„Wir träumen von Frieden“
100 Jahre Paneuropa„Was macht Europa stark?“: Das war die Frage des Abends am 2. Oktober 2026 zum 100. Paneuropa-Kongress im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz. Der Paneuropa-Kongress ging vom 1. bis zum 4. Oktober 2026 in Wien über die Bühne.
Eröffnet wurde der Festabend von Polina Vekova, der Vizepräsidentin der Paneuropabewegung Österreich, die als Moderatorin durch den Abend führte. Sie erinnerte an Richard Coudenhove-Kalergi, den Gründer der Paneuropabewegung. Grußworte gab es auch von Gernot Haas von der Industriellenvereinigung und Christoph Leitl, dem Präsidenten der Europäischen Bewegung und ehemaligen langjährigen Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich. Gernot Haas hob hervor, dass eine europäische Unabhängigkeit wirtschaftliche Stärke beinhalten müsse. Er erinnerte daran, dass die Wettbewerbsfähigkeit mit der europäischen Einheit „Hand in Hand“ gehen müsse.
Europäische Initiativen für Frieden
Christoph Leitl erläuterte, dass der Kongress nicht nur „ein Rückblick, sondern auch ein Ausblick auf ein wichtiges Jahrzehnt“ sei, denn Europa übernehme den Schutz der Freiheit, Humanität und der Menschenrechte, der in der Vergangenheit bei den USA lag. Gleichzeitig forderte Leitl europäische Initiativen für Frieden, denn es gebe derzeit keine. Es müsse ein Dialog zustande kommen. Dazu benötige man eine einheitliche Koordination und Strategie der europäischen Verteidigung. Für eine friedliche Welt brauche es ein starkes Europa.
Klitschko: „Müssen alles tun, um diesen sinnlosen Krieg zu stoppen!“
Das Highlight des Abends war die berührende Rede von Vitali Klitschko, der online aus seinem Büro in Kyjiv zugeschaltet war. Seine Rede hielt der Kyjiver Bürgermeister auf Deutsch. Es sei eine schwierige Zeit in der Ukraine – vor allem in den vergangenen Monaten. Über 4.000 Gebäude in der Stadt seien zerstört, so Klitschko. Auch die Kriegsmüdigkeit im Land sei spürbar. Der einzige Wunsch vieler Ukrainer: Wann endlich kommt der Tag, an dem der Krieg vorbei ist? „Wir träumen von Frieden“, sagte Vitali Klitschko und betonte, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht zurück in die Vergangenheit wollen und ihre Zukunft in einem demokratischen Land als Teil der europäischen Gemeinschaft sehen.
Dabei machte der Kyjiver Bürgermeister auch bewusst, dass der Krieg in der Ukraine auch ein Krieg für Europa ist. Er stellte klar:
„Wir schützen nicht nur unser Land, sondern auch jeden von euch.“
Der große Wunsch Putins sei es, das russische Imperium wieder aufzubauen. Daher müsse Europa den Frieden gemeinsam verteidigen. „Jeder Finger in der Hand ist stark, aber am stärksten sind alle Finger, wenn sie zur Faust werden.“
Es sei für den Bürgermeister immer noch schwer, wenn er die Nachricht vom Tod eines Soldaten oder einer Soldatin an die Familie überbringen müsse. Daher bekräftigte er nochmals: „Wir müssen alles tun, um diesen sinnlosen Krieg zu stoppen!“
Der Traum von der „europäischen Familie“
Vitali Klitschko bedankte sich bei Paneuropa für die Unterstützung für die Ukraine. Er räumte ein, dass die Ukraine noch viele Reformen umsetzen müsse, um Teil der EU werden zu können. Dennoch zeigte sich der Politiker zuversichtlich, dass der Traum, „Teil der europäischen Familie zu werden“, in Erfüllung gehen werde. Zuerst müsse man sich jedoch um Frieden bemühen. Er kenne dabei aber als ehemaliger Profiboxer eine klare Regel: „Ohne Kampf kein Sieg“.
Freiheit, Unabhängigkeit und Frieden
Pavo Barišić, Präsident der Paneuropa-Union, unterstrich, dass Freiheit Unabhängigkeit voraussetze. Und Unabhängigkeit brauche die Fähigkeit, diese auch zu verteidigen. „Papst Leo XIV. erinnerte an Zusammenhalt, Frieden und politische Verantwortung. Das Streben nach Frieden darf aber nicht mit naivem Idealismus verwechselt werden“, so Barišić. Der Präsident der Paneuropa-Union plädierte zum Schluss seiner Rede für ein geeintes, unabhängiges Europa.
„Das Streben nach Frieden darf aber nicht mit naivem Idealismus verwechselt werden.“
Pavo Barišić
„Let's make Europe great again“
Es zahle sich nicht immer aus, ein Mann des Friedens zu sein, aber bei näherer Betrachtung der Lage gebe es keinen anderen Weg, erklärte Szymon Hołownia, der stellvertretende Parlamentspräsident Polens, zu Beginn seiner Rede. Er machte aber auch deutlich, wie wichtig es sei, dass Europa jetzt zusammenhalte, da Putin in Zeiten des Krieges gerade mehrere Millionen Euro in die Destabilisierung Europas investiere. Es gebe viele wichtige Fragen, die die europäischen Staaten nur gemeinsam klären könnten. Dazu zählten der Einsatz von künstlicher Intelligenz, die Ölpreise, der Krieg in der Ukraine und der Wettbewerb mit China. „Wir sollten uns an die profitable Idee erinnern: Ein stärkeres Europa startet mit Zusammenhalt und dieser braucht Kernwerte, auf die man sich in Europa einigt“, so Hołownia.
In einer Anspielung auf den US-Präsidenten Donald Trump beendete Szymon Hołownia seine Rede mit den Worten: „Let's make Europe great again“ (Lasst uns Europa wieder groß machen).
Die verlässliche EU
Der Präsident der Österreichischen Nationalbank, Johannes Hahn, betonte die Wichtigkeit der Erweiterung der Europäischen Union. Er sehe diese als „Beitrag zur globalen Stärkung und Konsolidierung“. Auch er appellierte an Europa, zusammenzuarbeiten. Außerdem plädierte Hahn für ein stärkeres Instrument der Europäischen Union im Falle von Rechtsstaat-Verstößen von EU-Mitgliedsstaaten. Die „finanzielle Keule“ habe in der Vergangenheit nicht die gewünschte Wirkung gezeigt, daher schlägt Hahn den Entzug des Stimmrechts vor. Johannes Hahn zeigte sich zuversichtlich, dass angesichts der Unsicherheit unter US-Präsident Donald Trump die oft als bürokratisch oder kompliziert geltende EU auf der globalen Bühne als verlässlich gelten werde.
„Wir sollten uns an die profitable Idee erinnern: Ein stärkeres Europa startet mit Zusammenhalt.“
Szymon Holowina
Frieden bedeutet, ohne Angst aufzuwachsen
Die frühere Präsidentin der Republik Kosovo, Vjosa Osmani-Sadriu, sprach sich für mehr Zusammenhalt in der EU aus und stellte klar: „Europa muss stark sein, denn es soll nicht wieder vorkommen, dass Macht entscheidet, wer leben darf.“ Frieden bedeute, ohne Angst aufzuwachsen. „Frieden muss immer neu verteidigt werden, denn er ist nie für immer garantiert“, so Osmani-Sadriu.
„Paneuropa ist ganz Europa“
Die Abschlussrede hielt Karl von Habsburg, der auch Ehrenpräsident der Paneuropabewegung Österreich ist. „Paneuropa ist ganz Europa“, erklärte Habsburg gleich zu Beginn seiner Rede und unterstrich die Wichtigkeit eines geeinten Europas. Europa stehe momentan vor einem Scheideweg, ähnlich wie bei der Gründung der Paneuropabewegung vor hundert Jahren. „Freiheit hängt unmittelbar mit Verantwortung zusammen. Europa muss die Verantwortung für die eigene Außen- und Sicherheitspolitik übernehmen“, so Karl von Habsburg, der auch auf die „Wiener Erklärung für ein starkes Europa“ hinwies.
Der Ehrenpräsident hob außerdem hervor, dass in der EU die außenpolitische Dimension fehle – auch bei der Erweiterungspolitik. Paneuropa könne hier wichtige Impulse setzen.
„Freiheit hängt unmittelbar mit Verantwortung zusammen. Europa muss die Verantwortung für die eigene Außen- und Sicherheitspolitik übernehmen.“
Karl von Habsburg