Strukturen für den Geist Gottes

Wie miteinander sprechen – Teil 3
Ausgabe Nr. 41
  • Spiritualität
Autor:
Gemeinsam hört man mehr. ©Photocase/zettberlin
Georg Nuhsbaumer ist Leiter des Bereichs „Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur“ im Kardinal König Haus. ©Kardinal König Haus

Beinahe 500 Personen nehmen am weltweiten Synodentreffen von 4. bis 29. Oktober in Rom teil. Damit sie einander trotz verschiedener Sprachen, Hintergründe und Meinungen zuhören können und das Treffen Früchte trägt, praktizieren sie die „spirituelle Konversation“.

Spirituelle Konversation ist eine strukturierte Gesprächsweise, bei der das Hören im Mittelpunkt steht: das gegenseitige Hören aufeinander und dadurch das gemeinsame Hören auf Gott. Die Vorgangsweise mag starr erscheinen. Es ist aber wichtig, die Schritte und Regeln konsequent einzuhalten, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Es ist hilfreich und notwendig, dass jemand die Funktion übernimmt, auf den Ablauf und die Zeit zu achten. Alle Teilnehmenden sollen die Grundsätze der Methode kennen und bereit sein, sich mit den anderen auf diese Weise des Gesprächs einzulassen. Die ideale Größe einer Gruppe sind sechs Personen. Bei größeren Teams ist es sinnvoll, entsprechende Kleingruppen zu bilden und in einem späteren Schritt die Erfahrungen der Gesprächsrunden zusammenzuführen.

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Gebet

Vor dem oder am Beginn des Treffens nehmen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zeit für persönliches Gebet und die Reflexion über anstehende Frage oder das Thema des Austauschs. In der Regel werden dazu Hintergrundinformationen, einige Punkte und Fragen und ein entsprechender biblischer Impuls bereitgestellt. Dafür kann eine angemessene Zeit von 30 Minuten bis eine Stunde eingeplant werden. Diese Gebetszeit ist fundamental für spirituelle Konversation. Wird sie von einer Gruppe oder einzelnen Teilnehmenden nicht ein gehalten, ist das oft unmittelbar spürbar und verändert die Dynamik des Dialogs.

Drei Runden

Das Gespräch selbst beginnt mit einer kurzen gemeinsamen Stille und strukturiert sich in drei aufeinanderfolgende Runden.

In der ersten Runde teilt jede Person mit, was sie im Gebet bewegt hat. Die anderen hören „nur“ zu und nehmen wahr, was das von den anderen Gesagte in ihnen auslöst. Jede Person kommt zu Wort und spricht maximal fünf Minuten. Für alle Teilnehmenden steht die gleiche Redezeit zur Verfügung. Nach jeder Person und am Ende der Runde gibt es eine kurze Pause und Stille.

In der zweiten Runde teilt nun jede Person mit, was die Worte der anderen in ihr bewegt haben. Dabei wird nicht diskutiert oder widerlegt, was jemand gesagt hat, oder zur Sprache gebracht, was man in der ersten Runde vergessen hat zu erwähnen. Es soll vielmehr die Gelegenheit sein, auf folgende Fragen zu antworten: Was hat mich berührt? Was hat mich getröstet, bewegt oder getroffen? Dafür gibt es, wieder für jede Person gleich, bis zu drei Minuten Zeit.

Die dritte Runde zielt darauf ab, die Bewegungen des Geistes in der Gruppe festzuhalten. Die Teilnehmenden versuchen, gemeinsame Erkenntnisse oder Rufe wahrzunehmen. Sie tauschen sich über die Fragen aus: Welche gemeinsamen Linien zeichnen sich in der Gruppe ab? Welche Verschiedenheiten sind festzuhalten? Welchen Ruf vernimmt die Gruppe? Stille und ein Dankgebet können das Gespräch abschließen. Zum Schluss kann die Gruppe den Verlauf kurz Revue passieren lassen und über die wichtigsten Punkte, die sie gegebenenfalls aus dem Gespräch berichten will, entscheiden.

In welcher Gruppe könnte das gelingen? In welcher Frage in der Pfarrgemeinde könnte uns diese Vorgangsweise voranbringen?

Autor:
  • Georg Nuhsbaumer
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