„Jede Zeit ist meine Zeit“

Altersforscherin Rosemarie Kurz
Ausgabe Nr. 31
  • Leben
Autor:
Rosemarie Kurz
Rosemarie Kurz erhielt 2003 das Bundesehrenzeichen für besondere Verdienste um die gesellschaftspolitische Integration älterer Menschen. ©kin-tsugi.at/Sascha Pseiner

Rosemarie Kurz ist mit 87 Jahren noch rege am gesellschaftlichen Leben beteiligt. Mit unbändiger Energie setzt sie sich seit Jahrzehnten für Generationensolidarität ein.

Erst vor kurzem ist ihre Biographie erschienen. Passenderweise trägt sie den Titel „Unruhestand“. Denn in diesem  befindet sich die Grazer Altersforscherin und fordert gesellschaftliche Teilhabe bis ins hohe Alter.

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Sie sind Pionierin im Bereich Generationen­fragen und bezeichnen sich selbst als Luftwurzlerin. Was meinen Sie damit? 

Rosemarie Kurz: Ich entwickle Netzwerke überall, wo ich gerade bin. Ich frage mich immer, was brauche ich und wo sind die passenden Menschen und Organisationen, die für mich gerade gut sind. Das ist wie ein siebenter Sinn. Ich pflege sehr gerne Kontakte.

Ihre Biographie trägt den Titel „Unruhe­stand“. Was meinen Sie denn damit?

Ich bin mit 58 Jahren nach zwei Bandscheibenvorfällen als Turnlehrerin in Pension gegangen. Und da habe ich sofort mit einem Studium an der Universität Graz begonnen. Ich habe eine Ringvorlesung zum Thema Alterswissenschaften organisiert, in der Wissenschaftler zum Thema Ruhestand gesprochen haben.  Ich habe als Pendant den Unruhestand erfunden und viele Programme für Ältere auf die Beine gestellt, darunter ein Frauenbildungsnetzwerk. Ich habe auch lange Zeit das Generationenreferat der Grazer Hochschülerschaft geleitet. Mit 63 Jahren habe ich das Doktorat in Philosophie gemacht. 

Ist Ihnen der Pioniergeist von den Eltern mitgegeben worden?

Mein Vater war ein Adeliger und wollte unbedingt einen männlichen Erben bekommen. Dann aber waren es vier Töchter. So hat er meine Begabung nicht wahrgenommen. Ich aber habe mir viel von ihm abgeschaut, er war ein Erwachsenenbildner und konnte gut vortragen. Meine Mutter war Zeit ihres Lebens als Lehrerin tätig. Das war damals auch außergewöhnlich. 

Warum ist es wichtig, im Alter weiterhin tätig zu sein und sich einbringen zu können? 

Es gibt so viele Dinge, die wir lernen können. Es gibt unentwegt die Möglichkeit, sich nützlich einzubringen. Ich konnte meine Ideen immer umsetzen. Wenn ich zum Beispiel einen Vortrag halten möchte, miete ich mir einen Raum und verteile Einladungen. Engagement und Freude am Leben ermöglichen vieles. Ich möchte wirklich alle ermutigen, tut was! 

Wie sieht es mit Ihrer Gesundheit aus? Sie wirken sehr frisch und fit. 

Ich möchte da kein Drama daraus machen. Ich war einige Male sehr krank. Mit 80 Jahren dachte ich, jetzt geht es nicht mehr lange. Aber ich bin aufgestanden und weitergegangen. Ein Arzt hat mir diesen Tipp gegeben, jeden Tag eine Stunde ohne Pause zu gehen. Das mache ich. Ich habe eine Uhr zum Schrittezählen und 10.000 Schritte pro Tag sind ideal. 

Ist „Forever Young“ für Sie ein passendes Motto?

Nein. Das macht keinen Sinn. Ich hatte doch meine Zeit, in der ich sprühend jung war. Jetzt möchte ich mein Alter zeigen. Ich halte nichts von Gesichtsstraffung und Verjüngung. Ich muss nicht jung aussehen. Ich bin so alt, wie ich bin. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich mein altes Gesicht zeige. Ohne Schminke. Ich bin, die ich bin!

Was können junge Menschen von alten Menschen lernen? Und umgekehrt? 

Jeder von uns ist in Gemeinschaften eingebunden. Wir lernen täglich voneinander, ob in der Straßenbahn, in Geschäften, bei Ärzten, in Heimen. Es ist ein Entschluss, voneinander lernen zu wollen! 

Sind Sie religiös? 

Ich habe in mir so ein Leuchten. Das unterstützt mich im Leben. Ich glaube, dass ich nach meinem Tod zu Erde werde. Aber in der Welt bleibt das, was ich anderen gegeben habe. Es gibt ja viele Menschen, denen ich von meinem Leuchten etwas abgeben konnte. Wenn das mit irgendjemandem etwas macht, das bin ich. Das bleibt. 

Was bedeutet der Sommer für Sie?

Der Sommer ... Farbe, Wärme, Schwimmen und Schutz vor den Sonnenstrahlen auf meiner Haut.  

Schlagwörter
Autor:
  • Michaela Necker
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