Reformpapst Paul III.

Bedeutende Päpste – Folge 4
Ausgabe Nr. 16
  • History
Autor:
Papst Paul III.
Paul III.: Ein Papst mit Schwächen und Mängeln, der aber zugleich mit der Einberufung des Konzils von Trient (1545–1563) die maßgebliche und bis weit ins 20. Jahrhundert anhaltende Reform der katholischen Christenheit einleitete. ©Austrian Archives (AA) / brandstaetter images / picturedesk.com

Paul III., ein Reform-Papst mit allen Schwächen als Kind seiner Zeit, wurde durch die Einberufung des Reform-Konzils von Trient (1545–1563) zum maßgeblichen Impulsgeber für eine Erneuerung der katholischen Christenheit.

Während sich seit dem Auftreten Martin Luthers (1483–1546) und der sich rasant ausbreitenden Reformation in Mitteleuropa die Renaissance-Päpste oft nur halbherzig bis gar nicht dem notwendigen Anliegen einer katholischen Reform widmeten, begann ausgerechnet unter dem Pontifikat von Paul III. (1534–1549) das berühmte Konzil von Trient, „das zum wichtigsten Ereignis der katholischen Selbstbesinnung, zur entscheidenden Grundlage des kirchlichen Wiederaufbaues wurde“, schreiben die renommierten Kirchenhistoriker Franz Xaver Seppelt und Georg Schwaiger in ihrer „Geschichte der Päpste“. Wegen Spannungen mit dem spanischen König und römisch-deutschen Kaiser Karl V. verlegte Papst Paul III. das Konzil zeitweise nach Bologna. Erst am dritten Adventsonntag (13. Dezember) 1545 konnte diese wichtigste Kirchenversammlung der Neuzeit endlich im Dom von Trient (1545–1563) eröffnet werden. Und erst das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) löste dann wieder eine intensive Erneuerung der katholischen Kirche aus.

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Familienpolitik und Nepotismus

468 geboren, machte Alessandro Farnese eine für die damalige Zeit typische Kirchenkarriere. Der anfangs bescheidene Kurienbeamte wurde Apostolischer Protonotar in Rom, vom berühmt-berüchtigten Papst Alexander VI. wurde er 1493 zum Kardinal erhoben, später war er Generalschatzmeister der römischen Kirche, und dann Bischof. Die Priester- und Bischofsweihe empfing Alessandro Farnese jedoch erst im Jahr 1519. Mit der Geliebten seiner Jugendzeit, der attraktiven Römerin Silvia Ruffini, hatte Alessandro Farnese in der Zeit vor seiner Priesterweihe eine Tochter und drei Söhne. Diese ließ er später legitimieren, um die eigene Familie vor dem Aussterben zu bewahren. 1534 wurde Alessandro Farnese mit 66 Jahren zum Papst gewählt und regierte 15 Jahre. Als Paul III. war er ein typischer Vertreter des damals vorherrschenden sogenannten Nepotismus („Vetternwirtschaft“). Er war bestrebt, mittels „Familienpolitik“ für seine Familie, das „Haus Farnese“, für Kinder und Enkel Posten und Pfründen zu beschaffen. So ernannte er 1534 zwei seiner Enkel, Guido Ascanio Sforza und Alessandro Farnese (den Jüngeren), zu Kardinälen. Ein Detail:  Paul III. war auch ein bisschen „abergläubisch“: Sein Tagesprogramm und seine Audienzen richtete der Papst nach dem Stand der Gestirne aus.

Gegen die Sklaverei und für die Jesuiten

Ausgehend von den zahlreichen Ehe-Eskapaden des umtriebigen englischen Königs Heinrich VIII. erlebte Paul III. auch die Trennung Englands von der katholischen Kirche, da sich Heinrich VIII. 1534 durch das Parlament zum einzigen und obersten Haupt der Kirche Englands erklären ließ. Am 29. Mai 1537 verkündete die päpstliche Bulle „Sublimis Deus“, dass die Versklavung der indianischen Ureinwohner von Amerika und aller anderen Menschen verboten sei. Und mit seiner Unterschrift bestätigte der Papst am 27. September 1540 den vom spanischen Edelmann Ignatius von Loyola begründeten Jesuitenorden, der bis zur Gegenwart prägend und impulsgebend für den neuzeitlichen Katholizismus ist. Mit der Ernennung von gelehrten und moralisch untadeligen Männern zu Kardinälen begann Paul III. auch mit der grundsätzlichen Reform der Kurie. Das Kardinalskollegium vereinte damals „die edelsten, besten und geistvollsten Männer der Zeit“, wie Seppelt und Schwaiger in ihrer „Geschichte der Päpste“ schreiben. 

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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