Der Stern von Betlehem – eine kleine Theologie

Hochfest der Erscheinung des Herrn
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Die Sterndeuter beten das Kind in der Krippe an, darüber ist der Stern von Betlehem (Giotto, Padua, um 1303/05). ©Cameraphoto/akg-images/picturedesk.com

Zu „Dreikönig“ am 6. Jänner, dem Hochfest der „Erscheinung des Herrn“, wird das Evangelium von den „Weisen aus dem Morgenland“ und dem „Stern von Betlehem“ in den Kirchen gelesen. Viele Christbäume sind allerdings schon wieder abgeräumt und entsorgt. Und die Kirchen sind wieder fast leer. Dabei endet die Weihnachtszeit erst mit dem darauffolgenden Sonntag, der „Taufe des Herrn“.

Wenn in der Weihnachtszeit die „Sternsinger“ der Katholischen Jungschar von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung ziehen, erzählen sie durch ihr Unterwegssein auch von jenen Sterndeutern, die sich vor mehr als 2.000 Jahren auf den Weg machten, um den „neugeborenen König der Juden“ zu suchen, wie der Evangelist Matthäus schreibt.

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Acht kleine Anmerkungen

  1. Wer waren diese „Sterndeuter“? Der große Theologen-Papst Benedikt XVI. nennt in seinem dreibändigen Werk „Jesus von Nazareth“ mehrere Möglichkeiten. Er entscheidet sich schließlich für die Interpretation der Sterndeuter als „Angehörige der persischen Priesterkaste“ oder Sternkundige, sie waren also keine Zauberer oder Astrologen, sondern „Weise“. „Sie stehen für die Bewegung der Religionen und der menschlichen Vernunft auf Christus zu“, schreibt Benedikt XVI.
  2. Die Sterndeuter sind wie Suchende, die in den Himmel blicken und Ausschau halten nach einem Stern der Orientierung. Auch wir wenden unseren Blick nach oben, manches Mal wollen wir auch sprichwörtlich nach den Sternen greifen. Die Sterndeuter sind „Menschen mit beiden Füßen auf der Erde, den Blick in den Himmel gerichtet“, erläutert der italienische Ordensmann Ermes Ronchi in seinem Buch „Die Weihnachtsüberraschung. Oder: Was da drinsteckt“.
  3. Und der aufgehende Stern selbst? Einen Anhaltspunkt aus dem Alten Testament bildet die Bileam-Weissagung aus dem Buch Numeri (Kapitel 24, Vers 17), wo der messianische Heilskönig für Israel mit dem Bild eines aufgehenden „Sterns aus Jakob“ angekündigt wird: „Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel …“
  4. Der Evangelist Matthäus erzählt von einem Stern, der allerdings nicht den schon damals bekannten astronomischen Gesetzen folgt, sondern auf dem Weg nach Betlehem plötzlich wieder auftaucht, vor den Sterndeutern hergeht und über dem Geburtsort stehen bleibt.
  5. Und wie ist das mit der sogenannten „Konjunktion“, der scheinbaren Begegnung zweier Himmelsobjekte? „Johannes Kepler hat eine Lösung vorgelegt, die im Wesentlichen auch von heutigen Astronomen wieder vorgetragen wird“, weiß Benedikt XVI.: „Kepler berechnete, dass im Jahr 7 auf 6 v. Chr., das … heute für das wahrscheinliche Geburtsjahr Jesu gehalten wird, eine Konjunktion der Planeten Jupiter, Saturn und Mars stattgefunden hat.“
  6. König Herodes entlarvt sich mit seiner Bitte an die Sterndeuter und gibt uns zugleich einen Hinweis für unser eigenes Leben. „Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind“, sagt er heuchlerisch. Haben wir das Kind von Betlehem gesucht und gefunden? Haben wir unseren Stern gefunden? Wir dürfen nach dem Kind „forschen“: „In Büchern und in der Kunst, in der Geschichte, in den Gesichtern der Menschen, im Herzen der Dinge“, zählt Pater Ronchi auf. Bereits der heilige Augustinus wusste es: „Auf dem Weg über den Menschen gelangst du zu Gott.“
  7. Nachdem die Sterndeuter Gold, Weihrauch und Myrrhe dem Kind dargebracht hatten, „zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land“. „Das Gold weise auf Jesu Königtum hin, der Weihrauch auf die Gottessohnschaft, die Myrrhe auf das Geheimnis seiner Passion“, so fasst Benedikt XVI. die jahrhundertealte Deutung der drei Geschenke der Sterndeuter zusammen.
  8. „Wer Jesus gefunden hat, dessen Leben nimmt eine neue Richtung: Der Weg nach Hause, der Weg zur inneren Mitte, zum Sinn des Lebens verläuft auf neuen Bahnen“, weiß Pater Ronchi.
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Autor:
  • Stefan Kronthaler
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