„Die Begeisterung kommt aus dem Glauben“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 43
  • Spiritualität
Autor:
Für Johannes Thaler ist der Glaube sehr wichtig.
Für Johannes Thaler ist die Hingabe, das absolute Annehmen des anderen in einer Partnerschaft von großer Bedeutung. ©privat

Johannes Thaler, 46, beschäftigt sich für eine Ausstellung intensiv mit Franz und Franziska Jägerstätter. Dabei hat er einen doppelten Zugang: jenen als Historiker und jenen als gläubiger Mensch.

Die Ausstellung ‚Es gibt keine größere Liebe‘ wurde in Italien von der katholischen Bewegung ‚Gemeinschaft und Befreiung‘ konzipiert und für Österreich überarbeitet.

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Erinnern Sie sich, wann Sie Franz Jägerstätter das erste Mal begegnet sind?

Nein, ich nehme aber an schon als Jugendlicher. Damals habe ich nicht im Glauben gelebt, und es hat mich nicht weiter beschäftigt. Erst jetzt für die Ausstellungsvorbereitung befasse ich mich näher mit der Geschichte von Franz Jägerstätter, und es ist intensiv. 

Sie haben die Ausstellung für Österreich überarbeitet.

Da sie in Italien verfasst wurde, ist sie in gewisser Weise ein Blick von außen auf die österreichische Geschichte. Manche Formulierungen, die die österreichische Geschichte betreffen, haben wir deswegen präzisiert. Mir ist es auch wichtig, die Maßstäbe richtig zu halten: Franz wurde nicht wegen seines Glaubens hingerichtet, sondern wegen seiner Weigerung, in der Wehrmacht zu dienen. Für ihn war es ein ungerechter Krieg, und das kann jeder verstehen, ob im Glauben oder nicht. 

Sie beschäftigen sich als Historiker mit dem Ehepaar Jägerstätter, aber auch als gläubiger Mensch. Sind das zwei unterschiedliche Zugänge?

Ja. Ich bringe der Kirche als Institution des Glaubens größte Wertschätzung entgegen, aber das darf nicht mein historisches Urteilsvermögen trüben. Problematische Seiten der Kirchengeschichte will ich sehen und erkennen. Und das kommt in dieser Ausstellung auch klar zutage: Die österreichischen Bischöfe haben, besonders in der ersten Zeit nach dem ‚Anschluss‘, die Nähe zum NS-Regime gesucht. Franz Jägerstätter hat bei der Volksabstimmung über den ‚Anschluss‘ trotz Widerstand seiner Dorfgemeinschaft und seiner Frau mit ‚Nein‘ gestimmt. Sein Stimmzettel wurde dann vernichtet. Bei der Ausstellung muss mein Zugang ein wissenschaftlicher sein. Die Begeisterung für das Ehepaar Jägerstätter kommt aber aus dem Glauben. 

Im Glauben leben

Was beeindruckt Sie besonders am Zeugnis von Franz und Franziska?

Natürlich die Konsequenz ihres Glaubens! Es stellt sich mir die Frage: Wäre ich auch diesen Weg gegangen, hätte ich das gekonnt? Aber solange man nicht selber in so einer Situation ist, gibt es auf diese Frage wahrscheinlich keine Antwort. Bei Franziska beeindruckt mich, dass sie diesen Weg mitgegangen ist, nicht verbittert war, die Kinder alleine großzuziehen, die Landwirtschaft alleine zu führen und jahrzehntelang ohne ihren Mann zu leben. Sie hat seine Entscheidung immer verteidigt gegen Anfeindungen, die es auch lange nach dem Krieg noch gegeben hat. Und dann ist da die universelle Gültigkeit von Franz’ Entscheidung, ob man nun im Glauben lebt oder nicht: Wie auch immer er zu seinem Urteil gekommen ist, Franz hat die Destruktivität des National-
sozialismus klar erkannt, da gab es für ihn keinen Zweifel.

„Ohne den Glauben würde alles verblassen.“

Johannes Thaler

Hat das Zeugnis des Ehepaars Jägerstätter für Sie als verheirateter Mann eine besondere Brisanz?

Ja sicher. Franz und Franziska waren in den größten Schwierigkeiten, und für Franziska war nicht von vornherein klar, dass sie seine Entscheidung mitträgt. So wie sie möchte ich gerne auf meine eigene Beziehung schauen. Es relativiert natürlich die eigenen Schwierigkeiten. Diese Hingabe, das absolute Annehmen des anderen und seiner Entscheidungen sind für mich etwas Wunderschönes. Ist das nicht das Ziel der Ehe, die Hingabe an den anderen? 

Ohne Glauben würde alles verblassen

Mit Job, Familie und anderen Verpflichtungen: Wie bleiben Sie mit Gott in Verbindung?

Ich würde den Satz eher umdrehen: Durch Gott komme ich überhaupt erst mit meiner Familie, meiner Arbeit und allen anderen Dingen in Verbindung. Ohne den Glauben würde das alles verblassen, seine Bedeutung und Tiefe verlieren oder, im Gegenteil, mich erdrücken.

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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