Seit wann feiern wir Weihnachten?

Auf Spurensuche in der Kirchengeschichte
Ausgabe Nr. 51
  • History
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Weihnachten auf dem Petersplatz
Als historisch gesichert gilt eine Feier des Geburtsfestes Jesu am 25. Dezember des Jahres 336 in der römischen Stadtliturgie. ©iStock/bukki88
Papst Franziskus Christmette Weihnachten
Weihnachten heute im Vatikan: Papst Franziskus feiert die Christmette. ©Vatican News

Kirchengeschichtlich gehört das Weihnachtsfest zu den jüngeren kirchlichen Festen. Es entstand erst im 4. Jahrhundert und entwickelte sich später zum beliebtesten christlichen Fest.

Das älteste Zeugnis für das Weihnachtsfest finden wir in einer römischen Kalenderliste aus dem Jahr 336. Wirft man heutzutage einen Blick in das Messbuch, so fällt auf, dass für den Christtag am 25. Dezember insgesamt drei Messen vorgesehen sind: die Christmette in der Heiligen Nacht (Missa in nocte), die Hirtenmesse am Morgen (Missa in aurora) und das Hochamt am Tag (Missa in die). Alexander Zerfaß, Universitätsprofessor für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Universität Salzburg, erzählt über die Entwicklung des Weihnachtsfestes.

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Gab es damals schon die Tradition der drei Weihnachtsmessen?

Alexander Zerfaß: Genau diese Besonderheit der drei Messen, die die römische Liturgie zu Weihnachten kennt, ist tatsächlich erst am Ende der Spätantike entstanden. Zunächst wurde zusätzlich die mitternächtliche Messe eingeführt, die auch etwas mit dem Aufschwung der Marienverehrung und mit der Umgestaltung von Santa Maria Maggiore zur großen Marienkirche in Rom zu tun hat. Ursprünglich gab es eine Messe, wie es an einem Fest üblich war. Wir müssen bedenken, Weihnachten ist in einer Zeit entstanden, in der theologisch die Auseinandersetzung mit dem Arianismus eine große Rolle spielt. 

[Anmerkung der Redaktion: Hatte Arius gelehrt, der Sohn sei ein Geschöpf und als solches dem Vater untergeordnet, wies das Bekenntnis des Konzils von Nizäa (325) zur Gleichwesentlichkeit („eines Wesens mit dem Vater“) der Theologie eine andere Richtung, wobei es sich nicht zuletzt auf Aussagen des Johannesevangeliums berufen konnte: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30); „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9).] 

Das Weihnachtsevangelium in der ursprünglich einzigen, heute dritten Messe vom Tage beinhaltet eben nicht das zweite Kapitel aus dem Lukasevangelium mit den Hirten auf dem Felde, sondern den Johannesprolog, der denkbar „theologischste“ Zugriff auf Weihnachten, den man sich einfallen lassen kann und der sich natürlich mit „Das Wort ist fleischgeworden“ als anti-arianische Spitze auch gut lesen lässt.

Was feiern wir zu Weihnachten?

Weihnachten ist ein Fest einer doppelten Ankunft. Zum einen geht es offensichtlich um die Ankunft Jesu im Stall von Betlehem, also um die Geburt des Gottessohnes in der Welt, zum anderen aber auch um die noch ausstehende zweite Ankunft Christi am Ende der Zeit. Insofern ist Weihnachten ein geradezu paradigmatisches Fest für christliches Zeitverständnis überhaupt, das immer ausgespannt ist zwischen „schon“ und „noch nicht“, wie Theologen gerne sagen. Der Apostel Paulus schreibt, dass wir einerseits schon im neuen Äon, in der neuen Zeit leben, die mit Christus angebrochen ist, andererseits aber eben auch der alte Äon daneben noch weiterläuft, weil Jesus selbst in seinen Gleichnissen vom Reich Gottes spricht, das schon angebrochen, aber noch nicht zur vollen Entfaltung gelangt ist. Wir feiern zu Weihnachten, dass uns das Heil in der Ankunft Christi in dieser Welt schon definitiv verbürgt ist, aber gleichzeitig stellen wir fest, dass dieses Heil doch nur gebrochen erfahrbar und erlebbar ist. Eine Hoffnungsperspektive wird aufgespannt, dass es einmal zu einer Vollendung kommen wird, wo unsere Erfahrungswirklichkeit in dieser Welt mit dem vollen Maß der Verheißungen Gottes sozusagen in Einklang kommt. 

Ist diese doppelte Bedeutung von Weihnachten heute noch erkennbar?

Im 4. Jahrhundert hat Ambrosius, der Bischof von Mailand, seinen Weihnachtshymnus, das älteste uns bekannte Weihnachtslied, geschrieben. Die erste Strophe, die später weggelassen wurde, ist eine Bitte um die endzeitliche Wiederkehr Christi, während sich die zweite Strophe auf die Ankunft im Stall von Betlehem bezieht. Insofern ist der Ausfall dieser ersten Strophe im Laufe des Mittelalters schon wieder ein Anzeichen einer gewissen theologischen Engführung des Weihnachtsfestes, nämlich seiner Beschneidung quasi um die eschatologische Dimension, die später auf die Vorbereitungszeit auf Weihnachten ausgelagert worden ist. Die Lesungen der ersten beiden Adventsonntage sind stärker auf die zweite Ankunft ausgerichtet. In der zweiten Hälfte des Advents fokussiert sich alles stärker auf die bevorstehende Ankunft, die Geburt Christi. Dieser Doppelcharakter ist im Laufe der Zeit für das Weihnachtsfest selbst ein Stück weit verlorengegangen. Er ist aber dem Weihnachtsfestkreis als Ganzem erhalten geblieben, vor allem für die frühe Adventzeit.  

Autor:
  • Porträtfoto von Markus Langer
    Markus A. Langer
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