Dem Wunder vertrauen

3. Sonntag der Osterzeit – Lesejahr A, 23. April 2023
Ausgabe Nr. 16
  • Sonntag
Autor:
Ein Junger mann steht am Meeresrand und wirf ein Fischernetz aus.
Jesus sagte zu den Jüngern, sie sollen ihr Fischernetz auswerfen. Sie taten es und wurden reich belohnt. © unsplash/Nazim Zafri

Wort zum Evangelium von Dr. theol. Nora Bösch, Gemeindeleiterin in der Pfarre St. Martin und Pastoralleiterin im Seelsorgeraum Dornbirn.

Seit den Ereignissen in Jerusalem war einige Zeit vergangen. Die Überzeugung, dass Jesus auferstanden ist, war wohl nicht von einem Moment auf den anderen da. Immer wieder hatten die Jünger Zweifel, immer wieder wohl auch Fragen an ihre Zukunft. Zurückkehren zum Alltag – das tun, was man kann. Die Jünger wissen um die guten Fischplätze und werfen in den für den Fischfang guten Nacht- und frühen Morgenstunden immer wieder ihre Netze aus. Und doch, so schreibt Johannes, fingen sie in dieser Nacht nichts.

 

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Enttäuscht, frustriert, verärgert – so stelle ich sie mir an diesem Morgen vor. Und dann steht da einer am Ufer und sagt zu ihnen: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden.“ Die Jünger werden wohl skeptisch gewesen sein. Fischen, wenn der Tag beginnt – das kann nichts bringen! Diese Erfahrung kennen wir wohl alle aus unserem eigenen Alltag und auch aus größeren Zusammenhängen, wenn es um die Bemühungen um Frieden geht, um den Schutz der Ressourcen, um Veränderungen in der Kirche. So viele setzen sich da ein – scheinbar erfolglos. Da können sich schon Zweifel und Mutlosigkeit breitmachen.

Einüben in die Hoffnung

Die Jünger werfen allen vernünftigen Gegenargumenten zum Trotz ihre Netze wieder aus. Sie vertrauen auf den, der sie einlädt, am eigenen Zweifel zu zweifeln und es aufs Neue zu versuchen! Das Vertrauen hat sich gelohnt! Übervoll war das Netz. Einüben in die Hoffnung – nicht aufgeben, wenn es aussichtslos scheint! Die Hoffnung für Neues bewahren! Und auf den zu vertrauen, der uns Leben in Fülle und in Gemeinschaft mit ihm schenken will.

1. Lesung Apostelgeschichte 2,14.22b–33

Die Lesung enthält einen Teil der Pfingstrede des Petrus. Im Blick auf seine persönlichen Erfahrungen ermutigt er, den Glauben zu leben und zu bezeugen.

Am Pfingsttag trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht. Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag. Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen, sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht. Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

2. Lesung 1 Ptrus 1,17–21

Ihr wurdet losgekauft mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel

Wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht! Ihr wisst, dass ihr aus eurer nichtigen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor Grundlegung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.

Evangelium Johannes 21, 1–14

Dieses Evangelium ist ein Nachtrag im Johannesevangelium. Es will deutlich machen: In den Glauben an die Auferstehung mussten auch die Jünger erst hineinwachsen.

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tibérias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Dídymus, Natánaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Quelle: Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

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Autor:
  • Portraitfoto von Dr. theol. Nora Bösch
    Nora Bösch
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