Maria aus Magdala: Weder Sünderin noch Büßerin

Was wir der Kirche verdanken
Ausgabe Nr. 13
  • Theologie
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Im Garten: Maria aus Magdala begegnet dem Auferstandenen (Kirche des Klosters der Johannes-Gemeinschaft in Marchegg). ©kathbild.at/Rupprecht

Sie hat Christus geliebt und wurde von ihm am meisten geliebt: Maria aus Magdala, Erstzeugin der Auferstehung.

Wofür musste Maria aus Magdala, die wichtigste Jüngerin Jesu, seit fast 2.000 Jahren herhalten? Aus einer der ersten Anhängerinnen der frühen Jesus-Bewegung wurde im Laufe der Zeit eine salbende Sünderin und später eine Büßerin (mit offenem Haar und entblößtem Busen), dann eine Geliebte Jesu oder gar die Ehefrau und Mutter eines gemeinsamen Kindes. 

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Drei Evangelien berichten, dass Maria aus Magdala die Erste war, die eine Begegnung mit dem Auferstandenen hatte. „Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammengewesen waren und die nun klagten und weinten. Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht“, heißt es im Markusevangelium (16,9–11). „Jesus kam ihnen (den Frauen) entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen“, weiß das Matthäusevangelium (28,9–10). Die schönste Erzählung bietet das Johannesevangelium (20,11–18): „Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.“

Die „Apostelin der Apostel“

Es ist Papst Franziskus zu verdanken, dass 2016 der Gedenktag der heiligen Maria Magdalena (am 22. Juli) im Generalkalender in den Rang eines Festes erhoben wurde. Die römische Begründung: „Die erste Zeugin der Auferstehung des Herrn und die erste Evangelistin, die heilige Maria Magdalena, wurde von der Kirche im Westen und im Osten immer mit höchster Ehrfurcht geachtet ... Da die Kirche zu unseren Zeiten berufen ist, eindringlicher über die Würde der Frau, über die Neuevangelisierung und über die Fülle des Geheimnisses der Barmherzigkeit nachzudenken, schien es gut, den Gläubigen das Beispiel der heiligen Maria Magdalena noch besser vor Augen zu stellen. Diese Frau nämlich wird als diejenige anerkannt, die Christus geliebt hat und von ihm am meisten geliebt wurde.“ Thomas von Aquin nannte sie „Apostelin der Apostel“. 

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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