Requiem und Gottesdienst für den emeritierten Papst Benedikt XVI.

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Papst Franziskus betet am Sarg von Benedikt XVI.
In seiner Predigt zitierte der Papst vielfach aus den Lesungstexten des Gottesdienstes und bezog deren Aussagen eher indirekt auf seinen Vorgänger. In mehreren Passagen zitierte Franziskus auch Benedikt XVI., u.a. aus dessen Enzyklika "Deus caritas est" und der Predigt, die Benedikt XVI. zu seiner Amtseinführung 2005 gehalten hatte. ©TIZIANA FABI / AFP / picturedesk.com

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag, 5. Jänner, im Vatikan zur letzten Ruhe geleitet worden. Im Wiener Stephansdom wird die Gedenkmesse für den verstorbenen Papst am Montag, dem 9. Jänner um 18:00 Uhr gefeiert.

In seiner Predigt ging Franziskus besonders auf Benedikts Gottvertrauen ein, auf seine Hingabe im Gebet und Liebe zum Evangelium. Er erinnerte zudem an die Mühen des Papsttums, die schwierige Aufgaben, denen sich "ein Hirte" stellen müsse - "zwischen Kreuzungspunkten und Widersprüchen".

Gottvertrauen aber bringe die Sanftmut hervor, "die fähig ist zu verstehen, anzunehmen, zu hoffen und alles zu wagen" - auch über das Unverständnis, das dies hervorrufen könne, hinaus. Es lasse den Hirten verstehen, was zu tun ist, und passe sein Herz und seine Entscheidungen den Zeiten Gottes an.

In seiner Predigt zitierte der Papst vielfach aus den Lesungstexten des Gottesdienstes und bezog deren Aussagen eher indirekt auf seinen Vorgänger. In mehreren Passagen zitierte Franziskus auch Benedikt XVI., u.a. aus dessen Enzyklika "Deus caritas est" und der Predigt, die Benedikt XVI. zu seiner Amtseinführung 2005 gehalten hatte.

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Predigt von Kardinal Schönborn beim Gedenkgottesdienst am 9. Jänner 2023 im Stephansdom

Übertragung des Requiems vom Petersplatz

Franziskus hob zudem "die ermüdende Last" hervor, die auf den Schultern desjenigen liege, der für andere eintritt. Auch sprach er von der "Zermürbung der Salbung" eines kirchlichen Hirten, "vor allem dort, wo das Gute zu kämpfen hat und die Brüder und Schwestern in ihrer Würde bedroht werden".

Schließlich erwähnte Franziskus die Rolle der Katholiken, die einem Papst anvertraut seien. Sie begleiteten sein Leben und vertrauten es anschließend Gott an. Er rief die Gläubigen dazu auf, Benedikt mit Dankbarkeit und Hoffnung noch einmal jene Liebe zu erweisen, die nicht vergehe. "Wir wollen dies mit derselben Salbung und Weisheit, mit demselben Feingefühl und derselben Hingabe tun, die er uns im Laufe der Jahre zu schenken wusste", so Franziskus. "Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!"

Fürbitten zunächst auf Deutsch

Laut Angaben des Vatikans nahmen 50.000 Menschen auf dem Petersplatz an der Trauerfeier teil. Rund eine halbe Stunde vor Beginn des Requiems um 9.30 Uhr wurde der verschlossene Holzsarg mit dem Leichnam des emeritierten Papstes von zwölf Trägern auf den Vorplatz des Petersdoms ("Sagrato") gebracht. Der langjährige Privatsekretär von Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, legte anschließend ein Evangelienbuch auf den Holzsarg. Danach beteten die Menschen auf dem Platz den Rosenkranz.

Papst Franziskus stand der anschließenden Trauerfeier vor, zelebrierte aber nicht selbst – wie in jüngster Zeit wegen seiner gesundheitlichen Schwierigkeiten infolge eines Knieleidens öfters geschehen. Die Zelebration am Altar übernahm der Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Giovanni Battista Re. In den auf die Predigt von Franziskus folgenden Fürbitten wurde zunächst auf Deutsch gebetet "für den emeritierten Papst Benedikt, der im Herrn entschlafen ist...", dann folgten in unterschiedlichen Sprachen Fürbitten für den amtierenden Papst und weitere Anliegen.
 

Segen und letzter Gruß

Das Requiem endete mit einem letzten Gruß von Papst Franziskus am Sarg seines Vorgängers. Stehend segnete er den Sarg von Benedikt XVI. mit einem Kreuzzeichen, legte dann die Hand darauf und verharrte eine Weile mit gesenktem Kopf.

Zehntausende Menschen applaudierten als Zeichen des Respekts, als der Sarg nach der Totenmesse in den Petersdom getragen wurde. Dort fand in der Krypta die eigentliche Beisetzung im kleinen Kreis statt. Die Prozession hinter dem Sarg wurde von Erzbischof Gänswein angeführt. Benedikt XVI. hatte sich das frühere Grab seines 2005 verstorbenen Vorgängers Johannes Paul II. als Bestattungsort gewünscht.

Beisetzung im kleinen Kreis

Der Leichnam von Benedikt XVI. ist im Vatikan beigesetzt worden. Das Portal "Vatican News" veröffentlichte am Donnerstagmittag entsprechende Fotos auf Twitter. Anders als die Trauerfeier am Vormittag fand die Beisetzung im kleinen Kreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auf den Bildern zu sehen sind unter anderen der ehemalige Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, und die Frauen der geistlichen Gemeinschaft "Memores Domini". Sie sorgten in den vergangenen Jahren am Alterssitz von Benedikt XVI. im Kloster "Mater ecclesiae" in den Vatikanischen Gärten für den Haushalt.

Weiter zeigen die Bilder das Verschweißen des Zinksarges sowie die Versiegelung von einem der Holzsärge. Der ehemalige Papst wurde, wie üblich, in insgesamt drei ineinander passenden Särgen beigesetzt: einem aus Zypressenholz, einem aus Zink und einem dritten Sarg aus Eichenholz. Danach wurde Benedikt in den Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom in das ehemalige Grab von Papst Johannes Paul II. hinabgelassen. Das entsprach dem Wunsch des früheren deutschen Papstes.

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