Vermächtnis Kardinal König: Der Mensch

Zum 20. Todestag
Ausgabe Nr. 10
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Mi., 13. 03., 18:00 Uhr, Gedenkgottesdienst für Kardinal König im Stephansdom. ©Kardinal König Haus

Gedenkfeier für Kardinal König zum 20. Todestag im Stephansdom. Im Mittelpunkt: Fragen der Menschheit & die Brücke zwischen Glauben und Wissenschaft.

Mit einem Gottesdienst im Stephansdom wird die Erzdiözese Wien ihres früheren Erzbischofs, Kardinal Franz König, gedenken. Vor 20 Jahren ist König in den frühen Morgenstunden des 13. März 2004 im Alter von 98 Jahren in Wien verstorben.

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Kardinal König: Zentrale Fragen des Lebens

Die zentralen Fragen des Kardinals waren: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Mensch? „Letzten Endes sind das die Fragen, die seit der Antike die Menschen beschäftigen, und zwar an allen Ecken und Enden der Welt“, sagt der Theologe und Mediziner Johannes Huber, der zehn Jahre lang Königs persönlicher Sekretär war. „C. G. Jung hat von der Achsenzeit gesprochen, zwischen dem achten und zweiten Jahrhundert vor Christus, in der man versuchte, diese Fragen zum ersten Mal zu beantworten. Wobei natürlich diese Fragen, die Kardinal König wirklich auf den Punkt gebracht hat, schon in dem Augenblick entstanden, als im Rahmen der Evolution der Mensch einen Entwicklungsgrad erreichte, wo er sich vorstellen konnte, dass es jenseits seiner eigenen Intelligenz noch eine andere, eine übergeordnete Intelligenz gibt.“ Huber erinnert an die großen Wissenschaftler der Neuzeit  – Newton, Kopernikus, Kepler – die alle zutiefst gläubige Menschen waren. „Kardinal König hat versucht, hier anzuknüpfen und ihm war es ein Schmerz, dass im 19. Jahrhundert aus dieser Vereinbarkeit der Naturwissenschaft mit der Religion eine Unvereinbarkeit wurde. Seine Intention war es, diese Unvereinbarkeit wieder zu lösen.“ 

Was bleibt als Erbe Königs?

Kardinal König hat laut seinem langjährigen Sekretär versucht, die Offenbarung, den Glauben so zu verkünden, dass die Menschen in der Jetztzeit es verstehen. „Er hat erkannt, dass man Meinungen nicht zementieren darf, wie das vielleicht beim Ersten Vatikanischen Konzil noch der Fall war, sondern es gibt auch Wahrscheinlichkeiten, dass Dinge geändert werden dürfen – auch was die Lehre betrifft, die Interpretation der Offenbarung. Er war der Überzeugung, dass alte Gegensätze nicht unbedingt Gegensätze bleiben müssen, sondern dass die neue Zeit, die Evolution der Gesellschaft es notwendig macht, dass diese Gegensätze überbrückt werden. Das war auch einer der Gründe, warum er den Kontakt zur Sozialdemokratie gesucht hat, weil er der Meinung war, das sind unnötige Gräben, die da aufgerissen worden sind.“  Das hätten viele nicht begeistert aufgenommen und ihn schlussendlich als „‚roten Kardinal“ tituliert.

Wolfgang Moser, Zeremoniär und persönlicher Begleiter von Kardinal König in dessen letzten Lebensjahren, erinnert sich zuerst an die tiefe Mitmenschlichkeit und Empathie des früheren Wiener Erzbischofs. „Er war in der ganzen Weltgeschichte herumgereist, aber immer der, der ihm gerade gegenüber gesessen hat, hatte den Eindruck, jetzt ist der Kardinal ganz bei ihm – zu 100 Prozent. Das  habe auch ich so erlebt.“

Parallelen zu Papst Franziskus

Diese Gabe, ganz bei einer Person zu sein, hängt für Diakon Wolfgang Moser damit zusammen, dass Franz König während seines Studiums auch durch die Ignatianische Schule gegangen ist. „Es ist eine schöne Fügung, dass Papst Franziskus an  dem Todestag Königs gewählt wurde. Ich glaube, der Kardinal würde sich im Himmel über diese Wahl sehr freuen. Ich merke, dass viele Dinge, die Papst Franziskus wichtig sind, schon für Kardinal König wichtig waren. Eben das Zuhören, das Gehen eines gemeinsamen Weges, das Aufeinanderhören. Nicht gleich verurteilen oder selber die Antwort haben“, so Wolfgang Moser. „Kardinal König hatte selber einen wirklich tiefen und festen Glauben, der sich auch im Gebet ausgedrückt hat. Aus diesem Glauben heraus konnte er mit jedem anderen, auch wenn dieser eine andere Weltsicht hatte, ein gutes Gespräch führen. Und zwar immer so, dass man auch den Weg des anderen wahrgenommen hat und vielleicht geschaut hat, ob da nicht doch etwas auch dabei ist, was für einen selber passt.“  

Autor:
  • Stefan Hauser
  • Porträtfoto von Markus Langer
    Markus A. Langer
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