Thomas von Aquin: Glauben & Vernunft

Was wir der Kirche verdanken
Ausgabe Nr. 10
  • Theologie
Autor:
Hl. Thomas von Aquin OP: Letztlich schien ihm alles Geschriebene wie „Stroh“. ©Jorisvo

Entdecken Sie die faszinierende Geschichte von Thomas von Aquin. Einem visionären Denker, der im 13. Jahrhundert die Welten von Glauben & Vernunft verband.

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Im Jahr 1225 geboren, kommt Thomas als Knabe ins Benediktinerkloster Montecassino, mit 17 Jahren tritt der Süditaliener in Neapel in den aufblühenden Dominikanerorden ein. Nach Umwegen – seine Brüder setzen ihn gefangen – kommt er 1245 zum Theologiestudium nach Paris, an die damals renommierteste Universität, und trifft mit Albertus Magnus zusammen. In Paris stehen Philosophie und Theologie im Mittelpunkt, 1248 gehen Thomas und Albertus nach Köln.

In diesen Jahren wird auch der damals weithin vergessene griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) übersetzt, neu „entdeckt“ und gelesen. Albertus Magnus und Thomas greifen auf Aristoteles zurück und schaffen eine rationale Verbindung von Theologie und Philosophie, in der fruchtbaren Spannung von Glauben und Vernunft. Zwischen 1252 und 1272 ist Thomas in Paris, später in Italien, dann wieder in Paris. Zuletzt wirkt er in Neapel. Er stirbt, noch nicht fünfzig Jahre alt, auf der Reise zum Zweiten Konzil von Lyon (1274). Thomas schrieb sehr viel – große Kommentare zu Werken des Aristoteles und Erläuterungen zu vielen biblischen Büchern. Seine wichtige „Summe wider die Heiden“ behandelt die Argumente der Moslems wie auch der Ungläubigen, aber im Stil einer Begegnung und nicht im Stil eines Kreuzzugs.

Sein umfangreichstes Werk ist die „Summa Theologica“, ein Buch für „Anfänger“. Dieses Buch vollendet Thomas nicht mehr, weil er eines Tages sagt, dass ihm all das von ihm Geschriebene „wie Stroh“ erscheint – im Gegensatz zu dem, was er „geschaut“ hat. Er schrieb immer wieder gewagte Sätze wie: „Wir wissen nicht, was Gott ist, vielmehr nur, was er nicht ist.“ Oder: „Alles was ist, ist gut“, was einer großartigen Bejahung der Schöpfung in allen Bereichen entspricht.

Warum die Kirche die Philosophie Aquins schätzt

Während Jahrhunderte später der berühmte Königsberger Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) von „Gottesbeweisen“ spricht, verwendet Thomas von Aquin das behutsame Wort von den fünf „Wegen“, die durch vernünftige und klare Rückschlüsse auf die Existenz Gottes verweisen. Bei Thomas von Aquin gehen Frömmigkeit und Scharfsinn immer Hand in Hand. Er spielt keine philosophischen Glasperlenspiele, sondern forciert denkerisch einen Glauben, der sich konkret in der Liebe äußert.

Durch ihn schätzt auch unsere Kirche den Wert der Philosophie für die Theologie – bis heute. Die Kirche „sieht in der Philosophie den Weg, um Grundwahrheiten zu erkennen, welche die Existenz des Menschen betreffen. Gleichzeitig betrachtet sie die Philosophie als unverzichtbare Hilfe, um das Glaubensverständnis zu vertiefen und die Wahrheit des Evangeliums allen, die sie noch nicht kennen, mitzuteilen“, schrieb Papst Johannes Paul II. in der einzigen Philosophie-Enzyklika des 20. Jahrhunderts, „Fides et ratio“ („Glaube und Vernunft“), im Jahr 1998. Thomas von Aquin, dem großen unübertroffenen Lehrmeister der Theologie bis heute, verdankt die Kirche die so wichtige Einheit von Denken und Frömmigkeit.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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