Kinotipps für den Jänner
Astrid Lindgrens KriegstagebücherEine neue Dokumentation erzählt von Astrid Lindgrens Kriegstagebüchern und dem Entstehen von Pippi Langstrumpf. Astrid Lindgren kennt die Welt als Erfinderin von Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und von Ronja Räubertochter. Bevor sie zur wohl berühmtesten Kinderbuchautorin wurde, hielt sie in ihren Tagebüchern fest, wie sich Europa im Zweiten Weltkrieg selbst zerstörte. Der neue Dokumentarfilm „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ öffnet dieses kaum bekannte Kapitel ihres Lebens – und erzählt von einer sensiblen Beobachterin, die zutiefst mit den Leidenden dieser Zeit mitfühlte und sich nach nichts mehr sehnte als nach Frieden.
Kinotipp: Die Geschichte der Entstehung von Pippi Langstrumpf
In ihren Tagebüchern, die zwischen 1939 und 1945 entstanden, analysiert Lindgren mit klarem Blick die politischen Entwicklungen, prangert Diktatur und Terror an, schreibt über Mütter, die ihre Söhne verlieren, und über Kinder, die Bombenangriffe ertragen müssen. Genau hier beginnt etwas Neues: Inmitten von Kriegsnachrichten, Lebensmittelknappheit und moralischen Zweifeln entsteht 1941 jene Figur, die später Generationen prägen wird. Astrid erzählt ihrer kranken Tochter Karin zum ersten Mal von einem ungewöhnlichen Mädchen – stark, frech, frei: Pippi Langstrumpf.
Dokumentarfilm als Kinotipp
Regisseur Wilfried Hauke verwebt historische Aufnahmen, Spielszenen und Familiengespräche. Lindgrens Tochter Karin, Enkelin Annika und Urenkel Johan blättern in den Originaltagebüchern, erinnern sich an die manchmal melancholische, immer warmherzige Frau hinter der weltberühmten Autorin. Ein eindrucksvoll erzählter Dokumentarfilm – unbedingt sehenswert.
Zweiter Kinotipp: Wie aus Verlust Literatur wird
„Hamnet“ ist ein stilles, überzeugendes Historiendrama rund um den jungen Shakespeare – getragen von zwei herausragenden Hauptdarstellern. Man kennt Shakes- peare als Genie des Welttheaters – „Hamnet“ zeigt ihn als jungen Mann, der noch weit von diesem Ruhm entfernt ist. Regisseurin Chloé Zhao richtet den Blick auf den privaten Shakespeare: auf seine ersten literarischen Versuche, seine Ehe mit Agnes Hathaway und den tiefen Einschnitt durch den Verlust eines ihrer Kinder – ein Schmerz, der später als Inspirationsquelle für Hamlet gedeutet wird.
Kraftvolle Hauptfiguren
Chloé Zhao erzählt diese Geschichte bewusst zurückhaltend und formt aus klaren, ruhigen Bildern ein einfühlsames Zeitporträt. Die lineare Erzählweise betont Shakes-peares Entwicklung: ein sensibler, leidenschaftlicher junger Mann, der seine Rolle in Familie und Beruf erst finden muss. Der Film widmet sich zunächst weniger dem Dichter, der später unsterbliche Texte schafft, sondern dem liebenden Ehemann und Familienvater. Zentral für die Wirkung des Films sind die beiden Hauptdarsteller. Paul Mescal zeigt einen Shakespeare, der innere Unsicherheit und kreative Energie gleichermaßen in sich trägt. Jessie Buckley gibt Agnes eine ruhige Stärke und Tiefe, die den emotionalen Kern der Handlung trägt. Beide Leistungen wurden von der Kritik besonders hervorgehoben und gehören zu den großen Qualitäten des Films. Jessie Buckley wurde mittlerweile mit einem Golden Globe ausgezeichnet. „Hamnet“ ist ein konzentriert erzähltes, atmosphärisch stimmiges Drama, das William Shakespeare sehr nahbar macht. Eine berührende Filmerzählung, die das Interesse am Dichterfürsten und seinen Werken wohl neu erweckt.
Kinotipp:
Beide Filme starten ab 22. Jänner in den Kinos!