Alleinerziehende: Tag für Tag Großes leisten

Hilfe im Alltag
Ausgabe Nr. 41
  • Soziales
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Vieles muss bedacht und überlegt werden, wenn man ein Kind hat. Das ganz alleine tun zu müssen, ist oft eine große Belastung.
Vieles muss bedacht und überlegt werden, wenn man ein Kind hat. Das ganz alleine tun zu müssen, ist oft eine große Belastung. ©iStock.com/alexxx1981
Damit Alleinerziehende nicht nur die große Verantwortung, sondern vor allem auch die große Freude des Eltern-Seins erleben können, helfen die Angebote der St. Elisabeth-Stiftung und von begegnung.LEBEN/ Alleinerziehend.
Damit Alleinerziehende nicht nur die große Verantwortung, sondern vor allem auch die große Freude des Eltern-Seins erleben können, helfen die Angebote der St. Elisabeth-Stiftung und von begegnung.LEBEN/ Alleinerziehend. ©iStock.com/fizkes

Das Idealbild von „Mutter-Vater-Kind“ ist längst nicht mehr überall Realität. In jeder fünften österreichischen Familie werden Kinder von nur einem Elternteil großgezogen. Der SONNTAG mit einem Blick auf Familien, in denen ein Elternteil die ganze Verantwortung trägt.

Wenn eine Person die Arbeit von zwei übernehmen muss, ist der Alltag oft ein Balanceakt. Psychische Belastungen, finanzielle Sorgen und die ständige Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf begleiten viele Alleinerziehende Tag für Tag. Umso wichtiger sind die Unterstützungsangebote in Wien, damit Alleinerziehende nicht alleingelassen werden. 

Von Beratungsstellen über Treffpunkte bis hin zu Workshops gibt es ein dichtes Netz an Hilfen, das Eltern im Alleingang auffängt und ihnen den Rücken stärkt.

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Alleinerziehend, nicht alleingelassen

Mehr als 80 Prozent aller Alleinerziehenden in Österreich sind Frauen. Eine Einrichtung, die besonders schwangere Frauen sowie alleinerziehende Mütter und ihre Kinder in schwierigen Lebenssituationen unterstützt, ist die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien. Unter dem Motto „Mama, du schaffst das!“ hilft die Stiftung vielseitig. Angeboten werden kostenlose Familien-, Rechts- und Schwangerenberatungen. Den (Wieder-)Einstieg in die Arbeitswelt unterstützt die Stiftung unter anderem mit einer Web- und Kreativwerkstatt sowie mit befristeten Anstellungen und Ausbildungen in „Mamas Café“ und „Mamas Werkstatt“. Ebenso erhalten die Frauen Hilfe bei der Integration in den Arbeitsmarkt sowie der Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und Bildungsabschlüssen. Zusätzlich besteht für die Mütter die Möglichkeit zur Weiterbildung.
 

„Es ist unsere Aufgabe, diesen Frauen zuzuhören und ihnen die nötige Unterstützung und Perspektiven zu bieten, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.“

Nicole Meissner 

Wie lebt man selbstbestimmt?

Ein Erfolgsprojekt der Stiftung ist das Mutter-Kind-Haus Arbeitergasse. Seit über 40 Jahren werden hier alleinerziehende Mütter und ihre Kinder auf dem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet. In 21 möblierten Wohnungen finden die Frauen und rund 40 Kinder ein Zuhause. Die Einrichtung wendet sich an Mütter und schwangere Frauen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Neben Wohnraum werden soziale Betreuung und Förderung der Erziehungskompetenz angeboten. 

Hilfe für Alleinerziehende

In den letzten zwei Jahren hatte die St. Elisabeth-Stiftung besonders viel zu tun. Laut Zahlen der Stadt Wien gab es im Jahr 2023 in der Bundeshauptstadt rund 77.600 Ein-Eltern-Haushalte, Tendenz steigend. Die Zahl der Beratungsgespräche für Mütter in Not in der St. Elisabeth-Stiftung stieg um satte 120 Prozent. Nicole Meissner ist die Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung. Sie erklärt: „Der Anstieg der Beratungen in unserer Familien-, Rechts- und Schwangerenberatungsstelle zeigt eindrücklich die wachsende Not vieler alleinerziehender Frauen. Sie stehen oft vor der Herausforderung, ihre Familien in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen, während sie gleichzeitig mit Wohnungslosigkeit und der Suche nach einer stabilen Erwerbsbasis kämpfen. Es ist unsere Aufgabe, diesen Frauen zuzuhören und ihnen die nötige Unterstützung und Perspektiven zu bieten, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.“

Während die St. Elisabeth-Stiftung vorrangig in akuten Notlagen wie bei Wohnungslosigkeit, finanziellen Engpässen oder rechtlichen Fragen weiterhilft, bietet begegnung.LEBEN/Alleinerziehend längerfristige Unterstützung an. Dazu gehören psychosoziale Beratung, Gruppenangebote oder Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung.
 

Erleichterung für Alleinerziehende: Gleichgesinnte treffen

Im Rahmen ihrer Arbeitschafft die Organisation begegnung.LEBEN/Alleinerziehend auch Räume, in denen sich Alleinerziehende in entspannter Atmosphäre untereinander austauschen können. Die Fachreferentin für Familie und Beziehung, Ursula Schuster, weist darauf hin, dass dabei das monatliche Sonntagsfrühstück im KinderCafé Lauserpause im zweiten Wiener Gemeindebezirk besonders gut ankommt: „Während Kinderbetreuerinnen sich mit den Kindern beschäftigen, können Mamas beziehungsweise Papas gemütlich frühstücken, plaudern, sich austauschen und vernetzen. Immer wieder entstehen Freundschaften, die über das Sonntagsfrühstück hinausgehen.“
 

Voll Achtsamkeit und Fürsorge

Als weiterer Schwerpunkt setzt begegnung.LEBEN/Alleinerziehend auf Workshops. Aktuelle Themen wie Achtsamkeit, Selbstfürsorge, Mobbing oder auch rechtliche Angelegenheiten werden hierbei aufgegriffen. Ab Mitte Oktober wird auch ein neues Projekt in Kooperation mit den Frühen Hilfen und der Spielothek des Wiener Hilfswerks starten. Im Rahmen eines Expertinnen- und Experten-Talks wird ein Nachmittag mit Wissensaustausch und konkreter Hilfestellung für Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren organisiert.
 

Alle Lebensrealitäten sichtbar machen

Ursula Schuster betont, worauf es wirklich ankommt: „In unserer Gesellschaft leben viele Mütter und Väter, die ihre Kinder alleine großziehen. Sie leisten Tag für Tag Beeindruckendes! Oft unter herausfordernden finanziellen und sozialen Bedingungen. Ihre Lebensrealität verdient nicht nur mehr Sichtbarkeit, sondern auch unsere Wertschätzung. Ich denke, es ist wichtig, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Vielfalt familiärer Lebensformen anerkennen und die Bedürfnisse von Ein-Eltern-Familien konsequent mitdenken.“ 

Autor:
  • Leonie Stockhammer
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