Das Wort Gottes ist Mensch geworden

Weihnachten feiern
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Maria schwanger mit Gottes Sohn
Die schwangere Frau ist ein Bild für die Bereitschaft, Sinn im Leben anzunehmen, die Geburt dafür, diesen Sinn sichtbar zu machen, und das Kind ist Bild für ein sinnvolles Leben, das sowohl Hoffnung ausstrahlt als auch bedroht ist. ©Josh Bean/Unsplash

Weihnachten ist mehr als der Heilige Abend und es lohnt sich, das bei der Gestaltung der Festtage zu bedenken“, sagt Johannes Kittler, Augustiner Chorherr des Stiftes Klosterneuburg.

Ein Christbaum hell erleuchtet von Dutzenden von Lichtern. Darunter Geschenke – schön verpackt und dazu bestimmt, kleinen aber auch großen Mitfeiernden Freude zu bringen. Ein besonderes Essen, das die Einzig­artigkeit dieses Abends im Jahr herausstreichen soll. Der gemeinsame Gang in die Kirche, zu einer Krippenandacht oder einer Christmette. Besuche bei den Verwandten. Das alles gehört für die meisten von uns zum Heiligen Abend, dem darauffolgenden Christtag und dem Stefanitag dazu. Eine Tradition, die uns lieb und teuer ist, wir hegen und pflegen sie. 

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Gott ist uns nahe

Aber warum eigentlich? Nach diesen drei Tagen ist Weihnachten vorbei. Oder doch nicht? Kann nach diesen drei Tagen etwas bleiben? Etwas, das länger sichtbar ist als die Berge von Geschenkpapier oder länger hält als der Schwur, nie wieder Kekse zu essen? 

„Grundsätzlich ist es so, dass wir in der Feier christlicher Feste Gott begegnen“, sagt Johannes Kittler, Theologe und Augustiner Chorherr des Stiftes Klosterneuburg. 30 Jahre lang war er Pfarrer in Maria Hietzing im 13. Wiener Gemeindebezirk und hat dabei mit seiner Gemeinde unzählige Male die Weihnachtsfeiertage zelebriert. „Weihnachten ist ein ganz besonderes Fest“, sagt er. „Ein Fest, das uns mit ganz klaren Bildern und intensiven Symbolen vor Augen führt, dass Gott uns nahe ist, beziehungsweise uns nahe sein will.“ Das Heil der Menschen liege in der Nähe Gottes. „Die Nähe Gottes ist der Grund, dass wir Christen uns Sonntag für Sonntag in der Kirche versammeln. Und die Nähe Gottes ist der Grund, warum wir Weihnachten feiern.“ 
 

Gott ist in unserer Welt zu finden

Zu Weihnachten feiern wir somit, wie Gott und die Welt zusammenhängen. „Wir feiern, dass das Wort Gottes Mensch geworden ist. Natürlich heißt das nicht, dass Gott und Mensch dadurch ident sind“, sagt Johannes Kittler. Aber zu Weihnachten werde ganz klar, dass Gott in dieser Welt zu finden ist. Und dass er will, dass wir ihn finden. „Um bei Maria zu bleiben, die dieses Kind auf die Welt bringt. Die schwangere Frau ist ein Bild für die Bereitschaft, Sinn im Leben anzunehmen, die Geburt dafür, diesen Sinn sichtbar zu machen, und das Kind ist Bild für ein sinnvolles Leben, das sowohl Hoffnung ausstrahlt als auch bedroht ist. Gott will, dass wir ihn zur Welt bringen.“ 

In das Fest hineinziehen lassen

Das Symbol des kleinen Kindes, sei etwas, das ihn zu Weihnachten immer wieder sehr berühre: „Dieses Baby, das so lebendig ist, aber auch sehr schutz- und hilfsbedürftig, ist ein so schönes Symbol für das, was Weihnachten bedeutet“, so Johannes Kittler: „Dieses Kind ist ein Wunder und dessen sollten wir uns zu Weihnachten bewusst werden und uns von diesem Kern des Festes ergreifen und ein Stück weit in das Fest hineinziehen lassen. Dafür muss man aber natürlich offen sein für das, was gefeiert wird.“

Weihnachten in den Alltag mitnehmen

Traditionen, Rituale wie das Lesen des Weihnachtsevangeliums bei der Familienfeier daheim, das gemeinsame Beten, das Singen von Weihnachtsliedern, ein Essen, das festlich miteinander genossen wird, der Besuch einer Krippendacht mit kleinen Kindern, der Christmette mit der Familie und mit Freunden, helfen uns den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren: Darauf, dass Gott uns nahe ist und sein will. Und es hilft uns, dieses Wesentliche auch über den 24., 25. und 26. Dezember in den ganz normalen Alltag mitzunehmen. 

Autor:
  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
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