Der rausgeschmissene Bischof
Anekdoten
Schoiswohl studierte von 1920 bis 1924 Theologie und lebte als Priesterseminarist im Wiener Priesterseminar. Dieses hatte damals eine strenge Hausordnung: Um 22:00 Uhr wurde das Eingangstor verschlossen, und die Seminaristen mussten zuhause sein. Diese fanden sich allerdings ein Schlupfloch. Wenn man wusste, dass jemand einen geselligen Abendtermin hatte, wurde ein bestimmtes Gangfenster offengelassen.
Bischof machte öfter vom "Noteingang" Gebrauch
Josef Schoiswohl war Mitglied der CV-Verbindung Rudolfina und machte öfter vom „Noteingang“ Gebrauch. Eines Abends aber zog ein Gewitter auf. Der pflichtbewusste Portier ging durch das Haus und schloss alle Fenster. Als Schoiswohl nach Hause kam, war der „Noteingang“ geschlossen und auch die Steinwürfe an diverse Fenster weckten keine Studienkollegen auf. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Portier herauszuläuten. Der sagte verärgert: „Herr Schoiswohl, Sie wissen, dass ich Sie morgen dem Herrn Regens melden muss.“ Zur damaligen Zeit bedeutete das unausweichlich den Rausschmiss aus dem Seminar wegen groben Verstoßes gegen die Hausordnung – und das knapp vor der Weihe! Schoiswohl beriet sich mit Kollegen. Am nächsten Morgen wurde eine Gruppe von Seminaristen beim Portier vorstellig und brachte eine Reihe von Argumenten vor, um ihn davon abzuhalten, Schoiswohl zu verpfeifen: Der Portier sei doch fromm, und für die Kirche wäre Schoiswohl so kurz vor der Weihe ein großer Verlust ... Der Portier ließ sich erweichen.
1924 zum Priester geweiht
Schoiswohl wurde 1924 zum Priester geweiht und war von 1954 bis 1968 Bischof von Graz-Seckau. Das alles wäre möglicherweise nicht passiert, wenn der Portier des Priesterseminars dem Regens den Verstoß von Schoiswohl gemeldet hätte.
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