Gaza: Papst fordert Freilassung der Geiseln

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Papst Franziskus: "Ich fordere mit aller Kraft, dass Kinder, Kranke, Alte, Frauen und die gesamte Zivilbevölkerung nicht Opfer des Konfliktes sein sollen." ©Vatican News
Kardinal Pierbattista Pizzaballa mit der französischen Außenministerin Catherine Colonna
Wichtige Stimme aus dem Heiligen Land: Kardinal Pierbattista Pizzaballa führt immer wieder Gespräche mit internationalen Politikern, wie mit der französischen Außenministerin Catherine Colonna am 15. Oktober in Tel Aviv, um seine Einschätzungen der Lage weiterzugeben. ©ALAIN JOCARD / AFP / picturedesk.com

Papst Franziskus richtet erneut seinen Appell an die Hamas, die Geiseln freizulassen. Der Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pizzaballa, bietet sich selbst als Geisel für Kinder an.

Papst Franziskus hat wiederholt die Freilassung der israelischen Geiseln in Gaza und eine Beachtung der humanitären Regeln im dortigen Krieg gefordert. „Ich verfolge weiter mit großem Schmerz, was in Israel und in Palästina geschieht. Ich denke insbesondere an die Kinder und an die Alten. Ich erneuere meinen Appell zur Freilassung der Geiseln und fordere mit aller Kraft, dass Kinder, Kranke, Alte, Frauen und die gesamte Zivilbevölkerung nicht Opfer des Konfliktes sein sollen.“ 

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, hat sich selbst als Austausch gegen Geiseln der Hamas angeboten. „Wenn so Kinder freikommen und nach Hause kehren können, wäre das kein Problem“, antwortete der Patriarch bei einer Online-Pressekonferenz auf die entsprechende Frage einer Journalistin und fügte hinzu: „Von meiner Seite aus ist die Bereitschaft da.“ Um einen Weg aus der aktuellen Lage herauszufinden, sei es notwendig, dass die Geiseln zurückkehrten, sagte Pizzaballa. Er sprach von einem konkreten Element und von einer Geste, die dazu führen könne, dass über die aktuelle Entwicklung noch einmal nachgedacht würde. „Andernfalls ist es sehr schwierig, diese Entwicklung aufzuhalten“, sagte der Patriarch von Jerusalem. Er spielte damit auf die erwartete Bodenoffensive Israels im Gazastreifen an.

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Wären zwei Staaten die Lösung des Konflikts?

Der vatikanische Chefdiplomat, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, betont das Selbstverteidigungsrecht Israels „im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“ und ohne die Zivilbevölkerung in Gaza zu gefährden. Ein weiteres Blutvergießen dort, mit vielen unschuldigen Zivilisten unter den Opfern der Angriffe der israelischen Armee, müsse vermieden werden. Sollte es eine Möglichkeit für Dialog zwischen Israel und der Hamas-Miliz geben, sollte er sofort und ohne Verzögerung angestrebt werden. Kardinal Parolin ist fest davon überzeugt, dass es einen Frieden unter den Menschen ohne Gerechtigkeit nicht geben kann. „Mir scheint, dass die größtmögliche Gerechtigkeit im Heiligen Land die Zwei-Staaten-Lösung wäre, die es Palästinensern und Israelis ermöglichen würde, Seite an Seite in Frieden und Sicherheit zu leben, was den Wünschen der meisten von ihnen entspricht“, so der Kardinalstaatssekretär. „Diese Lösung, die von der internationalen Gemeinschaft angestrebt wird, scheint in letzter Zeit für einige auf beiden Seiten nicht mehr machbar zu sein. Für andere war sie es nie. Der Heilige Stuhl ist vom Gegenteil überzeugt und unterstützt sie weiterhin.“

Markus Bugnyar, Rektor des Österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem, merkt zur immer wieder beschworenen Zwei-Staaten-Lösung als möglichem Ende des jahrzehntelangen Konflikts an: „Israel hat sich 2005 aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Hier herrscht seit 2007 alleine die Hamas. Es gibt eine Grenze. Täglich wurde sie überschritten von Palästinensern, die in Israel Arbeit gefunden hatten. Täglich wurden Hilfsgüter aus Israel in den Gazastreifen gebracht. Hier existieren schon zwei Staatswesen nebeneinander.“ Bugnyars Antwort auf die Frage, ob der Rückzug der Israelis ihnen Frieden gebracht habe. „Offenkundig: Nein.“ Daher sei es für Israel auch wenig überzeugend, sich aus der Westbank zurückzuziehen. „Wer garantiert, dass dann Ruhe herrscht?“ 

Zerstrittene Palästinenserorganisationen

Auf ein Hindernis im Friedensprozess weist der Hospiz-Rektor hin: Die beiden politischen Gruppen der Palästinenser, Fatah und Hamas, sind zerstritten. Die einen bestimmen über das Westjordanland, die anderen über den Gazastreifen. „Wer von einer ‚Zwei-Staaten-Lösung now‘ schwadroniert, müsste schon zuerst diese beiden ‚Reichshälften‘ an einen Tisch bringen.“

Hoffnung auf Veränderung bleibt

Wer noch an eine Brücke zwischen Israelis und Palästinensern glaube, sei naiv, meint der in Jerusalem lebende deutsche Priester Stephan Wahl. Aber er möchte die Hoffnung auf Änderung nicht verlieren. „Wer hätte zum Beispiel daran gedacht, dass Menachem Begin der erste sein wird, der Frieden mit einem arabischen Land schließt, oder dass Jitzchak Rabin Jassir Arafat die Hand reicht? Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Dinge passieren können, die niemand erwartet“. Der Einsatz für den Friedensprozess und die Zwei-Staaten-Lösung war schon einmal deutlich stärker, muss Stephan Wahl zugeben. „Nach der Ermordung von Israels Ministerpräsident Jitzchak Rabin 1995 sind alle Brücken den Bach runtergegangen.“ 

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