"Die Lebensentscheidung ist getroffen"

Vorfreude auf die Priesterweihe
Ausgabe Nr. 18
  • Meinung
Autor:
Diakon und in einem Jahr Priester: Florian Damberger will die Menschen und das, was sie glauben, ernst nehmen. ©Matthias Ruzicka

Der Gedanke, Priester zu werden, kam Florian Damberger in der Oberstufe. Damals war der heute 31-Jährige, wie er sagt, „noch nicht mutig genug“, Theologie zu studieren. Seit 2018 ist der gebürtige Bayer im Wiener Priesterseminar.

Florian Damberger ist Diakon in der Pfarre Lichtental im 9. Bezirk und Religionslehrer an der Fachschule für Sozialberufe in Stockerau.

Sie wurden vor wenigen Tagen zum Diakon geweiht. Was bedeutet Ihnen diese Weihe, auch im Hinblick darauf, dass Sie in einem Jahr Priester sein werden?

Mit der Diakonenweihe ist alles Wichtige gesagt, die Lebensentscheidung ist getroffen. Das Diakonale ist die Grundlage für die Priesterweihe. An meinen Aufgaben in der Pfarre hat sich durch die Diakonenweihe aber relativ wenig geändert. Mein Einsatz in der Liturgie ist ein anderer, Taufen und Trauungen kommen dazu. Aber sonst bin ich weiterhin als Seelsorger tätig und kümmere mich – wie auch bisher – um Menschen, zum Beispiel Alte, Kranke und Einsame in der Pfarre.

Als Diakon und Priester erzählen Sie Menschen von Gott. Wie kann das Ihrer Meinung nach heute gelingen?

Das Wichtigste ist für mich, die Menschen in dem, was sie glauben und wie sie glauben, ernst zu nehmen. Oft fehlt mir das bei kirchlichen Würdenträgern. Ich finde es verfehlt, den Leuten Liturgie bloß aufzudrücken, vom kirchlichen Leben abstrakt zu sprechen und sich nicht von der Art, wie Menschen glauben, herausfordern zu lassen. Ein Beispiel: Die kirchliche Sexualmoral interessiert 99 Prozent der Menschen nicht. Das muss man berücksichtigen, wenn man mit ihnen über Sexualität nachdenkt.

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Welche Ideen haben Sie für Ihren zukünftigen priesterlichen Dienst, was die Verkündigung angeht?

Ich sehe mich als Priester nicht als jemand Besonderer oder Herausgehobener, sondern als Mitglied einer Gemeinde, wenn auch als Mitglied mit einer bestimmten Aufgabe. Ich selbst habe mich mit der Liturgie und mit der Art des Betens in der Kirche immer leichtgetan, merke aber, dass das bei vielen nicht der Fall ist.

„In der Schule kann ich die heißen Eisen nicht mit oberflächlichen Phrasen umschiffen.“

Florian Damberger

Als Lehrer etwa nehme ich wahr, dass sehr vielen – ich würde sagen drei Viertel der Schüler – der Glaube etwas bedeutet. Mit der Kirche aber tun sie sich schwer. Mein wesentlicher Auftrag als Priester wird sein, hier eine Brücke zu bauen und zu helfen, Glaube und kirchliche Gemeinschaft zusammenzubringen.

Sie arbeiten zu gleichen Teilen in der Pfarre und als Lehrer. Wie gehen Sie damit um, dass sich die Zielgruppen der beiden Arbeitsorte unterscheiden?

Für mich ist das sehr positiv, und ich möchte keines der beiden Felder missen. In der Schule komme ich mit Menschen in Kontakt, die das Christentum nicht so selbstverständlich leben wie die Leute in der Pfarre. Die Jugendlichen haben oft ganz, ganz andere Bilder als ich, wenn es um Gott geht oder um sensible Themen wie den Tod. Das fordert mich heraus und inspiriert mich zugleich total. Ich bin gezwungen, Antworten zu geben und kann auch die heißen Eisen nicht mit oberflächlichen Phrasen umschiffen. Ich sehe mich ohnehin nicht als jemand, der seine Weisheit und sein Wissen an andere, die scheinbar weniger wissen, einfach nur weitergibt. Dafür habe ich selbst zu viele offene Fragen.

In Schule und Pfarre machen Sie Gott ununterbrochen zum Thema. Wie bleiben Sie selbst mit ihm in Verbindung?

Den ganzen Tag professionell über Religion und Gott zu sprechen und dann gut beten zu können, fordert mich sehr heraus. Was mir hilft: dreimal am Tag das Stundengebet zu beten, mit Menschen über meinen Glauben zu reden, von denen ich weiß, dass sie es gut mit mir meinen. Füreinander zu beten und Teil einer Gemeinde zu sein.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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