Der Depression eine Stimme geben

Selbstfürsorge
Exklusiv nur Online
  • Soziales
Autor:
Eine Depression kann einem manchmal wie ein düsterer Wald erscheinen.
Eine Depression kann einem manchmal wie ein düsterer Wald erscheinen. ©Helmut Duller

Elisabeth Kaufmann leidet seit ihrem 21. Lebensjahr immer wieder an Depressionen. Die Wienerin hat über die Jahre viele Methoden gefunden, um damit umzugehen. Zum Internationalen Tag gegen Depressionen am 23. Februar kommentiert sie folgende Ratschläge von Bruder David Steindl-Rast.

Die folgenden Ratschläge bei Depressionen stammen von Bruder David Steindl-Rast. Kommentiert werden diese Tipps von Elisabeth Kaufmann – ebenfalls Betroffene. 

Werbung

Bruder David: An meinem üblichen Ablaufplan festhalten

Elisabeth Kaufmann: Ich kenne diese Erfahrung unter dem Motto „Depression braucht Struktur“. Wenn es eine Phase der Depression erlaubt, noch arbeiten zu gehen, kann ich zumindest versuchen, an meinem üblichen Ablaufplan festzuhalten. Doch kaum bin ich im Krankenstand, fällt jegliche Struktur weg und das verschärft die Situation. Dann heißt es, mir selbst eine Struktur zu geben. Die Unterstützung von Nahestehenden bei der Erlangung einer neuen Tagesstruktur ist dabei sehr wertvoll.

Bruder David: Spaziergänge machen (auch wenn ich mich nicht danach fühle)

Elisabeth Kaufmann: Meine Psychiaterin hat mir den folgenden Satz mitgegeben: „Bewegung bewegt!“ Es gibt für mich in der Depression nichts Schwierigeres – aber auch nichts Effektiveres – als Bewegung. Gerade wenn mich alle Kräfte zum Passivsein zwingen wollen, ist Bewegung für mich sehr schwer. Es ist für mich ein großer Dienst, wenn sich jemand zum Spazierengehen findet.

Bruder David: Mich daran erinnern, dass „auch das vorbeigehen wird“

Elisabeth Kaufmann: Dieses „Erinnern“ ist für mich hauptsächlich ein Werk des Verstandes, denn mit dem Herzen kann ich nicht nachvollziehen, dass es eine Zukunft für mich geben kann. Ein Gebet von mir zu diesem Thema in einer Depression lautet: „Zukunft – was ist das nicht für ein schreckliches Wort für mich. Und doch: Wenn ich meinen dreijährigen Neffen sehe, denke ich, es MUSS für ihn eine Zukunft geben. Wenn für ihn – dann doch auch für mich!“ Mit mir an die Zukunft glauben: ein sehr nachhaltiger Beitrag von Nahestehenden in meiner Depression.

Bruder David: Mich selbst freundlich behandeln, so wie ich es mit einem leidenden Freund tun würde

Elisabeth Kaufmann: Mein Selbstwert bei Depressionen und die Motivation, für mich selbst etwas zu tun, sind sehr gering. Doch es ist sehr wichtig, gut zu sich selbst zu sein – gerade in der Depression. Das beginnt bei der Körperpflege und geht bis zu anderen Dingen, die mir in der Depression noch guttun. Wichtig ist es, nicht zu sagen „entweder – oder“, sondern „ein bisschen“. Vielleicht bekomme ich dann ja Lust auf mehr!

Bruder David: Etwas für jemand anderen tun – egal wie wenig das sein mag (bereits ein Lächeln oder ein freundlicher Gruß wird helfen, die Gefängnisgitter der Depression zu lockern)

Elisabeth Kaufmann: Gefangen in der Depression. Etwas für jemand anderen zu tun, kann diese Gitter lockern. Ich wohne allein. Für mich ist es schwieriger, etwas für jemand anderen zu tun. Aber: ein Anruf, eine E-Mail oder ein WhatsApp … Diese „sozialen Kontakte“ sind immens wichtig für mich. Wichtig ist mir auch, andere von meiner Depression zu informieren, dann findet sich doch immer wieder jemand, der den Kontakt zu mir von sich aus sucht.

Autor:
  • Elisabeth Kaufmann
Werbung

Neueste Beiträge

| Politik
Ukraine-Krieg

Am 24. Februar 2022 attackierte Russland die Ukraine und eskalierte damit einen Krieg, der schon mit der Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 begonnen hatte. Während Europa an seiner Sicherheitspolitik arbeitet, frieren die Ukrainerinnen und Ukrainer im vierten Kriegswinter.

| Heiter bis heilig
Anekdoten

Am 26. Februar ist der 25. Todestag des legendären steirischen Bischofs Josef Schoiswohl. Seine Weihe wäre aber beinahe an einem pflichtbewussten Portier gescheitert.

| Kunst und Kultur
Jesuitenfoyer

Mit kargen, präzisen und zugleich hochreflektierten Arbeiten legt Otto-Mauer-Preisträger Nadim Vardag die verborgenen Bedingungen des Zeigens frei – jene Strukturen, in denen Bilder entstehen, bevor sie überhaupt etwas darstellen.