Bringt gute Früchte!

Gedanken zum Sonntag – 8. Oktober
Ausgabe Nr. 40
  • Sonntag
Autor:
Reife Weintrauben am Weinstock
Aus guten Trauben wird guter Wein. ©Kiz/Niederleitner

Gedanken zum Evangelium von Franz Kogler.

27. Sonntag im Jahresreis, Lesejahr A – 8. Oktober

Es ist keine leichte Kost, die uns mit diesem Evangeliumsabschnitt vorgesetzt wird. Wo ist die „gute“ Nachricht? Wie so oft im Matthäusevangelium wird zunächst ein Gleichnis erzählt, zu dem die Hörenden sagen werden: „Ich stimme dem zu und würde es genauso machen.“ Für die damaligen Hörer und Leser war klar: Wenn hier vom Weinberg erzählt wird, dann geht es um das Volk Gottes. Weil sich all die Angesprochenen derart unmöglich gegenüber dem Winzer, also Gott, verhalten, steht Gott vor der Herausforderung, zu sehen, wie es jetzt gut weitergehen kann.

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Im zweiten Teil der Erzählung versucht Matthäus zu beschreiben, was er um das Jahr 85 in seiner Gemeinde in der syrischen Hafenstadt Antiochia gerade erlebt: Viele Juden sind nicht bereit, den Glauben an den auferstandenen Christus anzunehmen. Dafür kommen Heiden und schließen sich der Gemeinde an. Leider wurde dieser zweite Teil der Erzählung oft ganz anders gelesen, nämlich als Abwertung und Verdammung der Juden. Wer immer die Bibel wörtlich liest, kann das hier herauslesen. Allerdings geht es bei Bibeltexten darum, den Text ernst zu nehmen – nicht wörtlich.

Matthäus versucht mit dieser Interpretation zu deuten (!), warum so viele Juden Jesus ablehnen – und gleichzeitig Heiden Jesus nachfolgen. Wie bei jedem Text in den Evangelien gilt: Wir haben nicht die Mitschrift der Worte Jesu vor uns, sondern Glaubensaussagen seiner Nachfolgenden. Und diese wollen bis heute einladen: „Bring die Früchte des Reiches Gottes!“

1. Lesung Jesaja 5,1–7

Mit diesem Lied will der Prophet Jesaja sein Volk aufrütteln, endlich die Augen zu öffnen.

Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte, doch er brachte nur faule Beeren.

Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, richtet zwischen mir und meinem Weinberg! Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? Und er brachte nur faule Beeren!
Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird. Zu Ödland will ich ihn machen. Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. Denn der Weinberg des Herrn der Heerscharen ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih – doch siehe da: Hilfegeschrei.

2. Lesung Philipperbrief 4,6–9

Viel Zuwendung und Wärme für die Gemeinde in Philippi ist in jedem Satz des Paulus spürbar.

Schwestern und Brüder! Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.

Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Evangelium Matthäus 21,33–42.44.43

Bringt die Früchte des Reiches Gottes!

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes:
Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen? Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.

Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

Quelle: Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

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