Welttag der Bücher: Klosterbibliotheken

Was wir der Kirche verdanken
Ausgabe Nr. 15
  • Theologie
Autor:
Die Admonter Klosterbibliothek ist eines der großen Gesamtkunstwerke des europäischen Spätbarocks. ©Benediktinerstift Admont
In der Klosterbibliothek sind verschiedene Kunstgattungen zu einer Einheit verschmolzen: Architektur, Fresken, Skulpturen, Schriften & Druckwerke. ©Benediktinerstift Admont
Die Klosterbibliothek stellt einen über Jahrhunderte hinweg reichenden Wissensspeicher dar. ©Benediktinerstift Admont

Entdecken Sie die faszinierende Welt der Klosterbibliotheken, die über Jahrhunderte hinweg geistliche und weltliche Bücher der Literatur bewahrt haben.

Seit 1995 wird jährlich am 23. April der „Welttag des Buches“ begangen. Den Klosterbibliotheken ist es zu verdanken, dass auch viele „weltliche“ Bücher der Antike nicht verloren gingen.

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In Klöster wurden sakrale und profane Bücher vervielfältigt

Im Jahr 1776 wurde die Stiftsbibliothek Admont fertiggestellt. Sie ist mit 70 Metern Länge, 14 Metern Breite und rund 13 Metern Höhe der weltweit größte klösterliche Büchersaal. Der behutsame Umgang mit den Büchern war und ist seit jeher ein Kennzeichen der Klöster. Diese haben nicht nur das intellektuelle Erbe des Mittelalters bewahrt, sondern oft auch die Reste der antiken Literatur, die im Zuge der Völkerwanderung in der Mitte des ersten Jahrtausends verlorenzugehen drohten. In den Schreibstuben der Klöster (lateinisch „Scriptorium“, von „scribere“ – „schreiben“) wurden sakrale und teilweise auch profane Texte handschriftlich vervielfältigt.

Welttag des Buches: Kloster war im Winter beliebt

Nicht nur die Bibel wurde „abgeschrieben“, ebenso wurden auch Werke der Kirchenväter sowie Ordens- und Predigt-Texte dupliziert. Und auch sogenannte „weltliche“ Literatur, oft sogar mit frivolem Inhalt, wurde durch die Schreiber der Klöster der Nachwelt erhalten. Die Arbeit in den Skriptorien war beliebt, aber zugleich auch anstrengend. Denn Skriptorien zählten zu den wenigen auch im Winter ständig beheizten Räumen eines mittelalterlichen Klosters: ein Vorteil für die Schreibkunst der Mönche wie auch für die damit immer flüssige Tinte.

Reformation bedrohte Bücher

Im Zuge der Reformation wurden viele Klosterbibliotheken aufgelöst und ihre wertvollen Bestände in stattliche Bibliotheken überführt. Mit der katholischen Erneuerung nach der Reformation erlebten viele (barocke) Klosterbibliotheken nochmals eine Blütezeit, ehe sie oft am Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Säkularisation in staatliche Hände übergingen. In Österreich hingegen überlebte so manche Klosterbibliothek.

Bücher schreiben war eine Qual

Dass das „Schreiben“ eine Kunst und manchmal sogar eine Qual war, berichtet eine Notiz aus dem 8. Jahrhundert: „O glückseliger Leser. Wasche deine Hände und nimm so das Buch zur Hand, behutsam wende die Blätter, fern vom Buchstaben setze die Finger auf. Denn wer nicht schreiben kann, meint, das sei keine Mühe.

Ach, wie verdrießlich ist das Schreiben. Die Augen macht es müde, die Lenden schwächt es und zugleich bekommt es allen Gliedern schlecht. Drei Finger schreiben, der ganze Körper schmerzt. Deshalb, wie der Seemann sich sehnt, zu seinem angestammten Hafen zu kommen, so auch der Schreiber zur letzten Zeile.“

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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