"Warum ich dankbar bin, dass ich geblieben bin!"

Ein Priester für immer
Ausgabe Nr. 27
  • Meinung
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Die Sehnsucht, Gott zu suchen, ist in P. Dominic Emmanuel jeden Tag lebendig. ©privat

Vor Kurzem feierte der Steyler Missionar P. Dominic Emmanuel, der sich dem interreligiösen Dialog verschrieben hat, sein 45-jähriges Priesterjubiläum. Dass er sein Priesteramt nicht aufgab, verdankt er einer Pilgerreise an einen Marienwallfahrtsort.

Pater Dominic Emmanuel lebt seit acht Jahren in Österreich. In seiner Heimat Indien produzierte er mehrere Fernsehfilme und einen typischen Bollywood-Film.

Ein Priester als Filmproduzent ist ungewöhnlich. Worum geht es in den Filmen, die Sie gemacht haben?

Ich habe einen Film mit den typischen Bollywood-Zutaten gemacht: Tanzen, Gewalt und Romantik. Es ging darin um zwei Themen, den interreligiösen Dialog und HIV-AIDS. Der Film hatte natürlich ein Happy End – im indischen Film muss es immer ein Happy End geben (lacht). Außerdem habe ich jedes Jahr zu Weihnachten einen Film fürs Fernsehen gedreht. Das waren Filme mit Botschaft, die im Hauptfernsehsender in Indien ausgestrahlt wurden.

Sie arbeiteten für BBC Radio, für Radio Veritas Asia in Manila und haben das katholische Pressebüro in der Erzdiözese New Delhi gegründet und geleitet. Sie schrieben 15 Bücher und über tausend Zeitungsartikel. Dabei spielte der interreligiöse Dialog immer eine wichtige Rolle.

In Indien sind 80 Prozent der Menschen Hindus, 15 Prozent Muslime und nur 2,3 Prozent Christen. Die Hörer unserer Sendungen gehörten den unterschiedlichsten Religionen an. Mir war immer wichtig, dass die Kirche mit Respekt über andere Religionen spricht und sich nicht als triumphierende Institution sieht. Meine eigene Herkunft war für mich dabei sehr prägend: Rechts von unserem Haus im Norden Indiens stand ein Hindutempel, links eine Moschee, und in der Mitte wohnten wir als einzige katholische Familie in der Umgebung. Interreligiöser Dialog war für mich von Anfang an eine Lebenserfahrung – nichts, worüber ich zuerst einmal nachdenken musste. Hier in Österreich bin ich Mitglied in der Kommission für Weltreligionen der Bischofskonferenz.

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Und Sie sind Seelsorger der Barmherzigen Schwestern im beschaulichen Laab im Walde. Das klingt nach einem starken Kontrast zu Ihren bisherigen Stationen als Missionar.

Es ist wirklich ganz anders hier, viel ruhiger. Ich habe mir das nicht ausgesucht, sondern meinen Ordensoberen entscheiden lassen, wohin er mich sendet. Mit fast 72 Jahren passt es mir aber sehr gut, dass ich hier gelandet bin. Ich habe jeden Tag eine fixe Stunde für die eucharistische Anbetung und lese sehr viele Bücher über Gottsuche und Kontemplation. Ich habe den Eindruck, mich auf einer spirituellen Reise zu befinden, habe eine große Sehnsucht, Gott zu suchen. Und weiß, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.

Vor Kurzem haben Sie Ihr 45-jähriges Priesterjubiläum gefeiert.

Und das voll Dankbarkeit. Es gab eine Zeit, in der ich mir nicht sicher war, ob ich noch Priester bleiben sollte. Anfang der 1990er-Jahre machte ich mein Doktorat im Bereich Kommunikation und Dialog an einer säkularen Universität in London und hatte eine große Glaubens- und Berufungskrise.

„Interreligiöser Dialog war für mich von Anfang an eine Lebenserfahrung.“

P. Dominic Emmanuel

Was war ausschlaggebend, dass Sie das Priesteramt nicht aufgaben?

Jemand hat mich zu einer Pilgerreise nach Banneux, einem Marienwallfahrtsort in Belgien eingeladen. Weil ich nichts zu tun hatte, bin ich mitgefahren. Ich erinnere mich deutlich an einen Abend, ich kniete und habe die Muttergottes gefragt, was ich tun soll. Dabei hatte ich eine Erfahrung von tiefem Frieden. Ich bin Priester geblieben und vor zwei Jahren nach Banneux zurückgekehrt, um der Muttergottes zu danken.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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