Leo Führer im Rotlichtviertel

Glaubensverbreitung im Rotlichtmilieu
Ausgabe Nr. 38
  • Meinung
Autor:
Leo Führer verbreitet unermüdlich das Wort Gottes an unerwarteten Orten. ©Erik Tanghe
Von seinem Glauben zu erzählen, ist Leo Führers große Leidenschaft. ©privat

Wo Glaube und das Rotlichtviertel aufeinandertreffen: Tauchen Sie ein in die inspirierende Geschichte von Leo Führer, der unermüdlich das Wort Gottes an unerwarteten Orten verbreitet.

Der SONNTAG trifft Leo Führer frühmorgens im ‚Raum der Stille‘ am Wiener Hauptbahnhof. Der 61-Jährige kommt direkt aus dem Stephansdom.

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Herr Führer, gehen Sie öfter um halb sieben in der Früh in die Heilige Messe im Dom?

Jeden Tag. Es geht nicht anders. Ich brauche das für mein Glaubensleben und mache das seit vielen Jahren. Mir fehlt etwas, wenn ich nicht in die Messe gehe und nicht täglich den Rosenkranz bete.

Sie sind in der Erzdiözese Wien verantwortlich fürs Pilgern und sind unter anderem mit dem Fahrrad nach Jerusalem gepilgert. Wie lange hat das gedauert?

Ich war 72 Tage unterwegs, die ich auf drei Etappen in drei Jahren aufgeteilt habe.  Auf dem Weg habe ich wahnsinnig viel Gastfreundschaft erfahren. In der Türkei zum Beispiel wurde ich zwei- bis dreimal am Tag auf einen Chai eingeladen. So etwas habe ich im Westen nicht erlebt.  

Ist das Pilgern Ihre große Leidenschaft?

Ich mag es sehr gern, ja. Meine größte Leidenschaft ist aber die Glaubensverbreitung. Jeder Mensch hat das Recht, von Gott zu erfahren. Dafür setze ich mich ein, ich bin bei der Legion Mariens und erzähle Menschen bei unseren Einsätzen von Jesus und Maria. Ich bin dabei mit anderen in einem ungewöhnlichen Bereich tätig, nämlich im Rotlichtmilieu. Wir gehen auf den Straßenstrich in Strebersdorf und auf die Brunnerstraße und in Laufhäuser. Jedes Jahr fahren wir auch nach Hamburg auf die Reeperbahn.   

Wie kann man sich so einen Apostolatseinsatz vorstellen?

Wir sind immer zu zweit, gehen zu den Prostituierten und bieten ihnen zuerst die Wunderbare Medaille an. Das ist ein guter Einstieg. Dann sprechen wir mit ihnen, sagen ihnen, dass Gott sie liebt, dass sie immer zu ihm kommen können. Und wir ermutigen sie zum Gebet. In Wien kennen uns die Mädchen und freuen sich, wenn sie uns sehen. Letztens hat uns eine Prostituierte, als sie uns gesehen hat, von der anderen Straßenseite zugerufen, dass sie ihre Medaille verloren hat und gern eine neue hätte.    

„Jeder Mensch hat das Recht, von Gott zu erfahren. Dafür setze ich mich ein.“

Leo Führer

Darf man einfach so in ein Laufhaus reinspazieren und dort Medaillen verteilen?

Wir hatten nie ein Problem damit und spielen immer mit offenen Karten. Zu Weihnachten zum Beispiel sagen wir den Verantwortlichen in den Laufhäusern, dass wir von der katholischen Kirche sind und den Frauen eine Freude machen wollen. Wir bringen ihnen ein Kerzerl und Tannenzweige mit einem Stern. Mittlerweile werden wir meistens einfach durchgewunken. Zu 95 Prozent sind die Mädchen erfreut, wenn sie uns sehen.

Sie sind in der Nacht unterwegs, auch an zwielichtigen Orten. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen etwas passiert?

In den über drei Jahrzehnten, in denen wir das machen, sind wir noch nie in Schwierigkeiten geraten. Ich fühle mich bei diesen Einsätzen sehr getragen und habe sehr oft erfahren, dass Jesus und Maria uns dabei begleiten und schützen. Wichtig ist, dass wir vor einem Einsatz beten und dass wir uns bewusst machen, dass Gott alle Menschen liebt. Bei unserem allerersten Einsatz vor 35 Jahren in Amsterdam wussten wir anfangs überhaupt nicht, wie wir vorgehen sollten. Unser Antrieb war der Gedanke: ‚Wenn wir diesen Menschen jetzt nicht von Gott erzählen, wird es vielleicht niemand mehr tun.‘
Was wir dabei nie vergessen: Mission hat immer einen übernatürlichen Charakter. Nicht aus unserer eigenen Kraft schaffen wir etwas, sondern nur mit Gottes Hilfe.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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