Der Geruch von Holz und Ölfarben

Advent mit Gedanken von Sepp Forcher
Ausgabe Nr. 50
  • Meinung
Autor:
Bemalen von Holzfiguren
Wie in einer Holzbildhauerwerkstatt Krippenfiguren entstehen. Die Figuren wie den knieenden Hirten werden mit Aquarellfarbe lasiert. Trotz der Farbe ist sofort deutlich, dass es sich um Holzfiguren handelt. ©KNA/Harald Oppitz
Porträt Sepp Forcher
Sepp Forcher war der bekannte TV-Moderator von „Klingendes Österreich“. Als Sohn Südtiroler Eltern kam er 1940 ins Land Salzburg. Er war unter anderem Bergführer, Hütten- und Stadtwirt. Forcher war auch ein erfolgreicher Buchautor. ©Heinz Niederleitner

Ich erinnere mich daran, wie mein Großvater einmal eine Krippe geschnitzt hat. Er war Zimmerer und Tischler und hat die Figuren aus Zirbenholz geschnitten.

Es hat mir gefallen, ihm beim Schnitzen zuzuschauen. Ich erinnere mich noch an den Geruch des Zirbenholzes, der Ölfarben und an den gütigen ruhigen Menschen. Meine eigene Familie legt heute noch einen großen Wert auf das Aufstellen der Krippe.

Dass Weihnachten ein religiöses Fest ist, ist mir heute wichtiger als früher. Man braucht Zeit, bis man begreift, was unser Glaube ist und was alles dazugehört. Und es gehört auch der „Flitter“ dazu, der die Herzen berührt, wie eben die Krippendarstellungen.

Das Aufstellen von Krippen in den Kirchen hat man in der josephinischen Zeit verboten und sie so in den Bereich der Familie verdrängt. Im Barock hat es sicher Auswüchse bei den Krippendarstellungen gegeben. Wenn man aber heute schaut, welchen Reichtum es in der Krippenkunst gibt, dann ist das meiner Meinung nach eine großartige Sache. Das Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck oder das Bayerische Nationalmuseum in München haben zum Beispiel wunderbare Krippensammlungen. Meine erste lebendige Krippe mit echten Tieren und Menschen habe ich auf der Insel Madeira gesehen. Damals habe ich noch nicht gewusst, dass diese Tradition auf den heiligen Franz von Assisi zurückgeht.

Wenn ich heute die Krippenbauer in meinem Bekanntenkreis sehe, muss ich sagen: Es ist eine eigene Stimmung, welche die Menschen bei dieser Tätigkeit erfasst. Das ist nicht nur Freude am Schnitzen, sondern da ist etwas Tieferes drinnen – auch wenn das nicht jedem bewusst ist.

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  • Sepp Forcher
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