt!“
Aber der Franzi hat sich nicht beirren lassen.
Er ging mit seinem Mädl nach Zistersdorf in die Einkaufsstraßen
dann hat er ghabt noch eine Karte im Talon
und ging auch mit ihr zu Mankas Frisiersalon.
Nach Entlausung und dreimal waschen
konnte man nur mehr in die Hände paschen!
Sie war wirklich eine schöne Maid,
hätte man nichts gewusst von ihrer Vergangenheit.
Was ist nun die Moral aus derer Gschicht:
Der liebe Herrgott scherzet nicht!
Der Hosea Franzi, der stellt unseren Herrgott dar,
wie er uns liebt – auch mit unseren Fehlern – ganz und gar!
Auch Gott braucht bei uns die rosarote Brille,
wenn er uns anschaut so ganz in der Stille.
Er hat uns sooo gern mit Leidenschaft,
dass es ihm wurscht ist, wenn es ihm auch Leiden schafft!
Drum geht nur zu ihm hin und lasst euch im Beichtstuhl waschen
und schmückt euch mit guten Taten –
damit man dann auch kann in die Hände paschen!
Wir sind Gottes Braut – seine Maid.
Er schaut nicht auf unsere Vergangenheit!
Die Faschingspredigt drückt seine persönliche Meinung aus!
Zur Person:
Kurt Dörfler (62) ist Vikariatssekretär des Vikarits Nord – Unter dem Manhartsberg. Die Faschingspredigt drückt seine persönliche Meinung aus!