Oh, wie wunderbar!

Gedanken zum Sonntag – 27. August
Ausgabe Nr. 34
  • Sonntag
Der archaische Apollon-Tempel in Korinth
Lobpreis: Am Ende eines langen Gedankengangs stimmt Paulus ein Lied auf den Schöpfer an. ©CC BY-SA 4.0 wikimedia/Davide Mauro

Stefanie Jeller interpretiert in den nächsten Wochen Abschnitte aus dem Römerbrief.

27. August 2023 - 21. Sonntag im Jahreskreis,  Lesejahr A

Am Mittelmeer ist der Winter eine stürmische und feuchte Jahreszeit. Wenn aber nach ein paar Regentagen die Sonne herauskommt, ist es schnell warm und alles beginnt zu grünen und zu blühen – jedes Mal zum Staunen. Auch Paulus konnte staunen, das hört man z. B. im Römerbrief heraus. „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ 

Werbung

Paulus verbrachte den Winter des Jahres 55/56 n. Chr. vermutlich in Korinth, im Haus des Gaius und schrieb den Römerbrief. Er hatte viel Zeit zum Nachdenken – über die Frage, warum seine jüdischen Glaubensgeschwister das Evangelium ablehnten. Die meisten jedenfalls. Und warum Gott das zuließ.

Paulus ging die großen Verheißungen der Bibel durch (vieles hatte er im Kopf, eine Schriftrolle mit dem Propheten Jesaja könnte er im Haus gehabt haben). Dabei wurde ihm klar, dass Gottes Erbarmen immer größer ist als alles andere. Stundenlang diktierte er seinem Freund Tertius einen griechischen Text, der einer der wichtigsten der christlichen Theologie werden sollte. Dann stimmte er ein Loblied an.

Paulus war ein leidenschaftlicher Denker. Er zeigte, dass sein Vertrauen auf Gott nichts Unvernünftiges war, dass man darüber diskutieren und streiten kann und soll! Aber er verlor die Hoffnung nicht, dass Gott die Widrigkeiten der Geschichte übersteigt. Das Lied ist bestückt mit Bibelzitaten über die unergründlichen Wege Gottes und das Geschenk der Schöpfung. Leider hat Paulus die Melodie nicht aufgeschrieben. Die heute bekannte Melodie schuf viel später ein Komponist, der aus einer jüdischen Familie stammte: Felix Mendelssohn-Bartholdy. Wie unergründlich doch Gottes Wege sind!

1. Lesung Jesaja 22,19–23

Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen.

So spricht der Herr zu Schebna, dem Palastvorsteher: Ich werde dich von deinem Posten stoßen und dich aus deiner Stellung reißen. An jenem Tag werde ich meinen Knecht Éljakim, den Sohn Hilkíjas, berufen. Ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden und ihm deine Schärpe fest umbinden. Deine Herrschaft gebe ich in seine Hand und er wird zum Vater für die Einwohner Jerusalems und für das Haus Juda. Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen. Er wird öffnen und niemand ist da, der schließt; er wird schließen und niemand ist da, der öffnet. Ich werde ihn als Pflock an einer festen Stelle einschlagen und er wird zum Thron der Ehre für sein Vaterhaus.

2. Lesung Brief an die Römer 11,33–36

Aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.

O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas gegeben, sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste? Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Evangelium Matthäus 16,13–20

Du bist Petrus; ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben

In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

Mag.a theol. Stefanie Jeller, MAS, ist Journalistin bei radio klassik Stephansdom. Sie ist verheiratet und lebt in Wien und Salzburg.

Quelle: Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

Schlagwörter
Werbung

Neueste Beiträge

| Brückenbauer
Weihbischof Stephan Turnovszky

Warum begegnen einige Menschen fremden Kulturen und Hautfarben mit Vorurteilen und Hass? Weihbischof Stephan Turnovszky antwortet unseren Lesern.

| Kunst und Kultur
Kirchenjubiläum

300 Jahre Pfarre Lichtental: Hier wurde Franz Schubert getauft. Kardinal Christoph Schönborn feiert am 23. September in Wien Alsergrund.

| Wien und Niederösterreich
Klassiksender mit Sinn

Aus einem kleinen Medienprojekt ist ein etablierter Kirchen- und Klassiksender geworden. Wie waren die Anfänge des bekannten Wiener Nischenradios?