Ein Tattoo als Glaubensbekenntnis

Zeichen für den Glauben
Ausgabe Nr. 14
  • Meinung
Autor:
Tattoo-Künstler Silas Becks. ©privat

Silas Becks (40) aus Stuttgart ist Kalligraph und Tätowierer. Menschen aus allen Teilen der Welt lassen sich von ihm tätowieren, manche von ihnen wählen ein Tattoo als Bekenntnis zu ihrem persönlichen Glauben. Das Begegnungszentrum der Ordensgemeinschaften, Quo vadis, lädt ihn jetzt auch nach Wien ein.

Am 15. April kann man sich beim ‚Free Tattoo Walk-In‘ im Quo vadis von Silas Becks ein Gratis-Tattoo stechen lassen. Der Tätowierer ist bereits zum vierten Mal bei einer Gratis-Tattoo-Aktion dabei.

Herr Becks, welche Motive bieten Sie beim Free Tattoo Walk-In an?

Die Leute können wählen zwischen einigen filigran gearbeiteten Schriften und Symbolen, die ich selbst mit Feder und Tinte entworfen habe. Das sind Wörter wie ‚Trust‘ oder ‚I believe‘, das Christusmonogramm, ein Fisch oder die Jakobsmuschel. Einige lassen sich auch eine Bibelstelle stechen. Der Andrang bei den anderen Walk-Ins in Vorarlberg und Frankfurt war immer sehr groß, damit haben wir gar nicht gerechnet. Wir mussten einige hundert Menschen wegschicken.

Tätowierungen bringen viele nicht sofort mit der Kirche und dem christlichen Glauben in Verbindung. Sie finden, das passt gut zusammen. Warum?

Viele Gläubige tragen eine Kette mit Kreuz oder einen Rosenkranz, Symbole, die sie wieder abnehmen können. Manche möchten ihr Glaubensbekenntnis immer bei sich tragen und lassen es sich tätowieren. Diese Menschen sagen mir: ,Ich möchte mein Bekenntnis nicht ausziehen, und so verliere ich es nicht.‘ Im Übrigen waren Tätowierungen vor mehreren hundert Jahren in vielen Ordensgemeinschaften wie den Franziskanern als Glaubensbekenntnis und Zeichen untereinander etwas Normales. Für einige Menschen sind Tattoos heute mit einer negativen Lebensweise verbunden, das hat damit aber nichts zu tun

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Tätowierungen haben sich in den vergangenen Jahren generell stark verbreitet und sind mittlerweile in allen Gesellschaftsschichten vorhanden.

Es gibt immer noch manche Leute, die sie fürchterlich finden. Tatsächlich sind sie allgegenwärtig und nicht mehr wegzudenken. Musiker, Sänger, alle jene, die junge Menschen in ihrem Smartphone sehen, tragen Tattoos. In Deutschland ist heute jede zweite Frau zwischen 18 und 25 tätowiert. In zwanzig, dreißig Jahren wird es die ersten Altenheime geben, in denen man eher ein Exot ist, wenn man nicht tätowiert ist. (Lacht.)

Tragen Sie selbst ein religiöses Tattoo?

Ich habe viele Tätowierungen, darunter auch einige mit christlichem Inhalt. Eine kleine Bibel, ein Kreuz, den Satz ‚In God we trust‘ habe ich im Nacken – auch weil ich US-Amerikaner bin. Und dazu den Schriftzug ‚Lord, abide with me‘ (Herr, bleib bei mir) auf dem Arm. Der bedeutet mir unglaublich viel. Egal wo ich mich hinbewege, Gott ist bei mir. Er führt mich und das ist das Wichtigste. 

Abgesehen von Ihrem Tattoo, das sie an Gottes Gegenwart erinnert: Wie bleiben Sie mit ihm in Verbindung?

In erster Linie durch das Gebet. Nicht indem ich das Vaterunser runterrattere, sondern indem ich ganz persönlich zu Gott bete, ihm Bitte und Danke sage. Vor allem das Gebet für andere hat viel Kraft, finde ich. Ich erinnere mich an jemanden, der zu mir gekommen ist und unbedingt ein Tattoo wollte, das er sich aber nicht leisten konnte.

„Auf meinem Arm habe ich den Schriftzug ‚Lord, abide with me‘ – ,Herr, bleib bei mir‘ tätowiert. Der bedeutet mir unglaublich viel.“

Silas Becks

Rund 600 Euro hätte es gekostet, er hatte nur 200. Ich habe ihm gesagt, dass ich es mache. Er wollte mir dafür unbedingt irgendwie Danke sagen. Und wie aus der Pistole geschossen habe ich ihm gesagt: Dann bitte ein gutes Gebet für mich.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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