Hingabe bis zum Äußersten

Palmsonntag – Lesejahr A, 2. April 2023
Ausgabe Nr. 13
  • Sonntag
Autor:
Osterprozession in Thaur in Tirol
Am Palmsonntag wird des Einzugs Jesu nach Jerusalem in Prozessionen gedacht, hier in Thaur in Tirol. ©Katharina Ebel/KNA

Wort zum Evangelium von Josef Thorer SJ, Spiritual im internationalen Priesterkolleg Canisianum Innsbruck, Exerzitienbegleiter und Geistlicher Begleiter.

Die Sendung Jesu strebt dem Höhepunkt zu. Jesus zieht in Jerusalem ein. Hier sollte sich sein Schicksal erfüllen. Er, der sich zuvor gescheut hat, als Messias angesprochen zu werden, lässt sich nun von seinen Anhängern feiern. Es war klar, dass dieser Einzug von den Gegnern als Provokation empfunden werden musste.

Das Mahl, das Jesus am Vorabend seines Leidens mit den Jüngern feiert, ist von ungeheurer Dichte. Judas hat schon entschieden, Jesus auszuliefern, viele Andere werden sich an der Passion beteiligen, und die engsten Gefährten werden sich zerstreuen. Jesus muss allein den schweren Weg gehen – ohne Menschen, die ihn dabei ermutigen. Selbst jene, die bei ihm aushalten, werden kaum begreifen, was da geschieht. Aber bevor es geschieht, offenbart Jesus im Mahl, wie er seinen Tod versteht – als Hingabe für die Vielen, mit Fleisch und Blut. Radikaler geht es nicht. Und so ist es verständlich, dass das Mahl zur entscheidenden Feier für die Christen wird und bis heute geblieben ist, als Vergegenwärtigung seiner Person in seiner Hingabe. Das Geschehen nimmt seinen Lauf. Jesus wird gefangen genommen, verhört, verurteilt und schließlich hingerichtet. Es war vermutlich für Gegner wie für Anhänger überraschend, dass Jesus sich nicht wehrt. Und doch wirkt er in seiner Machtlosigkeit souveräner als die Mächtigen, die getrieben sind von Hass und von Angst oder einfach ihren Mutwillen an ihm auslassen. An ihm, an seinem Leibe, zeigt sich sichtbar, was Menschen einander antun können. Indem er dies durchleidet bis zur äußersten Verlassenheit, hält er uns einen Spiegel vor, kann er uns aber auch nahe sein in unseren dunklen Stunden.

Werbung

1. Lesung Jesája 50,4–7

Um den Weg Jesu zu verstehen, konnten sich seine Anhänger auf Worte des Propheten Jesája zurückbesinnen, die einen Menschen schildern, der von Anderen verachtet, von Gott aber bestätigt wird.

GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören. GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

2. Lesung Philipper 2,6–11

Jesus hat sich aus freien Stücken erniedrigt, bis dahin, dass er in Gehorsam auch den Tod auf sich genommen hat. Er hat von Gott her gerade auf diese Weise seine überragende Bedeutung erlangt.

Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.

Evangelium Matthäus 21,1–11

Die Passion zeigt uns ein vielfältiges Verhalten von Menschen und mittendrin Jesus, der sich ihnen wehrlos aussetzt und unbeirrt seinen Weg zu Ende geht. So ist er uns nahe.

Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Bétfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

Quelle: Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

Schlagwörter
Autor:
  • Portraitfoto vo Pater Josef Thorer SJ
    Josef Thorer SJ
Werbung

Neueste Beiträge

| Weltkirche
Zukunft der Kirche

Entdecken Sie die neusten Erkenntnisse und inspirierenden Erfahrungen von Kardinal Christoph Schönborn bei der Bischofssynode in Rom.

| Kunst und Kultur
Neuer Bildband

Ein neues Buch lädt dazu ein, die Sakralarchitektur in Wien zu entdecken. Warum der Blick nach oben in unseren Kirchen oft einer der schönsten ist.

| Meinung
Gregor Jansen

Pfarrer Gregor Jansen über Nikolo in Wien-Breitenfeld: Ein magisches Erlebnis für Kinder. Entdecken Sie, wie die Tradition lebendig wird.