Jenseits von Gut & Böse

Junge Meinung
Ausgabe Nr. 26
  • Meinung
Autor:
Rebecca Marchhart hat beim SONNTAG ein Praktikum absolviert und sich so Einblicke in den Redaktionsalltag verschafft. ©Christoph Aigner

Rebecca Marchhart studiert Journalismus & Unternehmens­kommunikation an der Fachhochschule Wiener Neustadt. Im Juni hat sie ein Praktikum beim SONNTAG absolviert.

Neunzigtausendachthundert. So viele Leute haben sich 2022 dazu entschieden, aus der katholischen Kirche auszutreten. Ich bin keine davon. Ehrlich gesagt trägt auch die Tatsache, dass ich als Studentin vom Kirchenbeitrag ausgenommen bin, einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin gläubig – wenn ich auch nicht das klassische Rollenbild einer frommen Katholikin erfülle.

Der Stellenwert der Kirche in der Gesellschaft hat deutlich abgenommen. Dazu haben, so ehrlich und realistisch muss man sein, die Schattenseiten der römisch-katholischen Kirche ihren Beitrag geleistet. Homophobie, Frauendiskriminierung, Missbrauch, Ausgrenzung, Geld und Macht – für mich durchaus nachvollziehbare Argumente, der Kirche den Rücken zuzukehren.
Doch die Kirche hat auch gute Seiten: Sozial- und Bildungsprojekte, Beiträge zur Kultur(-instandhaltung) und natürlich eine wertvolle Gemeinschaft, die für viele Leute eine große Stütze im Leben sein kann.

Pauschal feststellen, ob die Kirche nun gut oder böse ist, kann man allerdings wohl kaum. ABER man kann versuchen, die alteingesessenen katholischen Traditionen und Abläufe ein bisschen aufzulockern. In meiner Heimatpfarre haben nur wenige die Motivation, wöchentlich den Gottesdienst zu besuchen, vor allem für Kinder und Jugendliche wird eher wenig Ansprechendes geboten. Glaube und Kirche zu trennen ist daher auch für mich ehrlich gesagt nicht ganz abwegig.

Meiner Meinung nach sollte Kirche etwas lebendiger gestaltet werden. Ich würde mir wünschen, die Messe nicht immer mit strengen, fix vorgegeben Abläufen, langwierigen, teils unverständlichen Lesungen und Predigten sowie altmodischen Liedern verbinden zu müssen. Ich brauche keine Vorgabe, wann ich aufzustehen, zu sitzen, zu knien habe, um mich mit Gott zu unterhalten. Priester, die lässig Anekdoten aus ihrem Leben erzählen und die Menschen wirklich miteinbeziehen, vermitteln ein authentisches Bild vom Glauben. Ich weiß, dass es genau diese motivierten Priester gibt, die Messen im Freien auf der Wiese mit ohrwurmtauglichen Liedern und witzigen Predigten halten und auch auf junge Menschen Rücksicht nehmen. Nur leider viel zu selten. Vielleicht sollten wir uns alle mal ein bisschen locker machen und über den Tellerrand hinausschauen. Dann ist der Weg zur guten Seite gar nicht mehr so weit.

Der Kommentar drückt die persönliche Meinung der Autorin aus!

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  • Rebecca Marchhart
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