Auch ich bin auf der Suche

Exerzitien im Alltag
Ausgabe Nr. 8
  • Meinung
Autor:
Hat viel Freude daran, etwas zu vermitteln – als Exerzitienleiterin, aber auch als Lehrerin: Sr. Gudrun Schellner. ©privat

Seit 30 Jahren bietet Schwester Gudrun Schellner Exerzitien im Alltag in der Fastenzeit an. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und sie selbst sind die Exerzitien Gelegenheit, sich neu zu fokussieren.

Schwester Gudrun lebt mit sechs Mitschwestern, einer Novizin und drei Frauen in einem Kloster in Simmering. Sie ist Noviziat leiterin in ihrem Orden der Franziskanischen Schwestern von der Schmerzhaften Mutter und unterrichtet Religion an einem Wiener Gymnasium. 

Schwester Gudrun, für dich scheinen Exerzitien im Alltag und die Fastenzeit fest zusammenzugehören.

So ist es. Die Exerzitien sind für mich und unsere Ordensgemeinschaft fixer Bestandteil der Fastenzeit. Und es gibt auch viele Leute, die bereits seit Jahren mit dabei sind. Wie treffen uns dazu einmal in der Woche zu einem Impuls, gemeinsamem Gebet und Austausch und halten alle jeden Tag eine stille Zeit mit ausgewählten Texten. Heuer werden wir Texte aus der Offenbarung betrachten mit dem Thema: ‚Visionen einer neuen Welt‘.

Exerzitien bedeutet ‚Einübung‘. Was übst du in dieser Zeit ein?

Ich habe immer einen bestimmten Gedanken aus der Heiligen Schrift oder aus der Liturgie, den ich durchkaue. Dieser Gedanke begleitet mich durch den Tag, und ich versuche, ihn umzusetzen. Das ist meist alles, was ich schaffe. Was mich bei den Exerzitien immer sehr berührt, ist, dass wir gemeinsam unterwegs sind.

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Du begleitest die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exerzitien bei den wöchentlichen Treffen und darüber hinaus auch in Einzelgesprächen. Was bewegt dich dabei besonders?

Mir macht es unglaublich viel Freude, etwas zu vermitteln. Als Kopfmensch ist es mir dann beim gemeinsamen Austausch wichtig zu hören, was davon angekommen ist. Außerdem ist es schön mitzubekommen, was die Leute beschäftigt, wie sie mit Brüchen, wie sie mit Schönem umgehen. Viele sind erstaunt, wenn sie merken, dass ich auch nicht alles fix in der Tasche habe.

Wie meinst du das?

Es ist mir wichtig zu vermitteln, dass in meinem Glauben auch nicht alles super läuft. Auch ich hinterfrage und bin auf der Suche. Viele sind zum Beispiel verwundert, dass ich – obwohl ich im Orden bin – auch damit strudle, eine fixe Gebetszeit einzuhalten. Oft schaffe ich das nämlich nicht. Auch ich muss mich immer wieder neu ausrichten im Glauben. Dazu ist für mich die Fastenzeit da: zu überlegen, wo ich meinen Fokus hinlegen will; nachzudenken, was in meinem Leben mehr Raum braucht, damit es nicht untergeht. Das ist ähnlich wie in einer Partnerschaft. In dieser ist man ja auch nicht 24 Stunden am Tag verliebt. Die Fastenzeit ist also eine große und schöne Einladung, mich neu auszurichten.

Wie gestaltet sich deine Gottesbeziehung in deinem Alltag?

Gott ist gegenwärtig, sehr viel in den Menschen, auch in der Schöpfung. Ich frage ihn oft: Wo bist du jetzt? Oder: Sag mir, was ich sagen soll. In der Schule, in der ich unterrichte, beginne ich jede Stunde mit einem kurzen Gebet und einer anschließenden Stille von einer halben Minute, mehr schaffen die Schülerinnen und Schüler nicht.

„Die Fastenzeit ist eine Einladung, nachzudenken, was in meinem Leben mehr Raum braucht, damit es nicht untergeht.“

Gudrun Schellner

Oft fragen sie mich, was ich denn da mache. Ob ich wirklich bete. Manchmal falte ich unbewusst die Hände. Und ja, ich nutze diese Momente, um zu beten.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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