Christen im alten römischen Reich verändern die Antike

Was wir der Kirche verdanken
Ausgabe Nr. 23
  • Theologie
Autor:
Römischer Kaiser Grafik
Römischer Kaiser Julian Apostata ©iStock

Ein christenfeindlicher römischer Kaiser erkannte die karitativen Stärken des antiken Christentums und wollte sie kopieren.

Ein christentumsfeindlicher römischer Kaiser erkannte die karitativen Stärken des antiken Christentums und wollte sie gleichsam „heidnisch“ kopieren. Um damit die Religion der „gottlosen Galiläer“ zu ersetzen. Die gelebte Caritas bleibt bis heute ein Kennzeichen des Christentums.

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Der einzige heidnische römischer Kaiser

Flavius Claudius Julianus, römischer Kaiser von 360 bis 363, wurde von den Christen berechtigterweise als „Julian Apostata“ („Julian der Abtrünnige“) bezeichnet. Denn Julian wollte das Christentum, das Kaiser Konstantin der Große bevorzugt hatte, mit einem erneuerten Heidentum stark in die Defensive drängen. Sein Heidentum war eine bunte Mischung aus griechischer und römischer Religion und Philosophie mit Elementen aus östlichen Mysterienkulten. Julian war der einzige römische Kaiser, der vom Christentum zum Heidentum wechselte und dabei das Christentum auch philosophisch bekämpfte. Er wollte mit seinem „Programm“ eine reichsweit hierarchisch aufgebaute Organisation errichten lassen, die die Aufsicht über alle Heiligtümer und Priester übernehmen sollte. Gleichsam als eine Kopie der Struktur der christlichen Kirche und ihrer erfolgreichen Caritas-Arbeit. Denn vor allem im Bereich der karitativen Maßnahmen wollte Julian ein erfolgreiches Konkurrenzmodell zum Christentum aufbauen. 

Die Christen sorgten für alle

Was war damals die karitative Stärke des Christentums? Die „gottlosen Galiläer“, wie Kaiser Julian die Christen verächtlich nannte, zeichneten sich „durch Menschenfreundlichkeit gegen die Fremden, die Vorsorge für die Bestattung der Toten und die Reinheit des Lebenswandels“ aus, so bringt der renommierte Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies einen der Erfolge des frühen Christentums auf den Punkt. Für den überzeugten Heiden Julian sei es schlicht peinlich gewesen, so Markschies, dass diese „gottlosen Galiläer ... neben den ihren auch noch die unsrigen ernähren, die unsrigen aber der Hilfe von unserer Seite entbehren müssen“. Der Kaiser favorisierte daher, so Markschies erläuternd, den Aufbau von Herbergen für Fremde, Zufluchtsstätten für Bettler und Asylen für junge Frauen und die Einrichtung einer kostenlosen Armenspeisung. Und die Heiden sollten obendrein – wie die Christen – auch für Arme, Witwen und Waisen sorgen. Das Resümee von Markschies über das Geheimnis der christlichen Caritas-Arbeit: „Auf diese Weise veränderte das Christentum letztlich das gesamte Gesicht der antiken Welt.“

Die Strategie des Kaisers ging nicht auf

Doch die Pläne des heidnischen Kaisers gingen nicht mehr auf, er starb schon 363 auf einem Feldzug. Wie kaum ein anderer antiker Denker hat Kaiser Julian eine der Stärken des frühen Christentums messerscharf erkannt. Und bis heute reagieren Einrichtungen wie die Caritas oder die Vinziwerke und viele andere katholische Institutionen wie etwa die Orden auf die Nöte der jeweiligen Zeit mit innovativen karitativen Netzwerken.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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