Gott ist mein Ein und Alles

Kraftbringender Glaube
Ausgabe Nr. 15
  • Meinung
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Grosses Geschenk: Frater Rafael erlebt den Glauben von Anfang an als etwas Kraftbringendes. ©privat

Rafael Klose (26) wuchs in einer atheistischen Familie in Berlin auf. Mit 14 Jahren kaufte er sich eine Bibel, wurde gläubig und ließ sich taufen. Heute ist er – wie der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn – Dominikaner.

Frater Rafael legte am 25. Februar 2023 die ewige Profess in der Dominikanerkirche Santa Maria Rotunda ab. Der SONNTAG hat mir dem Ordensmann über sein Versprechen und seine Entscheidung für ein Leben mit Gott gesprochen.

Frater Rafael, wie haben Sie die Feier Ihrer Ordensgelübde erlebt? Hat sich Ihr Alltag durch die Profess geändert?

Die Feier war ein großes Ereignis für mich. Meine Familie ist gekommen, viele Mitbrüder waren dabei. Mir ist bewusst geworden, dass ich jetzt ganz dazu gehöre, fürs Leben bis zum Tod. Ein Gefühl, dass ich wirklich auf dem richtigen Weg bin, hat sich eingestellt. In meinem Alltag hat sich seitdem aber nicht so viel verändert. Ich habe ja bereits davor nach den Ordensversprechen der Dominikaner gelebt und studiere weiterhin in Wien.

Dass Sie einmal Ordensmann werden würden, hat sich nicht abgezeichnet. Ihre Familie stammt aus Ostdeutschland und ist nicht gläubig. Warum Sie?

Ich kannte lange keine praktizierenden Christen. Aber das Christentum hat mich immer sehr interessiert, und es gab einige Berührungspunkte, wie im Geschichts- oder Ethikunterricht oder im Urlaub, wenn wir mal eine Kirche besichtigt haben. Im Nachhinein kann ich sagen, dass Gott mich immer angezogen hat. Als ich 14 Jahre alt war, stellte ich mir die großen Lebensfragen: Warum lebe ich? Wozu das Ganze? Da ist mir klar geworden, dass ich mich nicht auf das verlassen kann, was meine Eltern mir beigebracht haben, sondern dass ich meine eigenen Antworten suchen muss. Ich habe mir eine Bibel gekauft und durch das Lesen der Bibel bin ich Gott begegnet, den ich vorher überhaupt nicht kannte.

„Als ich 14 Jahre alt war, stellte ich mir die großen Lebensfragen: Warum lebe ich? Wozu das Ganze?“

Rafael Klose

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Und dann ließen Sie sich taufen.

Genau. Ich habe mir die Frage gestellt, welchen Plan Gott mit mir hat und den Auftrag Jesu ernst genommen: Kehrt um und lasst euch taufen. Also habe ich Kontakt mit dem Pfarrer vor Ort aufgenommen und bin mit ihm den Weg bis zur Taufe gegangen.

Ohne den Kontakt mit anderen Christen, nur durch das Lesen der Bibel gläubig zu werden: Das ist ein ungewöhnlicher Weg.

Und keiner, den man vorhersehen hätte können. Das ist nichts, was man machen kann. Aber gerade aus Ostdeutschland, das sehr atheistisch war und ist, hört man immer wieder solche Geschichten. Menschen, die so ihren Weg  zum Glauben und auch in eine Ordensgemeinschaft gefunden haben. Der Geist weht eben, wo er will. Vielleicht ist der Glaube für mich deswegen so ein großes Geschenk. Viele Menschen, die damit aufgewachsen sind, erleben ihn ja nicht immer positiv. Bei mir war das anders, ich war nicht vorbelastet. Von Anfang an war er etwas Kraftbringendes. 

Wie hat Ihre Familie auf Ihre Taufe reagiert, und später auf Ihre Entscheidung, Dominikaner zu werden?

Die waren sehr überrascht, als ich mich taufen ließ. Es kam ja auch für sie aus dem Nichts. Aber dann haben sie mich unterstützt. Aber es gab auch viele Vorurteile und ich musste vieles erklären. Mittlerweile kennen sie den Orden, haben mich an den Orten besucht, an denen ich gelebt habe, in Wien, in Hamburg, in Worms. Für meine Eltern hat sich dadurch eine ganz neue Welt eröffnet.

Im Dominikanerorden spielt die ‚Predigt‘ eine wichtige Rolle. Sie haben mit einem Mitbruder einen Weg gefunden, dieses dominikanische Charisma auf originelle Weise umzusetzen.

Wir haben auf Instagram einen Account, der ‚Gott und so‘ heißt. In Kurzvideos vermitteln wir theologische Inhalte auf lustige Weise. ‚Predigt‘, das meint ja nicht nur die Sonntagspredigt, es geht dabei darum, das Evangelium in Worten und Taten zu verkünden. Ob im Internet, in der Lehre, an der Uni, in der Schule oder durch unser eigenes Leben und unsere Gemeinschaft.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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