Polizist statt Priester

Josef Böck
Ausgabe Nr. 21
  • Soziales
Autor:
Der Polizeihubschrauber Libelle fliegt über Wien.
Die Karriere als Polizist hält viele spannende Aufgaben bereit. © Revierinspektor Fabian Emmer/Polizeikalender 2024
Ein Priester nimmt einem Gläubigen die Beichte ab.
Ein Priester nimmt einem Gläubigen die Beichte ab. ©Pexels
Josef Böck wurde statt Priester Polizist.
Josef Böck wurde statt Priester Polizist. ©privat

Josef Böck war als Polizist viele Jahre in der Kriminal- und Terrorbekämpfung engagiert. Der 66-Jährige erzählt von seiner Berufung.

Josef Böck, 66-jähriger pensionierter Polizist, setzt sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus ein. Sein Credo: Persönliche Beziehungen sind das beste Mittel gegen Vorurteile und Berührungsängste.

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Vom Priester zum Polizist

Eigentlich wollte Josef Böck Priester werden, hatte sich nach der Matura im Knabenseminar in Hollabrunn sogar schon im Priesterseminar angemeldet. Aber noch bevor er wirklich eintrat, wurde ihm bewusst, dass das doch nicht der richtige Platz für ihn ist. Was er aber wusste: dass er mit Menschen arbeiten möchte.

Sie sind Polizist geworden, waren viele Jahre unter anderem bei der Kriminalpolizei und in der Terrorbekämpfung. Wie haben Sie es geschafft, bei allem, was Sie dort erlebt und gesehen haben, Menschen gegenüber nicht grundsätzlich misstrauisch zu werden?

Bei der Polizeiarbeit trifft man ständig auf Menschen, denen es nicht gut geht. Einbrecher, Prostituierte, Familien, in denen Gewalt im Spiel ist, oder Personen, die mit Drogen zu tun haben: Mir war immer wichtig, die Menschen dahinter zu sehen und diesen auf Augenhöhe zu begegnen. Das ist auch zurückgekommen. Ich erinnere mich an so manchen Häftling, der mich am Ende seiner Zeit bei uns auf einen Kaffee eingeladen hat. Das waren durchaus sehr amikale Begegnungen. 

Ihre Leidenschaft gilt dem Kampf gegen Rassismus, in der Polizei aber auch darüber hinaus. Woher kommt dieses Engagement?

Meine Eltern haben mir das vorgelebt. Bei uns daheim waren immer Menschen, die Unterstützung brauchten, willkommen, neu Zugezogene oder bosnische Flüchtlinge zum Beispiel. Das ist mir bis heute geblieben.  

Sie haben den Verein ‚Fair und Sensibel‘ mitbegründet, der sich für ein gutes Miteinander von Polizei und Menschen unterschiedlicher Herkunft einsetzt. Wie arbeitet der Verein?

Wir veranstalten Workshops zur Sensibilisierung und organisieren Begegnungen von Polizisten und Menschen aus afrikanischen Ländern. Darüber hinaus beraten wir Flüchtlinge, helfen bei der Jobsuche und unterstützen im Asylverfahren. 

„Berührungsängste entstehen, wenn man vom anderen zu wenig weiß.“


Josef Böck 

Das ideale Gegenmittel gegen Rassismus und Vorurteile ist Ihrer Ansicht nach das Kennenlernen der anderen. 

So ist es. Berührungsängste entstehen dann, wenn man vom anderen zu wenig weiß. Dort, wo persönliche Beziehung stattfindet, kommt man besser miteinander aus. Auch wenn man die Lebensumstände und die Mentalität derer kennt, die nach Österreich kommen, tut man sich viel leichter. Meine Reisen nach Ghana und in den Senegal waren für mich diesbezüglich sehr prägend.   

Was haben Sie dort erlebt?

Die Menschen sind unglaublich lebensfroh und offen. Der Glaube ist viel selbstverständlicher als bei uns, fast jeder geht dort in den Gottesdienst. Die Gottergebenheit der Menschen hat mich sehr beeindruckt. Genauso nehme ich das auch bei den afrikanischen Priestern wahr, die in Österreich sind. Ich kenne sehr viele von ihnen, und die meisten sind gleichzeitig sehr geerdet und gottergeben. 

Ihre Heimatpfarre ist Stützenhofen im Pfarrverband Weinland Nord im Weinviertel, und das schon seit Ihrer Kindheit. 

Ich bin in Stützenhofen in einer sehr gläubigen Familie aufgewachsen. Als Kinder waren wir oft im Pfarrhof, wo wir von der Pfarrersköchin immer sehr guten Himbeersaft bekommen haben. Später habe ich in dieser Kirche geheiratet, unsere Kinder wurden dort getauft, und wir haben Begräbnisse gefeiert. Die Pfarre ist für den ganzen Ort wichtig: In den Gottesdienst kommen von den 80 Einwohnern im Ort etwa 40, das ist ein doch ein guter Schnitt! Mir bedeutet diese Gemeinschaft sehr viel. Nach der Messe treffen wir uns alle im Pfarrhof, wo wir bei einem guten Wein reden, wenn es notwendig ist, einander kritisieren und oft aufbauen.

Schlagwörter
Autor:
  • Sandra Lobnig
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