Ein himmlisches Programm
radio klassik StephansdomDas Wochenmagazin Profil war 1998 gewohnt provokant gestimmt, als es eine krachende Reportage zu unserem Sendestart am 24. September 1998 schrieb. Bernadette Spitzer, sie ist bis heute Autorin im SONNTAG und im Radio tätig, wurde darin zitiert, dass sie auf gewisse Art auch eine „Angestellte Gottes“ sei. Das hing ihr dann doch lange nach. Aber ist es im Kern wirklich so falsch, wenn eine junge, motivierte Redakteurin ihr Herz auf der Zunge trägt? Wollte sie doch nur zum Ausdruck bringen, dass sie die Anliegen ihres persönlichen Glaubens auch in der Arbeit umsetzt – beim kirchlichen privaten Sender „Radio Stephansdom“. Das Moderatorenteam, die Technik, die Musik- und die Wortredaktion bestanden zu Beginn aus jungen, wenig erfahrenen Menschen, niemand von uns war älter als 27 Jahre. Mit sehr viel Herzblut, hohem Respekt und auch mit Unvoreingenommenheit sind wir allesamt am ersten Sendetag an den Start gegangen – inklusive Segen von Papst Johannes Paul II., der damals noch nicht heilig war, aber kurz zuvor Österreich besucht hatte.
radio klassik Stephansdom: der Klassiksender der Kirche
Dann haben wir also losgelegt – oh, da gab es Fehler und unser Chefredakteur und Geschäftsführer, der väterlich-patriarchale Anton F. Gatnar, hat uns immer wieder vorangetrieben. Und der Erfolg stellte sich ein. So wurden unsere Sendungen nach einiger Zeit auch mit Preisen ausgezeichnet. Warum hatte dieses kleine Radio einen so einzigartigen Stellenwert? Die Kirche traute sich, einen eigenen Privatsender aufzubauen. Ein Wagnis, ein Bekenntnis, das für Irritationen im damaligen Funkhaus im ORF sorgte. Heute sehen das wohl alle entspannter: radio klassik Stephansdom hat einfach ein ganz individuelles Angebot – und das hat sich bewährt. Es will kein internationaler Nachrichtensender sein, sondern es setzt andere Akzente, die vielleicht altmodisch klingen, aber einen hohen Wert haben: unaufgeregte Nachrichten – oft mit neuen Hintergründen, die ich nirgendwo anders höre – religiöse Gedanken und liebevoll zusammengestellte Musiksendungen, die mir so oft guttun. Dabei bin ich keineswegs besonders musikalisch gebildet, ich höre einfach gerne schöne Melodien. Das ist übrigens auch völlig religionsunabhängig. Ich erklärte einmal einem Hörer auf Englisch, welche Musik bei der Gottesdienstübertragung im Stephansdom auf dem Programm stehen würde. Er sagte mir dazu gleich, dass er ohnehin nicht katholisch oder gläubig sei.
Was haben wir der Welt zu sagen?
Ist es nicht wunderbar, wenn es bis heute einen kirchlichen Radiosender gibt? Es ist ein Geschenk und hat einen hohen Wert, es ist ein Ausdruck, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes der ganzen Welt (durch das Internet ist das Programm weltweit zu hören) nach wie vor viel zu sagen haben. Ja, die Nachrichten sind nicht immer gut, sogar manchmal grausam. Wir dürfen nichts verschweigen, aber wir berichten in unseren Medien, jetzt neu auch zur Mittagszeit, bewusst über Schönes, von Gott, vom Glauben und der Welt, in der viel Gutes geschieht. Wer, wenn nicht ein katholisches Radio, ist besonders berufen zu einem himmlischen Programm, das für die Menschen da ist? Wenn das nicht in gewisser Weise dem christlichen Grundauftrag der Verkündigung der Frohen Botschaft entspricht!
So ist der 24. September bis heute ein kleiner Erinnerungstag in unserem Medienhaus der Erzdiözese Wien – und das soll, so darf ich es mir wünschen, so bleiben. Und wer spielt denn sonst am Weg in die Arbeit, so wie heute, das Lieblingsstück meiner Oma?
Eine Oase für die Seele – Tag für Tag
„Impuls für den Tag“ bietet kurze, tägliche Gedanken zu biblischen Texten – kompakt, ruhig und alltagsnah.
Montag bis Freitag jeweils 6:40 Uhr, 13:25 Uhr, Samstag 7:40 Uhr.
Das „Evangelium“ bringt wöchentlich kurze Gedanken zum Sonntagsevangelium. Kardinal Christoph Schönborn kommentiert die biblischen Texte. Sonntag und an christlichen Feiertagen um 8:20 Uhr und 21:45 Uhr.
Liturgie erleben – live aus dem Stephansdom: Die Gottesdienstübertragungen aus dem Wiener Stephansdom ermöglichen es, an den religiösen Feiern im Herzen Wiens teilzunehmen. Übertragen werden die Gottesdienste unter der Woche sowie an Sonn- und Feiertagen mit dem feierlichen Hoch-/Pontifikalamt. Dienstag und Donnerstag 12:00 Uhr, sonntags und zu kirchlichen Feiertagen Hoch-/Pontifikalamt um 10:15 Uhr.
NEUE Mittagszeit: Die neue Livesendung mit religiösem Impuls, einem Blick nach Rom, Buchtipps und Gästen im Studio.
Montag, Mittwoch und Freitag von 12:00 bis 13:30 Uhr, dienstags und donnerstags ab 12:35 Uhr nach der Übertragung des Gottesdienstes aus dem Wiener Stephansdom.
„Predigten von Josef Grünwidl“ versammelt ausgewählte Predigten des Wiener Erzbischofs. Die Gedanken greifen religiöse Themen und aktuelle Anlässe auf. Als Podcast online zum Nachhören.
„Perspektiven“, „Lebenswege“ sowie die Sonderreihen „Sommergespräche“ und „Passionswege:“ Reportagen, Diskussionen, Hintergründe – die mehrfach ausgezeichnete Sendereihe der Wortredaktion. Montag bis Freitag, 19:00 Uhr
„Kirchenspaziergänge“, „Im Schnittpunkt“, Magazin zu Religion und Gesellschaft, monatlich.
Gemeinsam geht es!
Was haben Bariton Clemens Unterreiner, Wienerlied-Sängerin Agnes Palmisano und tausende Hörerinnen und Hörer von radio klassik Stephansdom gemeinsam? Sie alle helfen mit ihrem Beitrag, dass der Sender weiter bestehen kann.
Der Sommer 2023 brachte für radio klassik Stephansdom eine existenzielle Herausforderung: Die Erzdiözese Wien kündigte an, ihren finanziellen Zuschuss mit Ende des Jahres 2024 einzustellen. Doch an ein Aufgeben wollten die Verantwortlichen von radio klassik Stephansdom nicht denken und man entschied sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Mit Jänner 2024 startete man eine beispiellose Spendenkampagne. Unter dem Motto „Retten Sie radio klassik Stephansdom“ wandte man sich an die Hörerinnen und Hörer und warb um deren Unterstützung. Auch Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft und langjährige Werbepartner machten sich für den Erhalt von radio klassik Stephansdom stark. Das alles sicherte letztlich den Fortbestand des Senders.
Die Kampagne, die mittlerweile im dritten Jahr läuft und bereits ausgezeichnet wurde, zeigt bis heute große Wirkung. „Es ist unglaublich bewegend für mich, was ich in den letzten Jahren erleben durfte“, sagt Roman Gerner, Geschäftsführer des Medienhauses der Erzdiözese Wien. „Es waren herausfordernde und schwere Zeiten. Und gleichzeitig durfte ich – ja, wir als ganzes Team – erleben, wie tausende Menschen ihre Unterstützung für radio klassik Stephansdom ausdrücken. Immer und immer wieder. Durch bewegende Gesten, aufbauende Worte und großzügige Spenden.“ Das Jahr 2026 ist finanziell gesichert. Dennoch bleibt die Situation herausfordernd: Ohne die Unterstützung von Spenderinnen und Spendern kann der laufende Betrieb nicht dauerhaft gewährleistet werden. Deshalb bittet das Team weiterhin um Unterstützung. aha
Spendenkonto:
STIFTUNG RADIO STEPHANSDOM
IBAN: AT74 1919 0001 3922 7440
radioklassik.at/spenden