Ein himmlisches ­Programm

radio klassik Stephansdom
Ausgabe Nr. 42
  • Kunst und Kultur
Autor:
Gute Stimmen: Eva Reinold und Arabella Fenyves moderieren gleich on air.
Gute Stimmen: Eva Reinold und Arabella Fenyves moderieren gleich on air. ©Tim Cavadini
Moderatorin Arabella Fenyves bei der Arbeit.
Moderatorin Arabella Fenyves bei der Arbeit. ©radio klassik Stephansdom
radio klassik Stephansdom-Moderatorin Eva Reinold.
radio klassik Stephansdom-Moderatorin Eva Reinold. ©radio klassik Stephansdom

Der katholische Kultursender bietet seinen Hörerinnen und Hörern ein einzigartiges Potpourri aus Religion, Besinnung und einem breiten klassischen Musikprogramm. Warum es radio klassik Stephansdom bis heute braucht, weiß Chefredakteurin Sophie Lauringer ganz genau. Sie war am ersten Sendetag vor 28 Jahren mit dabei – eine persönliche Einschätzung.

Das Wochenmagazin Profil war 1998 gewohnt provokant gestimmt, als es eine krachende Reportage zu unserem Sendestart am 24. September 1998 schrieb. Bernadette Spitzer, sie ist bis heute Autorin im SONNTAG und im Radio tätig, wurde darin zitiert, dass sie auf gewisse Art auch eine „Angestellte Gottes“ sei. Das hing ihr dann doch lange nach. Aber ist es im Kern wirklich so falsch, wenn eine junge, motivierte Redakteurin ihr Herz auf der Zunge trägt? Wollte sie doch nur zum Ausdruck bringen, dass sie die Anliegen ihres persönlichen Glaubens auch in der Arbeit umsetzt – beim kirchlichen privaten Sender „Radio Stephansdom“. Das Moderatoren­team, die Technik, die Musik- und die Wortredaktion bestanden zu Beginn aus jungen, wenig erfahrenen Menschen, niemand von uns war älter als 27 Jahre. Mit sehr viel Herzblut, hohem Respekt und auch mit Unvoreingenommenheit sind wir allesamt am ersten Sendetag an den Start gegangen – inklusive Segen von Papst Johannes Paul II., der damals noch nicht heilig war, aber kurz zuvor Österreich besucht hatte. 

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radio klassik Stephansdom: der Klassiksender der Kirche

Dann haben wir also losgelegt – oh, da gab es Fehler und unser Chefredakteur und Geschäftsführer, der väterlich-patriarchale Anton F. Gatnar, hat uns immer wieder vorangetrieben. Und der Erfolg stellte sich ein. So wurden unsere Sendungen nach einiger Zeit auch mit Preisen ausgezeichnet. Warum hatte dieses kleine Radio einen so einzigartigen Stellenwert? Die Kirche traute sich, einen eigenen Privatsender aufzubauen.  Ein Wagnis, ein Bekenntnis, das für Irritationen im damaligen Funkhaus im ORF sorgte. Heute sehen das wohl alle entspannter: radio klassik Stephansdom hat einfach ein ganz individuelles Angebot – und das hat sich bewährt. Es will kein internationaler Nachrichtensender sein, sondern es setzt andere Akzente, die vielleicht altmodisch klingen, aber einen hohen Wert haben: unaufgeregte Nachrichten – oft mit neuen Hintergründen, die ich nirgendwo anders höre – religiöse Gedanken und liebevoll zusammengestellte Musiksendungen, die mir so oft guttun. Dabei bin ich keineswegs besonders musikalisch gebildet, ich höre einfach gerne schöne Melodien. Das ist übrigens auch völlig religionsunabhängig. Ich erklärte einmal einem Hörer auf Englisch, welche Musik bei der Gottesdienstübertragung im Stephansdom auf dem Programm stehen würde. Er sagte mir dazu gleich, dass er ohnehin nicht katholisch oder gläubig sei. 

Was haben wir der Welt zu sagen?

Ist es nicht wunderbar, wenn es bis heute einen kirchlichen Radiosender gibt? Es ist ein Geschenk und hat einen hohen Wert, es ist ein Ausdruck, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes der ganzen Welt (durch das Internet ist das Programm weltweit zu hören) nach wie vor viel zu sagen haben. Ja, die Nachrichten sind nicht immer gut, sogar manchmal grausam. Wir dürfen nichts verschweigen, aber wir berichten in unseren Medien, jetzt neu auch zur Mittagszeit, bewusst über Schönes, von Gott, vom Glauben und der Welt, in der viel Gutes geschieht. Wer, wenn nicht ein katholisches Radio, ist besonders berufen zu einem himmlischen Programm, das für die Menschen da ist? Wenn das nicht in gewisser Weise dem  christlichen Grundauftrag der Verkündigung der Frohen Botschaft entspricht! 

So ist der 24. September bis heute ein kleiner Erinnerungstag in unserem Medienhaus der Erzdiözese Wien – und das soll, so darf ich es mir wünschen, so bleiben. Und wer spielt denn sonst am Weg in die Arbeit, so wie heute, das Lieblingsstück meiner Oma? 

Autor:
  • Sophie Lauringer
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