Beliebte Advent- und Weihnachtslieder

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musizierende Kinder vor Christbaum
Jetzt im Advent ist die Chance da, ein neues Lied für das Weihnachtsfest einzustudieren. ©iStock

Zur Advent- und Weihnachtszeit gehört das Singen dazu. Vielleicht wieder eine gute Gelegenheit, ein paar Lieder zu üben.

Viele von uns haben schon „O du fröhliche“ gesungen. Doch nur wenige wissen, wie das Lied entstanden ist. Wir gehen auf Spurensuche nach bekannten Advent- und Weihnachtsliedern und beleuchten ihren historischen Hintergrund.

Die vorgestellten Lieder sind im katholischen Gesangbuch "Gotteslob" enthalten. Fürs Üben gibt es zu jedem Lied auch einen YouTube-Link, wo die Melodie an der Orgel vorgespielt wird.

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Lieder für den Advent

Macht hoch die Tür

Gotteslob Nr. 218
 

Der Königsberger evangelische Pfarrer Georg Weissel schrieb den Liedtext in Anlehnung an Psalm 24 im Jahre 1623 zur feierlichen Einweihung der neu errichteten Altroßgärter Kirche der Pregelstadt. Die Vermutung liegt nahe, dass der Psalm 24 zu einer Liturgie am Jerusalemer Tempel gehört haben muss, bei der der Einzug des Gottes Israels gefeiert wurde, sichtbar gemacht durch das Hineinbringen der Bundeslade in den Tempel. Bereits in den frühen Überlieferungen des Christentums wurde das Öffnen der Tore für den König der Herrlichkeit als eine Handlung Christi interpretiert: Er betritt diese Welt und wird Mensch, indem er die Tore der Welt durchquert. Durch seinen Tod und sein Herabsteigen in das Reich des Todes zerbricht er die Tore der Hölle. Seine Auferstehung öffnet die Pforte des Todes, während seine Himmelfahrt die Türen des Himmels aufschließt. Im göttlichen Gericht überwindet er das Reich des Bösen.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Die Nacht ist vorgedrungen

Gotteslob Nr. 220
 

Der Schriftsteller Jochen Klepper notierte vor über achtzig Jahren, am 18. Dezember 1937, in sein Tagebuch: „Erst um Mittag begann die fahle Wintersonne zu leuchten. Der Untergang war feierlich und groß. In der Dämmerung standen dann die Laternen wie Fackeln am Saume der Gärten. Die klaren schwarzen Äste über der Decke des Schnees sind so friedvoll; ein Bild der tiefen Ruhe. Ich schrieb am Nachmittag ein zweites Weihnachtslied...“
 

Über dem ersten Druck des Liedes in Kleppers berühmten Büchlein "Kyrie" steht die Bibelstelle, die ihn besonders inspiriert hat. Es sind Worte des Apostels Paulus aus dem Brief an die Römer, Kapitel 13, Verse 11 und 12, nach der Lutherbibel 1912: "Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf (sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir gläubig wurden; die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen): so lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes."
 

Die Nacht weicht langsam dem aufkommenden Tag – ein Symbol für die adventliche Zeit der Vorfreude und Vorbereitung auf Neues. Der Morgenstern kündigt den Tag an, indem er helles Licht in die Dunkelheit wirft. Dieses Licht durchbricht die Finsternis, selbst für diejenigen, die in der Nacht weinen. Das Lied, das diese kraftvollen Bilder malt, birgt eine tiefgreifende Erfahrung. Wer ist der Schöpfer dieses beeindruckenden Liedes, und welche Geschichten verbergen sich hinter seinen Zeilen? Der Autor Klepper kannte die dunklen Mächte, vor allem die in Gestalt des Nationalsozialismus, der ihn in "Angst und Pein" versetzt hat. Mitten in dunkler Nacht schaute er auf den segnenden Christus und vertraute ihm.
 

Das Lied betrachtet die herausfordernden und schmerzhaften Phasen unseres Lebens, vermittelt jedoch gleichzeitig, dass Jesus Christus gekommen ist, um uns zu erlösen. Er schenkt uns Hoffnung und lässt sein Licht immer wieder in unserem Leben aufleuchten. Abseits der falschen Weihnachts-Gefühligkeit zeigt Klepper einen nüchternen Blick auf die Wirklichkeit: Der Glaube bewahrt uns nicht vor den dunklen Stunden in unserem Leben. Aber der Glaube gibt uns Halt.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Maria durch ein Dornwald ging

Gotteslob Nr. 224
 

Das ursprüngliche Wallfahrtslied wurde im 19. Jahrhundert zunächst in der Gegend um das katholische Eichsfeld und im Bistum Paderborn mündlich verbreitet. Die ersten drei Strophen, mit denen das Lied auch heute bekannt ist, beziehen sich auf Marias Besuch bei Elisabeth aus dem Lukas-Evangelium (Lk1, 39ff). Es besingt ein ausdrucksstarkes Bild: Ein dichtes Gestrüpp aus Dornenhecken. potenzielle Verletzungsquellen. Dennoch durchschreitet Maria, die Mutter Jesu, unerschrocken das Gewirr der Dornen, ohne Furcht und ohne sich zu verletzen. Sobald Maria den Wald betritt, verwandelt sich der düstere, ausgedorrte Wald in ein blühendes Paradies.

In diesem Motiv steckt eine tiefe Symbolik. Das Kind, das Maria unter ihrem Herzen trägt, wird neues Leben hervorbringen. Es wird Schmerz und Tod überwinden, ebenso wie der vermeintlich leblose Wald sich in ein blühendes Paradies verwandelt. Die Rose repräsentiert mit ihren Blüten Liebe und Freude, aber auch mit ihren Dornen Schmerz. Beides erwartet Maria: Freude über die Geburt ihres Kindes und Trauer um das Kind, das eines Tages am Kreuz sterben wird.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Tochter Zion, freue dich

Gotteslob Nr. 228
 

Das Adventlied besteht aus nur sechzehn verschiedenen Takten und basiert auf Chorsätzen aus Händels Oratorien "Judas Makkabäus" und "Joshua". Seine heutige Form erhielt es um 1820 in Erlangen, als der evangelische Theologe Friedrich Heinrich Ranke (1798-1876) einen Text nach Sacharja 9,9 (vgl. auch Matthäus 21,1–9, Jesaja 9,5f) auf den Chorsatz von Georg Friedrich Händel legte. Zwei weitere Strophen wurden hinzugefügt, die das kommende, ewige Friedensreich Jesu Christi besingen.

Seit den Zeiten König Davids erwartete das jüdische Volk sehnsüchtig den "Sohn Davids", der nunmehr erscheinen soll. Die Aufforderung geht an "Tochter Zion", die Menschen in Jerusalem, sich auf diese Ankunft vorzubereiten und sich zu freuen. Ziel ist es, die Ankunft des Königs, der in diesem Kontext Jesus Christus repräsentiert und dessen "Friedensthron" für die Ewigkeit errichtet werden soll, mit Freude und Würde zu zelebrieren.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

O Heiland, reiß die Himmel auf

Gotteslob Nr. 231
 

In diesem Adventlied verbindet sich die alttestamentarische Prophezeiung des Propheten Jesaja, dass ein Retter kommen wird, mit der adventlichen Erwartung der Geburt des Erlösers. Der Jesuit Friedrich Spee hat den Text zu diesem Lied gedichtet. Im Jahr 1622, als er von "Elend, Not und Finsternis" sprach, hatte er hautnah erlebt, wovon er sprach. Die Ära des 30-jährigen Krieges tobte in Mitteleuropa mit unvorstellbarer Grausamkeit und Willkür. Dieser verheerende Konflikt forderte bisher noch nie dagewesene Opfer in der Zivilbevölkerung. Pest, Cholera und Hungersnöte leerten ganze Landstriche, Landsknechte, Plünderer und Hexenprozesse verbreiteten Angst und Schrecken. In dieser Zeit bleibt alleine die Hoffnung auf die Rettung durch den Heiland, der Licht, Fruchtbarkeit und Frieden bringt.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Es kommt ein Schiff geladen

Gotteslob Nr. 236
 

Der Ursprung des Textes liegt im Wesentlichen in einem religiösen Gesangbuch des Straßburger Schriftstellers Daniel Sudermann, das im Jahr 1626 veröffentlicht wurde. In diesem Buch gibt Sudermann an, dass er ein älteres Gedicht des Straßburger Mystikers Johannes Tauler (1300-1361) "etwas verständlicher gemacht" habe. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Zuordnung zu Tauler nicht sicher belegt ist.
 

Der Textdichter überträgt das Bild des Handelsfahrerschiffs, das im Spätmittelalter sehnsüchtig erwartet wurde, weil es Lebensmittel und Luxuswaren aus fernen Ländern mitbrachte, auf Maria und Jesus. In dieser Übertragung wird Maria als das Schiff dargestellt, das Jesus als "himmlischen Schatz" zu den Menschen bringt.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Tauet Himmel den Gerechten

Gotteslob Nr. 791
 

Das Lied zieht Inspiration aus dem Buch Jesaja, insbesondere aus Passagen, die ursprünglich an das Gottesvolk Israel während seines Aufenthalts im babylonischen Exil gerichtet waren. Inmitten seiner düstersten Stunde und dem Tiefpunkt seiner Geschichte erhält das Volk die ermutigende Zusage, dass eine neue, bahnbrechende Ära anbricht. Diese Verheißung verspricht nicht nur ein Wiederaufleben des Volkes, sondern den Beginn einer neuen Zeit des Heils. In Jesaja 45,8 verkündet Gott: "Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen. Ich, der HERR, erschaffe es."
 

Das Adventlied, das diesen prophetischen Text aufgreift, wandelt die Vorstellung von der Gerechtigkeit, die aus den Wolken regnet, zu einer Bitte um den Gerechten: „Tauet, Himmel, den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab!“, rief das Volk in bangen Nächten, dem Gott die Verheißung gab, einst den Retter selbst zu sehen und zum Himmel einzugehen …
 

Das Lied verbindet geschickt den Gesalbten, den Messias, den Gott in Jesaja 45,1 ankündigt, mit der Gerechtigkeit, die mit seinem Einzug einhergehen wird. In der jesajanischen Prophezeiung ist der Messias der persische König Kyrus, der das Gottesvolk Israel aus dem babylonischen Exil zurück ins Land führt. Im Adventlied bezieht sich dies auf Christus als den verheißenen Retter. Hier ist das Volk nicht bloß Zeuge, sondern bittet aktiv um diesen Gerechten. Im Lied erfährt die Bitte des Volkes Gehör bei Gott.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

O komm, o komm Emmanuel

Gotteslob Nr. 798
 

Der Text des Liedes hat seine Wurzeln im lateinischen Adventlied "Veni, veni Emmanuel, captivum salve Israel", das seit dem 12. Jahrhundert bekannt ist. Die Textversion unter dem Titel "O komm, o komm, Emmanuel" orientiert sich weitgehend am Kölner Gesangbuch von 1722, obwohl es auch andere Textvarianten gibt.
 

Die wiederholten Aufforderungen "O komm, o komm, Emmanuel!" prägen das Lied, wobei die meisten Strophen (außer der letzten) mit dieser Wendung beginnen. Es ist ein Aufruf des Volkes Israel an den Erlöser, Jesus Christus, und soll den Weg für seine Ankunft bereiten, um zu zeigen, wie sehr das Volk auf ihn wartet. Der Refrain lautet dann entsprechend "Freut euch!" oder "Freu dich!", inspiriert vom lateinischen "Gaudete", in Verbindung mit "Bald kommt Emmanuel" oder der spirituelleren Formulierung "Der Herr ist nahe!". In der katholischen Liturgie ist dieses Lied üblicherweise mit dem 3. Adventsonntag (Gaudete) verbunden.


Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Gotteslob: Das gemeinsame katholische Gebet- und Gesangbuch


»Gotteslob« ist der Titel des gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs für alle deutschsprachigen katholischen Bistümer (außer der Schweiz). In diesem Einheitsgesangbuch finden Sie Lieder und Texte für die Liturgie, sowie einen reichhaltigen Gebetsschatz. Das Gotteslob bietet neben einem gemeinsamen Stammteil außerdem einen Diözesananhang mit regional beliebten Liedern.
 

Erhältlich beim Wiener Dom-Verlag in verschiedenen Ausgaben.
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Lieder für Weihnachten

Vom Himmel hoch, da komm ich her

Gotteslob Nr. 237
 

Martin Luthers Vorlage für den Text ist die Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2, 8–18, die er in seinem umfassenden Lied mit insgesamt 15 Strophen verarbeitet. Dabei gibt er verschiedenen Personen eine Stimme: den Engeln, den Hirten und den Gläubigen. Aufgrund dieser Struktur liegt die Vermutung nahe, dass Luther möglicherweise an eine szenische Aufführung gedacht hat, da Weihnachts- und Krippenspiele bereits zu dieser Zeit beliebt waren. Der Überlieferung nach soll Martin Luther das Lied im Jahr 1534 für die Weihnachtsfeier seiner eigenen Kinder geschrieben haben.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

O du fröhliche

Gotteslob Nr. 238
 

Ursprünglich war "O du fröhliche" kein reines Weihnachtslied, sondern den drei Hauptfesten der Christenheit - Weihnachten, Ostern und Pfingsten -  zugrunde liegenden Heilstaten sollten besungen werden. Es entstand 1815/16 in Weimar, kurz nach dem Sieg über Napoleons Armee. Obwohl das Lied aus den Nöten des Krieges, Hungers und Leidens entstand, sollte es den Kriegswaisen, um die sich Schriftsteller und Laientheologe Johannes Daniel Falk (1768–1826) und seine Frau Caroline kümmerten, Halt und Mut geben. Für Falk war "O du fröhliche" nicht nur ein Lied, sondern eine Lebenseinstellung, ein Ausdruck seines christlichen Glaubens und Vertrauens in Gott, das in diesen schwierigen Zeiten dringend gebraucht wurde.

Nach den Kriegsjahren ein weiteres Desaster: Der verheerende Ausbruch des indonesischen Vulkans Tombora in den Apriltagen 1815 verursachte die schlimmste Hungersnot des 19. Jahrhunderts. Das Jahr 1816 wurde als "Jahr ohne Sommer" bezeichnet. In diesen herausfordernden Zeiten sang Falk mit den Kindern die erste Strophe: "O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!" Die heute uns bekannten zwei weiteren weihnachtlichen Strophen wurden von Heinrich Holzschuher, einem Gehilfen Falks, gedichtet, und das Lied damit zum reinen Weihnachtslied umgewidmet.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Zu Bethlehem geboren

Gotteslob Nr. 239
 

Der Verfasser Friedrich Spee war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges Jesuitenpater, Professor für Philosophie und Domprediger. Vor allem aber war er ein einfühlsamer Seelsorger. In dieser Rolle setzte er sich mutig für Frauen ein, die als Hexen stigmatisiert wurden, kritisierte öffentlich die grausamen Foltermethoden der Hexenprozesse, kümmerte sich um pestkranke Soldaten und infizierte sich selbst dabei. Trotz all dieser Verpflichtungen fand er noch Zeit zum Dichten.
 

Spees Weihnachtslied ist eine zärtliche Liebeserklärung an den neugeborenen Gottessohn. Was könnte passender sein für das Fest der Liebe? Das Ich in dem Lied möchte dem Christkind sein Herz "und alles, was ich hab", schenken und sich uneingeschränkt dem Heiland hingeben, in Freuden und Schmerzen gleichermaßen. Das Kind in der Krippe berührt die erhabensten Gefühle der Gläubigen, und genau darum geht es Friedrich Spee, dem mitfühlenden und liebevollen Menschenfreund.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Adeste fideles

Gotteslob Nr. 241 & 242
 

Die Herkunft der Melodie gilt als ungeklärt, ebenso unterscheiden sich die vermeintlichen Urfassungen im Lateinischen. Die sogenannte "französische Tradition" von "Adeste Fideles" bezieht sich auf Abbé Étienne-Jean-François Borderies als den Urheber und führte im 19. Jahrhundert zur deutschen Übersetzung des Jesuitenpaters Joseph Herrmann Mohr, die heute unter „Nun freut euch, ihr Christen“ im katholischen Gotteslob zu finden ist. Die "englische Tradition" folgt John Francis Wade, basierend auf seinem 1760 veröffentlichten Manuskript, das sowohl die Melodie als auch den lateinischen Text von "Adeste Fideles" enthält. Aus diesem Manuskript entwickelte sich die englische Übersetzung des Textes, die schließlich zur deutschsprachigen Übersetzung von Friedrich Heinrich Ranke führte und sich auch heute unter „Herbei, o ihr Gläub'gen“ noch im Evangelischen Gesangbuch findet.

„Adeste fideles – Seid dabei, ihr Gläubigen“ ist ein Aufruf, nach Betlehem zu gehen und Jesus Christus anzubeten. Diese Botschaft wird besonders durch den eingängigen und wiederholten Refrain verstärkt. Anbetung wird als die angemessene Antwort auf das Wunder der Menschwerdung dargestellt. Es ermutigt dazu, die warmen Stuben zu verlassen, wobei die Hirten aus der zweiten Strophe als Vorbilder dienen, indem sie uns quasi an die Hand nehmen werden, um das Kind zu finden. In der dritten Strophe wird das Geheimnis der Menschwerdung mit biblischen Bezügen beschrieben, unter anderem mit Anspielungen auf den Johannesprolog, in dem es um den Abglanz des Vaters geht, der in unser Fleisch kommt. Im lateinischen Original wird auch auf die Windeln aus dem Lukasevangelium Bezug genommen.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

Es ist ein Ros entsprungen

Gotteslob Nr. 243
 

"Es ist ein Ros entsprungen" ist ein ursprünglich vermutlich zweistrophiges kirchliches Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert. Der Text bezieht sich auf Jesaja 11,1a: „Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“.
 

Die unterschiedlichen Versionen der zweiten Strophe zeigt die Uneinigkeit zwischen der ursprünglich katholischen und der späteren protestantischen Sichtweise. Im katholischen Urtext wird das Gleichnis der ersten Strophe in der zweiten so aufgelöst, dass Jesse die Wurzel ist, Maria der Rosenstock aus der Wurzel und ihr Kind das „Blümlein“. Die rhetorische Doppelung des Jesajaworts wird im Lied also auf das Reis (Maria) und die daraus knospende Blüte (Jesus) gedeutet. In der katholischen Variante der zweiten Strophe wird im Rahmen der Marienverehrung – verglichen mit der protestantischen Fassung – besondere Betonung auf die jungfräuliche Geburt gelegt („und blieb ein reine Magd“).
 

Der protestantische Komponist Michael Praetorius dichtete die Zeilen 3-7 der ursprünglichen Fassung um. Im evangelischen Text werden sowohl "Röslein" als auch "Blümlein" als Verweise auf Jesus verwendet, was jedoch im Widerspruch zur ersten Strophe steht, die besagt, dass das Röslein das Blümlein hervorbringt. Die Betonung der fortwährenden Jungfräulichkeit Mariens weicht einer stärkeren Fokussierung auf Jesus.

 

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Ich steh an deiner Krippen hier

Gotteslob Nr. 256
 

Das Lied beruht auf einem Gedicht des evangelischen Kirchenlieddichters Paul Gerhardt (1607-1676), das 1653 in Johann Crügers Gesangbuch Praxis Pietatis Melica veröffentlicht wurde.

Hier spricht an der Krippe ein einzelner Ich-Erzähler zum Jesuskind, das, so klein es auch ist, die Macht hat, alles Unglück abzuwenden und unsere Wege zu leiten. Gerhardt schildert in 15 wortreichen Strophen, wie der Ich-Erzähler – nur kurze Zeit nach Ende des 30-jährigen Krieges – seine tiefe emotionale Beziehung zu dem Kind gewordenen Friedensfürsten auslebt: er küsst es, bettet es auf Blumen, bietet ihm sein Leben dar.

 

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Ihr Kinderlein kommet

Gotteslob Nr. 248
 

"Ihr Kinderlein kommet" ist ein Liedtext, der ursprünglich aus acht Strophen besteht, von denen heute oft nur noch drei gesungen werden. Gedichtet wurde es um 1808 von dem katholischen Priester und Pädagogen Christoph von Schmid (1768–1854) in Thannhausen, Bayern. Die Kinder werden dazu eingeladen, sich mit den Hirten aus dem Lukasevangelium (Lk 2,8–20) zur bescheidenen Krippe im Stall von Betlehem zu beeilen. Dort sollen sie das göttliche Kind, das auf Heu und Stroh liegt, verehren. Das von seinen Eltern und den Hirten angebetete Kind, über dem ein Engelschor jubelt, wird von den Hirtenkindern mit einfachen Gaben bedacht: Milch, Butter, Honig, Früchte und ein schneeweißes Lämmlein. Letzteres verweist auf den Opfertod Jesu am Kreuz, der in der fünften Strophe angesprochen wird.


Das "himmlische Kind" erfährt aufgrund der Sünden der Menschen die bescheidenen Verhältnisse in der Krippe. Die sechste Strophe fordert die Kinder auf, das Jesuskind wie die Hirten kniend zu verehren, ihm für die Erlösung der Menschheit zu danken und dann freudig in den Jubel der Engel einzustimmen. Die Kinder werden ermutigt, dem Christkind, das keine weltlichen Schätze und Freuden wünscht, ihr "Herz voller Unschuld" zu schenken. Sie sollen darum bitten, auf ewig mit dem Herzen Jesu eins zu werden.

 

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Stille Nacht, Heilige Nacht

Gotteslob Nr. 249 & 803
 

Machen wir eine Zeitreise zurück in das Jahr 1816: Unzählige Menschen litten unter den Auswirkungen eines schrecklichen Krieges. Zudem führte die schlechte Ernte des Sommers zu Hungersnöten und dem Tod vieler Kinder. Joseph Franz Mohr, Aushilfspriester in Mariapfarr im Salzburger Lungau, selbst aus einfachen Verhältnissen stammend, war tagtäglich mit dem Elend seiner Gemeinde konfrontiert. Für Weihnachten desselben Jahres schrieb er das uns allen vertraute Gedicht. Mit einfachen Worten betrachtet Mohr das Geheimnis von Weihnachten. Die Stille der Heiligen Nacht, wie sie uns in der Weihnachtsgeschichte geschildert wird, zeigt uns, dass Gott uns in Einfachheit und Armut begegnet. Der erwartete Messias erscheint nicht pompös, sondern als schutzloses Kind. In einer scheinbar hoffnungslosen Situation erklingt eine Friedensbotschaft: "Jesus, der Retter, ist da!"

 

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Kommet, ihr Hirten

Gotteslob Nr. 801
 

Das Lied folgt der Tradition der Hirtenlieder, die sich auf die Verkündigung der Geburt Jesu durch die Engel an die Hirten und deren anschließenden Besuch in Betlehem beziehen, wie es in der Weihnachtsgeschichte (Lukas 2,8-20) beschrieben wird. Ursprünglich stammt es aus Böhmen und heißt im Original "Nesem vám noviny", was so viel wie „Ich verkünde Euch eine Neuigkeit“ bedeutet. Der Komponist und Chorleiter Carl Riedel schrieb 1868 den deutschen Text.

Häufig werden Hirten lediglich als eine sozial ausgeschlossene Gruppe betrachtet, die verdeutlichen soll, dass Gott sich den Niedrigen zuwendet. Allerdings haben die Hirten eine tiefere Bedeutung. Im Alten Testament werden die Begriffe „Hirt“ und „König“ oft austauschbar für Gott oder einen menschlichen Anführer des Volkes verwendet. Diese Konnotation scheint sich auch bei Lukas wiederzufinden. Die Mächtigen dieser Welt erkennen in Jesus den neugeborenen König. Gleichzeitig erfahren Hirten in antiken Texten oft als Erste vom Beginn eines neuen (kaiserlichen) goldenen Zeitalters. Auch davon hat sich Lukas inspirieren lassen.

 

Zum Mitsingen mit Orgelbegleitung

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