Eintauchen in das Blau der Heiligen Nacht

Celestino-Piatti-Jubiläum
Ausgabe Nr. 51
  • Kunst und Kultur
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Celestino Piatti: Die Heilige Nacht
Maria und Josef auf ihrer Reise nach Betlehem. ©NordSüd Verlag
Celestino Piatti: Die Heilige Nacht
Die Welt ist in Blau getaucht, wenn Maria und Josef in Betlehem ankommen. ©NordSüd Verlag
Celestino Piatti: Die Heilige Nacht
In der Krippenszene kommen neben den klassischen Tieren Ochs und Esel auch eine Katze, ein Schwein und eine Taube vor. ©NordSüd Verlag
Celestino Piatti: Die Heilige Nacht
Die Hirten auf dem Feld sitzen vor dem Lagerfeuer. ©NordSüd Verlag
Celestino Piatti: Die Heilige Nacht
Die Hirten auf dem Feld blicken erschrocken nach oben und sehen den ganzen Himmel voller singender Engel, die ihnen die frohe Botschaft verkünden. ©NordSüd Verlag
Schweizer Grafiker Celestino Piatti (1922–2007) ©Ursula Piatti

Seine Bilder ziehen Groß und Klein in ihren Bann. Am 5. Jänner wäre der Schweizer Grafiker Celestino Piatti hundert Jahre alt geworden. Der Künstler gilt als Meister der Reduktion und wandte dunkle Konturen und leuchtende Farben an. Das von ihm gestaltete Buch „Die Heilige Nacht“ ist jetzt in einem neuen Sammelband wieder erhältlich. An das Geheimnis der Geburt Gottes in diese Welt näherte sich Piatti mit magischen Blautönen an.

Celestino Piatti wäre am 5. Jänner 2022 hundert Jahre alt geworden. Der legendäre Schweizer Grafiker ist vielen durch seine für den dtv geschaffenen Buchcovers bekannt. Doch auch seine zwischen 1963 und 1979 entstandenen Bilderbücher zeigen seine künstlerische Handschrift und prägten ganze Generationen von Kindern – allen voran der Welterfolg „Eulenglück“.

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Mit einem Text des Theologen Aurel von Jüchen gestaltete Celestino Piatti 1968 das Bilderbuch „Die Heilige Nacht“. Es ist als Teil des neuen Sammelbandes „Piatti für Kinder“ aus dem NordSüd-Verlag wieder erhältlich. Piattis „Heilige Nacht“ begleitet Maria und Josef von ihrem Aufbruch in Nazaret, beim besonders für die junge Frau beschwerlichen Weg über Berg und Tal und schließlich bei ihrer Ankunft in Betlehem, wo das Paar erschöpft und müde vor verschlossenen Türen steht. Auch die Hirten, Engel, Tiere und die Natur werden magisch ins Bild gebracht. 

Blau – die Farbe des Göttlichen

Dunkle Konturen und leuchtende Farben – diese für ihn so typischen Stilmittel wandte Piatti auch in „Die Heilige Nacht“ auf beeindruckende Weise an. Der Zauber seiner Grafiken zieht Groß und Klein in den Bann. „Charakteristisch für die Bilderbücher ist das Zusammenspiel aus genauer Naturbeobachtung und Stilisierung. Piatti ist ein Meister der Reduktion. Das Leben, das er überall und in allen Kreaturen beobachtet, bringt er auf die kürzeste Formel, bis nur das Wesentliche übrigbleibt. Ihm gelingt dadurch nicht weniger als die ,Magie der Realität‘ einzufangen“, fasste der Schweizer Journalist Manuel Gasser zusammen. 

Die Bilder von Celestino Piatti vermitteln Himmel und Erde, Mensch und Natur, geerdetes Dasein und überirdisches Geschehen. Beeindruckend ist die Intensität der Farben, vor allem von Blautönen, die in der geschilderten Nacht der Geburt Jesu dominieren. Wenn Maria und Josef in Betlehem ankommen, ist die Welt völlig in Blau getaucht. Nur ein Stern über ihnen leuchtet hell und gelb und zeigt ihnen den Weg zu einer Übernachtungsmöglichkeit.

Celestino Piatti variiert in „Die Heilige Nacht“ die Farbe Blau in den schönsten Schattierungen. Der Künstler, der sich stets akribisch auf seine Projekte vorbereitete, wusste wohl, dass die Farbe Blau im Christentum für das Göttliche steht. Das in Blau getauchte Betlehem symbolisiert somit nicht nur die Nacht, sondern auch, dass Gott in und über die Welt gekommen ist. Blau ist zudem die der Muttergottes zugeordnete Farbe. Die Heilige Nacht ist in den Grafiken Piattis vor allem die Nacht der Maria, die in dieser Nacht ihr Kind zur Welt bringt und für dieses Kind unter einfachsten Bedingungen sorgt. 

Das Geheimnis der Schöpfung

„Die Heilige Nacht“ ist eines von vielen Büchern, die Celestino Piatti grafisch gestaltete. Piattis erstes Bilderbuch „Eulenglück“ erschien 1963 und wurde ein Welterfolg. Die Eule war sein Lieblingstier und Alter Ego, er malte tausende, ebenso viele andere Natur- und Fabelwesen: „Weiße Eulenvögel, edle Raubkatzen, weiche Federn, knisterndes Fell, scharfe Krallen, leuchtende Augen, lautloser Flug, geschmeidiger Gang – in der Nacht, in der Wildnis: dies tausendmal und immer neu gestalten, um näher an das Geheimnis der Schöpfung heranzukommen – um es doch nie voll ergründen zu können“, schilderte der Grafiker seine künstlerische Herangehensweise.  
 

Bereits mit 26 Jahren machte sich der 1922 bei Zürich geborene Künstler – nach Grafikerlehre, Militärdienst und erster Anstellung – selbstständig. Stets von Hand kreierte er in seinen Ateliers und entwickelte eine unverkennbare, gegenständliche und prägnante Bildsprache. 1960 wurde Piatti Hausgrafiker des neu gegründeten dtv-Verlags, dessen optischen Auftritt er bis 1993 prägte. Die markanten dtv-Bände mit den charakteristischen Illustrationen Piattis haben heute Kultstatus. Die bisherige Gesamtauflage der von ihm gestalteten Bücher liegt bei über 200 Millionen Exemplaren. Der Grafiker starb 2007 und hinterließ einen umfangreichen künstlerischen Nachlass. Piattis 100. Geburtstag bietet Anlass, sein einzigartiges Schaffen zu würdigen und wiederzuentdecken.

Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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