radio klassik Stephansdom wird 25 Jahre

Klassiksender mit Sinn
Ausgabe Nr. 38
  • Wien und Niederösterreich
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Weithin sichtbar: Auch der Steffl kündigt das Jubiläum des Wiener Senders an. ©Markus A. Langer

Aus einem kleinen Medienprojekt ist ein etablierter Kirchen- und Klassiksender geworden. Wie waren die Anfänge des bekannten Wiener Nischenradios?

Das erste Lebenszeichen von – damals „Radio Stephansdom“ – findet man in der Nachrichtenagentur APA am 11. Juni 1997. Die Zeitschrift News schickte eine Ankündigung aus: „Die morgige Ausgabe des Nachrichtenmagazins News berichtet über die überraschendste Bewerbung bei der Lizenzbehörde für Privatradios.“ Offensichtlich hatte niemand damit gerechnet, dass sich die katholische Kirche um eine Radiolizenz bewerben würde. Die APA schreibt am 12. Juni, dass sich „ein“ Radio Stephansdom der Erzdiözese Wien bewirbt.

Was war passiert? Österreich war das letzte Land in Europa, das Privatradios zuließ, und das erst nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der das Recht auf Meinungsfreiheit als inkompatibel mit einem Rundfunk-Monopol sah. Es wurden 10 Radiolizenzen ausgeschrieben, für die es 150 Interessenten gab. Ursprünglich waren im Privatradiogesetz kirchliche Träger ausgeschlossen. Das musste nach einer Beschwerde geändert werden. Der damalige Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit der Erzdiözese Wien, Wolfgang Bergmann, und seine Mitarbeiter sahen die Chance auf ein kirchliches Privatradio gekommen: „Jetzt oder nie!“ Es wurde sondiert, ins Ausland auf ähnliche Sender geschaut und, als die Gewissheit vorhanden war, dass ein kirchlicher Radiosender auch in Österreich eine Zukunft haben könnte, zu Kardinal Christoph Schönborn gegangen. Der war sofort einverstanden, kannte er doch aus Frankreich kirchliche Privatradios. Im Juni 1997 wurde der Antrag auf Erteilung einer Lizenz für den Raum Wien gestellt.  „In der ganzen freien Welt werden den Kirchen die Möglichkeiten des Radios nicht verwehrt, ich weiß nicht, warum es in Österreich anders sein sollte“, so Kardinal Schönborn damals in einer Aussendung. Der Plan war ein nichtkommerzielles Spartenradio, das nicht gewinnorientiert sein sollte, aber durch Einnahmen seine Kosten abdecken sollte. Über die Inhalte steht im Lizenzantrag: „Das Programm will den Hörer zu kurzem Innehalten und seelischem Auftanken in der Tageshektik einladen. Es soll den Radiohörern eine Oase für Ohr und Seele sein, abseits der permanenten Hektik und ohne lärmende Discjockeys.“

Die Erzdiözese beantragte die Frequenz 107,3. Im Frühjahr 1998 begann man mit dem Umbau einer ehemaligen Studenten-WG im Dachgeschoss des Deutschordenshauses zu Büroräumlichkeiten. Am 1. Juli war der erste Arbeitstag für die damals acht Programmgestalter, von denen heute noch drei im Team sind: Programmdirektor Christoph Wellner, Redakteurin Bernadette Spitzer und Techniker Martin Macheiner, der vor allen anderen bereits beim Umbau dabei war und daher Personalnummer 001 hat. Die erste Chefredaktion und die maßgebliche Gestaltung der Geschicke des Radios lagen bis 2014 in den Händen des erfahrenen Medienmannes Anton F. Gatnar, der etwas später auch die Geschäftsführung übernahm. Am 24. September 1998 um 11:55 Uhr startete mit dem Festgeläut des Stephansdoms der Sender. Man hörte den Papst, der dem Sender seinen Segen gab. (siehe auch „Heiter bis heilig“ auf S. 15). Und natürlich den Donauwalzer.

Was als kleines Lokalradio begann, für das jeder Berg ein unüberwindbares Empfangshindernis war, ist inzwischen weltweit hörbar durch den Livestream im Internet. Das Radio ist in ganz Österreich über DAB+ zu empfangen. Sender stehen in Wien und Graz. Die Anzahl der Hörer liegt etwa 200.000. Kardinal Schönborn erwähnt bei jeder Gelegenheit, wie glücklich er mit dem Sender ist. Beim Forum Alpbach 2018 bezeichnete er ihn als „mein Liebkind“ und als „Erfolgsgeschichte“.

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Autor:
  • Bernadette Spitzer
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