Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man ...

Ausgabe Nr. 14
  • Die Kirche und ich
Autor:
Michael Prüller
©Stephan Schönlaub

Die Auferstehung Christi nimmt den Glaubenden den Schrecken vor dem Tod.

Im Gründungsjahr unserer Kirchenzeitung 1848 verbrannte im Kaiserlichen Hof-Naturalienkabinett zu Wien eine bedeutende Schmetterlingssammlung, an der Johann Nepomuk Cosmas Michael Denis 70 Jahre zuvor mitgesammelt hatte. Denis, der sich auch Sined der Barde nannte, stammte aus Schärding und war in Wien Priester, Dichter, Literatur- und Naturwissenschaftler – ein typischer Jesuit. Er hat auch Kirchenlieder getextet, etwa „Tauet Himmel den Gerechten“. Sein Osterlied „Der Heiland ist erstanden“ habe ich besonders gern, vor allem wegen der Textzeile, die mich seit vielen Jahrzehnten nachdenklich macht: „Der Tod hat keinen Stachel mehr, der Stein ist weg, das Grab ist leer.“

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Die Sache mit dem Stachel (wohl eines gefährlichen Skorpions) hat er natürlich vom Apostel Paulus. Und worauf die beiden hinauswollten, war das: Die Auferstehung Christi nimmt den Glaubenden den Schrecken vor dem Tod. Wem das Leben nicht genommen, sondern nur gewandelt wird – der kann dem Sterben gelassen entgegentreten. Und nicht nur dem biologischen Sterben, sondern auch dem sozialen Tod: der Ausgrenzung, der Missachtung, der Erfolglosigkeit. Letztlich sogar der Einsamkeit. Wenn der Tod also keinen Stachel mehr hat, der unser Leben vergiftet, dann muss, um einen Barden unserer Zeit zu zitieren, die Freiheit wohl grenzenlos sein. Und dann würde alles, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.

Ja, es würde. Der Konjunktiv ist angebracht. In Wirklichkeit können wir es wohl noch immer nicht recht glauben, dass es den Stachel nicht mehr gibt. Und so schreckt uns unser Tod. So oft sagt Jesus schon seinen Jüngern: „Habt ihr es immer noch nicht verstanden?“ Mir sagt er es auch. Aber eine Ahnung habe ich vielleicht schon – und die Hoffnung, dass sie wächst, immer mehr.

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