Ein Handwerker hat eine Begegnung

Passionswege
Ausgabe Nr. 8
  • Leben
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Der Künstler vor seinem Atelier, das er selbst gebaut hat.
Der Künstler vor seinem Atelier, das er selbst gebaut hat. © Chris Handwerker
Tuschezeichnung, gestaltet von Chris Handwerker. Nach einem Schlaganfall hat sich seine Kunst verändert.
Tuschezeichnung, gestaltet von Chris Handwerker. Nach einem Schlaganfall hat sich seine Kunst verändert. © Chris Handwerker

Das Leben des bildenden Künstlers Chris Handwerker änderte sich schlagartig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Von einem Moment auf den anderen. Seine Geschichte gibt Mut und zeigt, dass ein harter Schicksalsschlag nicht das Ende bedeutet. Sondern der Anfang von etwas Neuem sein kann.

Im  August 2021 stand das Leben für den kanadischen Künstler Chris Handwerker plötzlich still. Damals war er Kunstprofessor an einem Gymnasium in Klagenfurt. Als er sich im Unterricht nicht gut fühlte, ging er nach Hause, um sich auszuruhen. „Ich war eigentlich gesund, es war ein schöner Tag. Dann hatte ich diesen Gehirnschlag. Ich konnte mich am Boden liegend wahrnehmen. Ich konnte meine linke Seite nicht bewegen. Ich lag wie ein Wurm am Boden“, erzählt er. Bis dahin war Handwerker ein agiler und fröhlicher Mensch gewesen, der sich sogar sein eigenes Atelier selbst gebaut hatte. 

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"Ich war nicht mehr die Person, die ich davor war."

Monatelang verbrachte er nun im Krankenhaus und auf Rehabilitation. „Als ich nach Hause kam im Dezember, war ich sehr traurig. Ich erlebte in meinem Zuhause noch viel stärker, dass ich nicht mehr der Gleiche war. Ich war nicht mehr die Person, die ich davor war. Ich hatte Angst“, erinnert er sich. 

„Ich war nicht mehr die Person, die ich davor war. Ich hatte Angst.“

Handwerker im Auftrag der Liebe

Dann passierte etwas. Mitten in der Nacht wachte Chris Handwerker auf und sah neben seinem Bett eine Person stehen. „Ich dachte mir, ist das George Harrison? Er hat so lange Haare. Aber die Person stellte sich als Jesus vor. Und er meinte zu mir, dass ich ihm ein Wort sagen solle und dann nehme er mir alle meine Sorgen und Trauer weg. Und ich sagte zu ihm: ‚Ja‘. Einfach ‚Ja‘.“ Chris Handwerkers Augen strahlen, während er diese Erinnerung teilt. „In diesem Moment spürte ich, dass ich befreit bin von meiner Angst. Ich konnte frei atmen. Und ich habe seine Aufgabe angenommen, die Liebe jetzt in der Welt zu verteilen.“

In seinem früheren Leben hatten Religion oder Glaube kaum eine Rolle gespielt. Doch als er nach dem Schlaganfall im Krankenhaus gelähmt im Bett lag, begann Chris, mit dem Kreuz an der Wand zu sprechen. „Ich glaube, ich habe damals eine Tür geöffnet. Ich habe zum Kreuz gesprochen und um Stärke gebetet. Damals hat mir das geholfen, weil es mich beruhigt hat. Und ich glaube, deshalb ist Jesus später auch zu mir gekommen“, ist er überzeugt. Und noch heute betet er jeden Abend um Unterstützung und Stärkung. 

Handwerkers Kunst in Kanada

Geboren wurde Chris Handwerker 1962 in Kitchener, in der Provinz Ontario im Südosten Kanadas. Mit seiner Familie lebte er mitten in der Natur, zur Schule war es ein weiter Fußweg.  Schon als Kind zeichnete er gern. Die Mutter legte ihm dafür immer Kreiden zum Malen auf einen eigenen kleinen Tisch.  „Ich habe besonders gerne Comics gezeichnet, Donald Duck und Mickey Mouse fand ich großartig.“ Als Jugendlicher erlernte er im Rahmen der Schulausbildung das Handwerk der Tischlerei und baute sich selbst Möbel. Über Umwege kam er dann zum Kunststudium. Eine Freundin nahm ihn mit zur Aufnahmeprüfung, seine Tuschezeichnungen beeindruckten die Professoren sofort. Dort blühte er auf und erlebte viel Anerkennung. Nach dem Studium übernahm er gemeinsam mit Freunden ein Atelier. Nun arbeitete er als freischaffender Künstler.

Von Kanada nach Österreich

Dann kam die Liebe ins Spiel und veränderte sein Leben grundlegend. Chris lernte eine Österreicherin kennen und beschloss, mit ihr mitzugehen. „Ich war davor noch nie in Europa gewesen. Es war ein Abenteuer und ich war bereit dafür. Ich kam als Tourist und es dauerte ein bisschen, bis ich mich hier zuhause fühlen konnte.“ Nach einem längeren Aufenthalt in Kirchberg am Wechsel in Niederösterreich zog die Familie mit zwei Töchtern nach Kärnten. Chris lebte dort, umgeben von der Natur, ein freies und glückliches Leben. Er baute den Kindern einen Hühnerstall und sich selbst ein Atelierhaus mit großen Fenstern und Platz für seine Bilder und Skulpturen. Am nahen Gymnasium war er ein beliebter Kunstlehrer. Und dann kam der Schlaganfall. 

Chris Handwerker: Neue Wahrnehmung

Chris Handwerker musste sein Leben ziemlich umstellen. Das Malen musste er neu lernen. Nachdem er auch Einschränkungen in der Wahrnehmung hat, kann er links der Mitte nichts mehr sehen. „Meine Malerei hat sich sehr verändert. Ich steuere meinen Pinsel ganz anders. Es ist nicht besser oder schlechter, es ist einfach anders. Ich kann mich dadurch auch in der Kunst erweitern und bekomme einen neuen Zugang. Ich nehme jetzt alles anders wahr. Striche, Flächen, Farben, ich sehe das alles anders“, sagt er. In seinen ersten Bildern widmete er sich dem Gehirnschlag. Sie zeigen unter anderem ihn am Boden liegend als schwarze Gestalt und aus ihm heraus tritt eine andere, engelhafte Gestalt. Darüber gebeugt sieht man die Rettungskräfte. Die Bilderserie zeigte Chris zum allerersten Mal bei seinem Kuraufenthalt in Bad Radkersburg. Es kam zu vielen bewegenden Gesprächen. 

Offenheit

Anfangs habe er schon Angst gehabt, dass das Malen nicht mehr so gut sei wie früher. Das Papier konnte er nicht gleich berühren. „Ich musste annehmen, was passiert ist. Und ich bin in einem Prozess. Ich sage mir, es ist gut, wie es ist, und ich mache das Beste, was ich kann.“
Täglich betet er um Unterstützung und bedankt sich für alles, was er hat. „Ich danke Jesus, dass er bei mir war. Ich bin glücklich, obwohl mir etwas ganz Tragisches passiert ist.“ So viele Menschen hätten ihm geholfen und ihn unterstützt. Die Menschheit ist gut, sagt er. „Ich kann sehen, wie viele offene Menschen es gibt. Ich begegne Leuten mit offenem Herzen und sie mir.“  

©David Kassl

Passionswege auf radio klassik Stephansdom


Am 21. 2. 2026 um 19:00 Uhr spricht Chris Handwerker über seinen Lebenseinschnitt in der Sendung Passionswege auf radio klassik Stephansdom. Gestaltung: Ella Necker. (Da Capo: 25. 2. um 21:00 Uhr).  

radioklassik.at

©Chris Handwerker

Zur Person:

Chris Handwerker ist bildender Künstler aus Kanada und lebt in Kärnten.

Autor:
  • Ella Necker
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