Erfülltes Leben ohne Sprache & Bewegung

Christian Bernscherer
Ausgabe Nr. 12
  • Soziales
Autor:
Mit Hilfe seiner Assistentinnen bestreitet Christian Bernscherer seinen Alltag. ©Missio
Dem Leben grundsätzlich positiv gegenüberzustehen, hilft Christian Bernscherer den Mut nicht zu verlieren. ©Missio

Entdecken Sie die inspirierende Geschichte von Christian Bernscherer, der seit zwei Jahrzehnten mit einer Krankheit lebt, die seine Bewegungsfähigkeit und Sprache stark einschränkt.

Christian Bernscherer leidet seit 20 Jahren an ALS, einer unheilbaren Erkrankung des Nervensystems. Er kann nicht sprechen und sich nicht bewegen. Eine seiner Betreuerinnen, Ingrid Kelemenová, wurde jetzt mit dem DAHEIM BETREUT AWARD 2024“ ausgezeichnet.

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Herr Bernscherer, wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich ‚stehe‘ um sechs Uhr auf, das heißt, meine Assistentinnen beginnen mit der Morgenroutine. Den Tag verbringe ich vorwiegend am Computer. Da kann ich am besten kommunizieren. Offline kommuniziere ich über Gesten, die meine Assistentinnen sehr gut verstehen, und eine Buchstabentafel. Der Verlust der Sprache war tatsächlich der härteste Schlag. 

Sie erleben die Abhängigkeit von anderen Menschen wahrscheinlich wie wenig andere. Wie gehen Sie damit um?

Diese Situation ist ein Faktum. Man kann sie entweder akzeptieren und relativ gut damit leben oder jammern. Letzteres würde die Krankheit zum Lebensinhalt machen – es ist eine Entscheidung, die man treffen muss. Ich denke, das gilt für jeden Menschen. Bei mir ist das Problem klar zu sehen, aber jeder Mensch hat seinen Rucksack zu tragen. Geholfen hat mir vor allem die Familie. Auch meine Assistentinnen leisten seit fünfzehn Jahren Unglaubliches. Von Kollegen und Freunden und von meiner Bridgegemeinschaft habe ich viel Hilfe und Wärme erfahren. 

Wie gelingt es Ihnen, den Mut nicht zu verlieren?

Ich stehe dem Leben positiv gegenüber. Ich habe mir neue Hobbys und Aufgaben gesucht, die mich nicht an meine Einschränkungen denken lassen. Hilfreich ist ein Blick über den Tellerrand hinaus, auf die hungernden Kinder in Afrika oder Kinder, die in Kriegsgebieten aufwachsen. Selbstverständlich habe ich wie jeder andere Mensch dunkle Momente. Gott kann ich die Dinge, über die ich keine Macht habe, und meine Entscheidungen vorlegen. Das ist eine Stütze, auf die ich viel zu lange verzichtet habe. 

Sie waren zwar schon als Kind mit der Kirche verbunden, danach – so beschreiben Sie es – plätscherte Ihre Beziehung mit Gott lange dahin. Wann kam der Wendepunkt?

Drang, die Heilige Messe online zu besuchen. Zunächst blieb es bei Sonn- und Feiertagen. Zeitgleich bekam ich Probleme mit der Ernährungssonde und unter meinen Assistentinnen traten Intrigen auf.  Ich musste erst lernen, dass Gott keine Jukebox ist – „Dein Wille geschehe!“ Als ich das Anfang 2023 kapiert hatte, begannen sich die Dinge einzurenken. Ich feierte die tägliche Morgenmesse online aus dem Kölner Dom mit. Anfang März lernte ich Missio kennen. Pater Karl Wallner stieß mich mit der Nase auf die Mystik des Christentums.Jetzt bete ich täglich einen Rosenkranz, spreche mit Jesus und lese Bücher über Jesus. Die Beziehung zu Gott wird immer intensiver. Neben meiner Arbeit für Missio darf ich auch für das Pfarrblatt Alterlaa schreiben. Ich kann Gott nur um seinen Beistand auf diesem Weg bitten. 

„Die Beziehung zu Gott wird immer intensiver.“

Sie lektorieren die Zeitschrift allewelt der Päpstlichen Missionswerke und fühlen sich mit der Weltkirche trotz Ihrer sehr eingeschränkten Mobilität verbunden.

Gottes Pläne sind unbegreiflich. Ich bin eigentlich Informatiker und habe als Studienassistent am Institut für Wahrscheinlichkeitstheorie, später als Projektmanager bei einem Finanzdienstleister gearbeitet. Als ich gefragt wurde, ob ich das Lektorat übernehmen könnte, habe ich sofort zugesagt. Eine Zusage, die sich in jeder Hinsicht gelohnt hat. Ich konnte mir einen neuen Freundeskreis erschließen und darf jede Ausgabe der allewelt als Erster lesen.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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