Die sechs Schutzpatrone von Europa

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Die sechs Schutzpatrone Europas.
Die sechs Schutzpatrone Europas. ©wiki commons/Jobas

Vom 6. Bis 9. Juni 2024 werden die Mitglieder des Europäischen Parlaments gewählt. Diese werden einige Herausforderungen zu meistern haben, denn die vergangenen Jahre waren gefüllt von Krisen und einem Krieg. Gut, dass Europa sechs Schutzheilige hat.

Der erste Patron Europas war Benedikt von Nursia. Den Titel Schutzpatron von Europa tragen aber auch Kyrill von Saloniki, Method von Saloniki, Katharina von Siena, Birgitta von Schweden und Edith Stein. Der Sonntag.at stellt Ihnen die sechs Patrone und ihre Lebensgeschichte vor.

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Der zerbrochene Kelch

Der heilige Benedictus (21. März), Stifter des Benedictinerordens und Patriarch der Mönche des Abendlandes, wurde zu Norcia (Nursia) in Umbrien, nordöstlich von Rom im Jahr 480 geboren. Benedikt entstammt einer wohlhabenden Familie und besuchte eine Schule in Rom. Mit 14 Jahren verließ er Rom um alleine bis zum Gebirge von Subiaco zu wandern. Dort begegnete ihm der heilige Romanus, ein in der Nachbarschaft lebender Mönch, der Benedikt in die Pflichten des Standes unterwies. Benedikt gedachte nun ebenfalls Mönch zu werden. Der Junge soll sich um das Jahr 494 in einer Höhle niedergelassen haben und dort drei Jahre gelebt und gebetet haben.Auch Heilige plagt die Versuchung. Um der Begierde nicht zu unterliegen, soll sich Benedikt nackt in Dornen und Nesseln gewälzt haben, bis er blutete. Damit konnte sein Geist über die Begierde seines Körpers triumphieren. Kurz darauf wählten ihn die Mönche von Vicovaro zu ihrem Abt. Doch Benedikt musste bald erkennen, dass nicht alle Mönche lebten wie solche. Sein Eifer für Sitte und Zucht brachte ihm einige Feinde unter ein. Manche gingen so weit, dass sie in den Wein, den Benedikt trinken sollte, Gift mischten. Doch ein Wunder rettete den Heiligen: Als er das Kreuzzeichen über dem Krug machte, zerbrach dieser und Benedikt erkannte, dass darin ein Gifttrank war.

Den Tod vorausgesehen

Daraufhin verließ der Heilige die Mönche und kehrte nach Subiaco zurück. Benedikt gründete in der darauffolgenden zwölf Klöster mit zwölf Mönchen, die sie leiteten. Der Heilige soll seinen eigenen Tod vorausgesagt haben und ließ sich sechs Tage davor eine Ruhestätte graben. Am sechsten Tag ließ er sich in die Kirche tragen, um das heilige Abendmahl zu empfangen. Benedikt soll am 21. März im Jahr 534 im Alter von 63 Jahren gestorben sein. Zwei seiner Gefolgsleute wollen gesehen haben, wie die Seele Benedikts „mit brennenden Lampen erleuchteten und mit Prachtkleidern bedeckten Wege gegen den Himmel fuhr“ (heiligenlexikon.de). Das Attribut Benedikts ist ein zerbrochener Kelch mit einer Schlange darauf. Seit 1964 gilt er als einer der Patrone Europas.

Schutzpatron von Europa: Kyrill „der Philosoph“

Der Taufname des Heiligen war Konstantin. Er gilt als Missionar Osteuropas und wird als wird als „Lehrer und Erleuchter der Slawen“ bezeichnet. Kyrill und sein Bruder Method waren -Söhne des byzantinischen Offiziers Leontios und erhielten eine ausgezeichnete theologische und humanistische Ausbildung am Hof von Kaiser Emmanuel III. in Konstantinopel. Konstantin galt als Künstler unter den beiden Brüdern und übersetzte Kirchentexte ins Slawische. Er ließ sich zum Priester weihen und wirkte als Bibliothekar des Patriarchen. Kaiser Michael III. entsante Konstantin zusammen mit Patriarch Photios I. im Jahr 854 nach Samarra zu Glaubensgesprächen mit den Arabern anlässlich einer Gesandtschaft an den Kalifen Mutawakkil wegen eines Gefangenenaustausches. Konstantin erfand extra eine für das Slawische geeignete, die glagolitische Schrift. Sein Schüler Klemens von Ohrid entwickelte aus der glagolithischen dann die Schrift, deren Weiterentwicklung heute als kyrillisch bekannt ist. Konstantin reiste im Jahr 867 nach Rom, wo er in einem Kloster den Ordensnamen Kyrill annahm. Er erkrankte bei der Reise und starb mit 42 Jahren in der italienischen Hauptstadt. Papst Johannes Paul II. fügte 1980 Kyrill und Method zu den Schutzpatronen von Europa hinzu.

Ein Verfechter der slawischen Sprache

Der Gedenktag von Method ist, wie der seines Bruders Kyrill, am 14. Februar. Method ist um 815 in Thessaloniki geboren und starb 6. April 885 in Weligrad im heutigen Tschechien. Im Jahr 840 trat Michael (so sein Taufname) unter dem Ordensnamen Method in ein Kloster ein. Als Abt des Klosters begleitete er Cyrill zur Disputation mit den Chazaren auf der Halbinsel Krim und dann auf die Missionsreisen unter den Slawen. Am Sterbebett seines Bruders Kyrill versprach er diesem, die Slawenmission weiterzuführen. Die beiden Brüder verwendeten die slawische Sprache in der Liturgie. Ein Hauptanliegen war ihnen die Unabhängigkeit von der deutschen Reichskirche.

Die Kirche in Europa

Das Wirken der Brüder missfiel also dem katholischen Klerus in Österreich und Deutschland. Erzbischof Adalwin von Salzburg erließ im Jahr 870 ein Urteil gegen Method und ließ ihn in Regensburg gefangen setzen und im Kloster in Ellwangen inhaftieren. Erst durch die energische Intervention von Papst Johannes VIII. kam Method im Jahr 873 nach zweieinhalb Jahren Haft wieder frei. Er musste jedoch auf die slawische Sprache in der Liturgie verzichten. Method bemühte sich um den Aufbau einer eigenständigen Kirche in Mähren. Er scheiterte jedoch und kehrte 881/882 nach Konstantinopel zurück, um an den Übersetzungen in die von den Brüdern geschaffene kirchenslawische Sprache zu arbeiten. Er starb sechzehn Jahre nach seinem Bruder im Jahr 885. Am 31. Dezember 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. Method und Cyrill neben Benedikt von Nursia zu Patronen von Europa.

Verheiratet mit Christus

Katharina von Siena wurde am 25. März 1347 in Siena in Italien als 24. Kind des Pelzfärbers Jacopo di Benincasa und seiner Frau Lapa di Puccio di Piagente geboren. Ihre Zwillingsschwester starb kurz nach der Geburt. Die Heilige wurde in eine Zeit der Bürgerkriege und Machtkämpfe hineingeboren. 1348 gab es eine schwere Pestepidemie. Katharina war sechs Jahre alt, als sie ihre erste Vision auf der Straße hatte: Sie sah Jesus Christus im Ornat des Papstes. Um ihn waren Petrus, Paulus und Johannes. Im Alter von sieben Jahren legte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Das asketisch lebende Mädchen hatte schon im Alter von zehn Jahren Kontakt mit dem Dominikanerorden. Im Alter von zwölf Jahren wollte ihre Mutter sie verheiraten – Katharina weigerte sich jedoch. Nach drei Jahren endete die Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter, da der Vater eine weiße Taube über Katharinas Kopf schweben sah und sagte, das sei ein Zeichen, man solle das Mädchen in Ruhe lassen. Katharinas Gesicht wurde durch Pockennarben entstellt, weshalb sich die junge Frau noch weiter zuhause zurückzog. Das Mädchen ernährte sich von Kräutern und Wasser, fastete Wochen lang, betete, übte sich im Schweigen und geißelte sich blutig. Sie schlief wenig. 1363 trat Katharina an San Domenico in Siena dem dritten Orden der Dominikaner bei. Nach einer Vision gab Katharina ihr zurückgezogenes Leben auf und widmete sich mit Hingabe der Pflege von Kranken und Armen. In einer Vision erlebte sie im Jahr 1367 die Vermählung mit Christus und tauschte ihr Herz mit ihm. Den Ehering soll sie ihr Leben lang an ihrem Finger gesehen haben. Im Städtekrieg 1368 wurden zwei ihrer Brüder gefangengenommen. Katharina erreichte deren Freilassung. 1370 erlebte sie Ekstasen und starb 29. April 1380 in Rom den mystischen Tod in der Nachfolge Christi. Sie wurde am 31. Dezember 1980 von Papst Johannes Paul II. zur Schutzpatronin Europas ernannt.

Braut und Sprachrohr Christi

Birgitta wurde um 1303 in Finsta bei Uppsala in Schweden geboren. Sie war die Tochter von Birger Persson, dem Lagmann - dem Chef der Verwaltung und der Rechtssprechung - von Uppland, der zugleich einer der reichsten Grundbesitzer Schwedens war, und seiner Frau Ingeborg Bengtsdotter aus königlicher Familie. Ihrer Mutter war kurz vor Birgittas Geburt, bei einer Rettung bei einem Schiffsbruch, Maria erschienen, die ihr ein seliges Kind prophezeite. Birgittas Mutter starb, als das Mädchen elf Jahre alt war. Ihre erste Vision hatte Birgitta hatte ihre erste Vision vom gekreuzigten Christus mit zehn Jahren. Im Alter von 14 Jahren heiratete sie Ulf Gudmarsson und wohnte in Ulvåsa - beim heutigen Motala in Östergötland. Sie brachte acht Kinder zur Welt, wovon zwei Söhne starben. Wegen ihrer Wohltätigkeit und Frömmigkeit war Birgitta geachtet. Gemeinsam mit ihrem Mann unternahm sie mehrere Pilgerreisen durch Europa. Nachdem ihr Mann durch Gebet dem Nahen Tod entkommen war, zog er sich ins Kloster der Zisterzienser zurück.

Auch Birgitta lebte fortan in der Nähe der Zisterzienserabtei von Alvastra. Im Jahr 1342 wurden ihre Visionen von „der Braut und Sprachrohr Christi“ immer mehr. Im Schloss Vadstena am Vätternsee erhielt sie eine Vision zur Gründung eines Klosters, die zur Reform des Mönchwesens beitragen sollte. Birgitta gründete den „Orden des Allerheiligsten Erlösers“ dem 60 Schwestern und 25 Priester angehörten. 1348 versuchte sie, zwischen den Kriegsparteien Frankreich und England zu vermitteln – mit Erfolg. Sie setzte sich auch für die Rückkehr von Papst Clemens VI. von Avignon nach Rom ein. Im Alter von 49 Jahren, im Jahr 1346, erlebte Birgitta eine Glaubenskrise. 1349 begab sich die Heilige mit wenigen Leuten auf eine Pilgerreise zu den sieben Pilgerkirchen Roms. Sie wollte dabei an den Feiern zum Heiligen Jahr 1350 teilnehmen. Von 1365 bis 1367 lebte Birgitta in Neapel. 1371 machte sie sich auf zu einer Wallfahrt ins Heilige Land. Auf der Rückreise nach Rom verschlechterte sich ihr Zustand. Birgitta starb am 23. Juli 1373 in Rom.

Ermordet in Ausschwitz

Als jüngste von elf Kindern kam Edith Stein am 12. Oktober 1891 in Breslau, heute Wrocław zur Welt. Edith war Tochter eines wohlhabenden Holzhändlers. Mit 15 Jahren verließ sie die Schule und ihren traditionell-jüdischen Kinderglauben und bezeichnete sich als Atheistin. Nach einem Jahr bei ihrer Tante in Hamburg kehrte Edith nach Breslau zurück und beendete die Schule mit Abitur. 1911 studierte sie Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte in Göttingen und Breslau. 1915 arbeite sie als Freiwillige in einem Lazarett des 1. Weltkrieges. Im Jahr 1916 promovierte sie „summa cum laude“ bei Edmund Husserl an der Universität in Freiburg. Als Jüdin verwehrte man ihr die Habilitation. Nach der Lektüre der Biografie der Theresa von Ávila konvertierte Edith Stein am 1. Jänner 1922 zum katholischen Glauben. Sie ließ sich in der Kirche St. Martin in Bad Bergzabern taufen und wollte Nonne werden. Der Erzabt des Klosters Beuron empfahl ihr jedoch ein „Wirken in der Welt“. So wurde Edith 1923 Lehrerin an der Schule der Dominikanerinnen im Magdalenenkloster in Speyer. Sie setzte sich in Reden und Schriften für die Emanzipation der Frauen ein. Zwischen 1928 und 1933 hielt sie sich oft im Benediktinerkloster in Beuron auf. 1932 wurde Edith Stein Dozentin am Lehrstuhl für wissenschaftliche Pädagogik in Münster.

Sie musste jedoch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 das katholische Institut verlassen, um dessen Leitung nicht in Gefahr zu bringen. 1933 trat sie in Köln dem Kloster der Karmelitinnen bei und nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz an. 1937 stellte sie ihre philosophisch-theologische Schrift „Endliches und ewiges Sein - Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins“ vor. Mehrfach versuchte sie ab 1933, Papst Pius XI. zu einer Stellungnahme gegen Antisemitismus und Pogrome der Nazis zu bewegen. Die Priorin ihres eigenen Klosters verriet 1938 den Nazis, dass Edith Stein jüdischer Abstammung war. Daher floh Edith am 31. Dezember 1938 in die Niederlande. 2. August 1942 wurde sie in Echt verhaftet und kam am 7. August nach Ausschwitz, wo sie zusammen mit ihrer Schwester sofort in der Gaskammer ermordet wurde.

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Autor:
  • Cornelia Grotte
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