Leo XIII. - der erste Medien-Papst

Bedeutende Päpste - Folge 5
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Papst Leo XIII.
Leo XIII. war der erste Papst, der sich fotografieren, filmen und von nichtkirchlichen Zeitungen interviewen ließ. Diese in ihrer Qualität beeindruckende Aufnahme stammt aus dem Jahr 1878. ©akg-images / picturedesk.com

Papst Leo XIII. verfasste mit seinen 86 Enzykliken im Zeitraum von 1878 bis 1903 fast so viele päpstliche Rundschreiben wie alle seine Vorgänger zusammen. Die ausgleichende Diplomatie dieses Papstes prägt seit damals die Außenpolitik des Vatikans – bis heute.

E r zählt zu den am längsten dienenden Päpsten der Geschichte. Nach seinem Vorgänger Pius IX., der 32 Jahre auf dem Papst-Thron saß (1846–1878) und Johannes Paul II. (1978–2005), der 27 Jahre regierte, folgt bereits Leo XIII., dessen Pontifikat mit 25 Jahren (1878–1903) der drittlängste in der bisherigen Papstgeschichte war. Geboren 1810 in Carpineto, einem Städtchen im südlichen Teil des Kirchenstaates, liebte Vincenzo Gioacchino Pecci von Jugend auf die lateinische Sprache, die Sprache eines Cicero war für ihn wie seine eigene Muttersprache. Als kultivierter Papst mochte Leo XIII. auch den Nationaldichter Dante Alighieri und schätzte dessen „Göttliche Komödie“. 

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1891: die erste Sozialenzyklika

Pecci war u. a. Nuntius in Belgien. Hier erfuhr er konkret, „dass man bereit sein muss, mittelfristig Kompromisse zu schließen, um langfristig Erfolg zu haben“, schreibt der Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti in seiner Biographie über Leo XIII. Er wirkte 31 Jahre lang als Bischof von Perugia, 1853 wurde er von Pius IX. zum Kardinal ernannt, 1877 zum Kardinalkämmerer. Dieser bereitet nach dem Tod eines Papstes die Papstwahl vor. Pecci war 68 Jahre alt, als er 1878 zum Papst gewählt wurde.

Aufsehen erregte Leo XIII. bereits mit seiner ersten von 86 Enzykliken (päpstliche Rundschreiben): „Inscrutabili Dei consilio“ diente der Verständigung von Kirche, Gesellschaft und Kultur. Leo XIII. schrieb fast so viele Enzykliken wie alle seine Vorgänger zusammen. Er verfasste auch die erste Enzyklika, die der Ehe gewidmet war. Wichtig geblieben bis heute ist die Enzyklika „Rerum novarum“ („Neue Verhältnisse“) über die Arbeiter-Frage in der Industriegesellschaft aus dem Jahr 1891. Darin behandelt er brennende Fragen wie die Sonntagsruhe, die Arbeitsdauer, die Kinder- und Frauenarbeit und den Mindestlohn. Mit dieser ersten Sozialenzyklika eröffnete Leo XIII. die Reihe der großen kirchlichen Sozialenzykliken, in „Rerum novarum“  sind schon alle wichtigen Prinzipien der katholischen Soziallehre grundgelegt. Mit der Öffnung des Vatikanischen Archivs (1893) bot er der historischen Forschung ungeahnte Möglichkeiten, Forscher aller Nationen und Konfessionen hatten plötzlich Zutritt. 
 

Der Papst, der die Demokratie schätzte

In den heißen Kampfzonen von Kirche und Staat wie Schulpolitik, Ehe und Familie oder kirchlicher Besitz nahm Leo XIII. im Laufe seines Pontifikats eine versöhnliche und ausgleichende Haltung ein. Er empfahl den Katholiken, sich zusammenzuschließen und sich in Vereinen und Verbänden zu organisieren. Politisch begrüßte er das Engagement von Katholiken in christlich-sozialen und christdemokratischen Kreisen. Leo XIII. war „ein homo politicus, ein in gesellschaftlichen Kategorien denkender Mensch“, betont Jörg Ernesti. Mit seinem diplomatischen Wirken hat er sämtliche nachfolgenden Päpste bis heute geprägt.

Er war auch der erste Papst, der dem Gedanken der Demokratie etwas Positives abgewinnen konnte. Leo XIII. schätzte auch den größten theologischen Denker des Christentums, Thomas von Aquin. Ihm widmete er eine eigene Enzyklika („Aeterni Patris“, 1879). Und er war der erste Medienpapst: Kein Papst in der Geschichte zuvor ist „so oft auf Fotografien, Gemälden, Medaillen, Andachtsbildern dargestellt worden“, wie Jörg Ernesti schreibt. Der Papst wurde auch gefilmt. Erstmals in der Papstgeschichte gab Leo XIII. Interviews in nicht-kirchlichen Zeitungen. Interessanterweise wurde nie ein Seligsprechungsprozess für diesen großen Papst eingeleitet.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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