Bethlehem: Kinderspital als Zuflucht

Evakuierung Gaza-Krieg
Ausgabe Nr. 15
  • Soziales
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Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem gewährt allen unabhängig ihrer Herkunft und Religion eine gleichwertige Behandlung. ©KHB/Meinrad Schade
Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem ist das einzige Kinderspital im Westjordanland. ©KHB/Meinrad Schade
Seit 2013 gibt es im Caritas Baby Hospital eine pädiatrische Intensivstation. Das medizinische Team rettet hier Tag für Tag Leben. ©KHB/Meinrad Schade
Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem behandelt Babys und Kinder bis 18 Jahre. ©KHB/Meinrad Schade

Im Kinderspital Bethlehem kämpfen sie ums Überleben - 68 Kinder wurden aus dem Kriegsgebiet Gazastreifen gerettet: Entdecken Sie ihre Geschichten von Hoffnung und Heilung inmitten des Konflikts.

Seit vielen Jahrzehnten ist das Kinderspital in Bethlehem das einzige ausschließlich für Kinder zuständige Spital im Westjordanland. Tausende Kinder nehmen jedes Jahr die medizinische Hilfe in Anspruch. Seit Beginn des Krieges ist der Zugang zum Krankenhaus erschwert. Doch das engagierte Team gibt nicht auf. 

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Krankenhaus in Bethlehem hilft unabhängig von Herkunft oder Religion.

Erste Kindergruppe erreicht Bethlehem

Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2023 konnten Menschen aus dem Gazastreifen evakuiert werden. Eine Gruppe von 68 Kindern, die vorher im SOS-Kinderdorf in Rafah lebten, kam kurz vor Ostern in Bethlehem an. Dort wurden sie im Kinderspital von einem Team bestehend aus zwei Ärzten, drei Pflegekräften und einer Sozialarbeiterin gründlich untersucht.

Betreuung in Bethlehem: Gazas traumatisierte Kinder

Die Kinder werden  seither nicht nur medizinisch betreut, sondern auch psychologisch und psychosozial. Die Kinder sind von den Ereignissen der vergangenen Monate schwer traumatisiert. „Es ist selbstverständlich, dass wir uns um diese Kinder kümmern“, sagt Issa Bandak, Direktor des Kinderspitals. „Endlich können wir etwas für die unschuldigen Opfer des Gaza-Krieges tun.“

Bethlehem im Schatten des Konflikts

Die Lage vor Ort ist nach wie vor katastrophal – im Gazastreifen selbst, aber auch in Regionen, die eigentlich nicht direkt zum Kriegsgebiet gehören wie eben der Stadt Bethlehem, die südlich von Jerusalem im Westjordanland liegt und zu den palästinensischen Autonomiegebieten gehört. Seit dem 7. Oktober sind die meisten Zufahrtsstraßen zu den Dörfern und Städten des Westjordanlandes versperrt.

Mit Herz und Hingabe.

Eingeschränkte Mobilität in Bethlehem: Wirtschaftliche und medizinische Krise

Die Mobilität der palästinensischen Bevölkerung ist durch die Maßnahmen der israelischen Armee stark eingeschränkt, zum Teil vollkommen unterbunden. Viele Arbeiter, die früher in Israel ein Auskommen hatten, haben ihre Stellen verloren. Touristen und Pilger kommen nicht mehr nach Bethlehem. Arbeitslosigkeit und Armut nehmen zu. Der Zugang zum Kinderspital, vor allem für Patientinnen und Patienten, die nicht in und rund um Bethlehem wohnen, ist seit langem schwierig. 

Bethlehem's Kinderspital sichert Versorgung

Das Kinderspital hat deshalb die unterschiedlichsten Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung kranker Kinder weiterhin sicherzustellen. Die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger sowie die Sozialarbeiterinnen des Kinderspitals in Bethlehem sind in engem Kontakt mit den chronisch kranken Patienten und ihren Familien und stellen so gut es geht sicher, dass diese die benötigten Medikamente bekommen. Anfragen von Eltern werden – wo möglich – auch telefonisch beantwortet.

Kinderspital in Bethlehem ist das einzige im Westjordanland.

Kleiner Kämpfer Aser: Hoffnung im Kinderspital Bethlehem

Seit 70 Jahren ist das Kinderspital in Bethlehem, was die medizinische Versorgung betrifft, ein wichtiger Ort der Hoffnung und Stabilität für die Menschen vor Ort. Aser ist einer davon. Der zweijährige palästinensische Bub leidet an schwerem Asthma. Im Kinderspital Bethlehem bekommt er die dringend nötige Langzeittherapie.

Besonders aggressive Erreger wie das Adeno-Virus oder RSV, die sich das Kind im ersten Lebensjahr eingefangen hatte, waren vermutlich die Auslöser für sein starkes Asthma. Just an seinem ersten Geburtstag verschlechterte sich sein Zustand dramatisch.

Rettung in letzter Sekunde: Asers dramatischer Kampf in Bethlehem

Asers Mutter brachte ihn eilends ins Kinderspital. Aser wurde umgehend auf die Intensivstation verlegt und intubiert. „Die Entscheidung, ihn maschinell zu beatmen, war nicht leicht. Für ein Kleinkind ist das ein massiver Eingriff“, erinnert sich Rafat Allawi. „Aber wir mussten es tun, sonst wäre er gestorben.“ Erst nach zwei Wochen trat eine Besserung ein. „Es schien wie ein Wunder“, sagt Rafat Allawi, der seit März des vergangenen Jahres der neue Chefarzt des Kinderspitals in Bethlehem ist.

Wie das Kinderspital Bethlehem Leben rettet

Ein Wunder, das freilich nicht vom Himmel fiel. Dass Aser gerettet wurde, hat viel mit der guten Ausstattung des Kinderspitals, der hohen Expertise des Personals und dem Teamgeist zu tun. „Kinder verdienen unseren besonderen Schutz“, sagt Rafat Allawi. „Für uns ist es gerade jetzt wichtig zu zeigen, dass wir hier sind – auch in schwierigen Zeiten.“

Autor:
  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
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