Exorzismus: Befreiung von dem Bösen

Gebet gegen den Teufel
Ausgabe Nr. 15
  • Spiritualität
Autor:
Russell Crowe als Pater Gabriele Amorth bei Exorzismus
Oscar-Preisträger Russell Crowe verkörpert einen der bekanntesten Teufelsaustreiber der katholischen Kirche, Pater Gabriele Amorth. ©Sony Pictures
Exorzismus-Experte Gabriele Amorth mit Benediktuskreuz
Das Original: Pater Gabriele Amorth (1925–2016) war von 1986 bis zu seinem Tod Exorzist der Diözese Rom. ©GIULIO NAPOLITANO/AFP/picturedesk.com

Ein neuer Spielfilm rückt den Exorzismus wieder einmal in den Blickpunkt. „Der Teufel ist darauf aus, dass der Mensch scheitert. Auch der Papst wird vom Bösen angegriffen“, sagt Papst Franziskus in einem Interview, das im gerade erschienenen Buch „Exorzisten gegen Satan“ enthalten ist. „Es ist bitter, aber angesichts von Gebeten hat er keine Chance.“

Nun ist in unseren heimischen Kinos der Spielfilm „The Pope’s Exorcist“ („Der Exorzist des Papstes“) angelaufen. Er basiert eher lose auf den Schriften des 2016 verstorbenen Chef-Exorzisten des Vatikans, Gabriele Amorth. Im Wesentlichen handelt der Film von den Versuchen Pater Gabriele Amorths (Russell Crowe), aus dem Buben Henry (Peter DeSouza-Feighoney) einen mächtigen Dämon auszutreiben, der ausdrücklich nach dem Chef-Exorzisten verlangt.

 Der Handlungsstrang rund um eine Verschwörung im Vatikan erinnert an die Verfilmungen der Romane von Dan Brown, „Sakrileg – Der Da Vinci Code“ oder „Illuminati“. Jedoch ist das Werk des Regisseurs Julius Avery eindeutig auch aufgrund der Sound- und visuellen Effekte dem Genre „Horrorfilm“ zuzuordnen. Als Vorbild dient offensichtlich der vor 50 Jahre entstandene Horrorfilm-Klassiker „Der Exorzist“ von William Friedkins.

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„Reines Spektakel“

Die 2014 von der vatikanischen Kleruskongregation anerkannte Internationale Vereinigung der Exorzisten (AIE), der nicht nur Priester angehören, bemängelt, dass der Exorzismus im Film zu einem „Spektakel“ werde: „Das Endergebnis ist die Überzeugung, dass der Exorzismus ein abnormales, monströses und beängstigendes Phänomen ist, dessen einziger Protagonist der Teufel ist, dessen gewalttätigen Reaktionen man nur mit großer Mühe entgegentreten kann; das ist das genaue Gegenteil von dem, was im Rahmen des Exorzismus geschieht, der in der katholischen Kirche im Gehorsam gegenüber den von ihr erlassenen Richtlinien gefeiert wird.“ 

Einen weitaus glaubwürdigeren Einblick in die Arbeit von Pater Gabriele Amorth gibt der Spielfilm „The Rite – Das Ritual“ aus dem Jahr 2011, in dem Anthony Hopkins den erfahrenen Exorzisten Pater Lucas Trevant darstellt. Dieser Film basiert auf dem Reportagebuch „The Rite: The Making of a Modern Exorcist", in dem der Journalist Matt Baglio die Erfahrungen des kalifornischen Priesters Gary Thomas während eines neunmonatigen Kurses „Exorzismus und das Gebet der Befreiung“ an der römischen „Regina Apostolorum“-Universität dokumentiert.

Negativer Einfluss auf spirituelles Leben

Gabriele Amorth, Priester der Gesellschaft vom hl. Apostel Paulus, verurteilte jegliche Horror-Filme, weil von ihnen ein negativer Einfluss auf das spirituelle Leben des einzelnen Menschen ausgehe:  „Wenn es die Aufgabe des Dämons ist, den Menschen zu verführen, dann fördern diese Filme die Neigung, brutale Situationen als ganz normal anzusehen. Wenn der Dämon der Protagonist ist, kann ein solcher Film zarte Gemüter ernsthaft verunsichern und andere zur sadistischen Nachahmung anregen.  Ich gebe jedoch zu, dass ich aufgrund meiner Kenntnisse und Erfahrungen weiß, dass das Anschauen dieser Filme nicht direkt zu außergewöhnlichen spirituellen Erkrankungen führt.“ 

Strenge und klare Richtlinien

Die katholische Kirche versteht unter dem Begriff „Exorzismus“ eine Bitte an Gott, den Menschen von der Macht des Bösen zu befreien. Der Exorzismus kann auch einen im Namen Jesu Christi an den Teufel gerichteten Befehl umfassen, den Betroffenen zu verlassen. Die Vollmacht zum Vollzug des Exorzismus leitet die Kirche aus dem Neuen Testament ab. Vorbild sind die Dämonenaustreibungen, die Jesus vornahm, wie die Heilung des Besessenen von Gerasa (Markus 5,1-20).

Gabriele Amorth hat sich immer wieder auf folgende Bibelstellen berufen: „Dann rief er die Zwölf zu sich und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und um Krankheiten zu heilen.“ (Lukas 9,1) Oder: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Matthäus 10,8)

Nach geltendem Kirchenrecht dürfen nur speziell vom Ortsbischof beauftragte Priester Exorzismus-Gebete über mutmaßlich besessene Personen sprechen, um sie zu befreien. Die Gebetsformulare wurden im Jahr 1999 von der vatikanischen Liturgiekongregation neu formuliert und haben das alte Römische Rituale von 1614 „De exorcizandis obsessis a daemonio – Über den Exorzismus an vom Dämon Besessenen“ ersetzt. Eine verbesserte Auflage des neuen Römischen Rituale erschien auch auf Betreiben von Gabriele Amorth fünf Jahre später.

In jedem Fall muss der Exorzist mit äußerster Sorgfalt überprüfen, ob tatsächlich ein Fall von Besessenheit vorliegt. Gegebenenfalls sollte er sich mit Experten aus der Medizin und der Psychiatrie beraten. „Die meisten Leute, die glauben, vom Teufel besessen zu sein, leiden an Schizophrenie, Epilepsie oder anderen psychischen und neurologischen Krankheiten“, sagte einmal Pater Gabriele Amorth. Von jenen Personen, die einen Exorzisten aufsuchen, sind laut Amorth zwei Prozent echte Besessenheitsfälle. Zeichen für dämonisches Wirken sind eine spontane Kenntnis fremder Sprachen, das Wissen um verborgene Dinge, unerklärliche Körperkräfte und Abscheu gegenüber allem Heiligen.

Großer Exorzismus

Der neue Ritus des „Großen Exorzismus“ im Fall von Besessenheit –  der kleine Exorzismus wird etwa bei der Taufe zur Abwehr böser Mächte vollzogen – beginnt mit der Besprengung mit Weihwasser, als Zeichen der Reinigung in der Taufe. Es folgt eine Litanei mit Anrufung der Hilfe Gottes und der Fürsprache aller Heiligen, an die der Exorzist nach eigenem Ermessen Psalmengebete anschließen kann. Dann wird ein Stück aus dem Evangelium verlesen, bevor der Priester dem Betroffenen die Hände auflegt und die Macht des Heiligen Geistes anruft, damit der Teufel aus ihm herausgeht. Es folgt das Glaubensbekenntnis oder die Erneuerung des Taufgelübdes mit der Absage an Satan. Der Exorzist zeigt dem Kranken daraufhin das Kreuz und segnet ihn, bevor er die eigentliche Exorzismus-Formel spricht. Sie besteht aus zwei Teilen: einem beschwörenden und einem befehlenden Part. Der erste ist eine Bitte an Gott, der zweite ein direkter Befehl – im Namen Christi – an den Teufel, den Kranken zu verlassen. Dieser zweite Teil, so sieht das neue Rituale vor, kann entfallen. Der Ritus endet mit einem Dankgebet.

Gefallene Engel

Der Exorzismus geht vom kirchlichen Glauben aus, wonach der Teufel und andere böse Dämonen existieren und versuchen, den Menschen vom Heilsweg abzubringen und ihn dem Einfluß Gottes zu entreißen. Die Dämonen sind „gefallene Engel“, die aufgrund ihrer Sünden verstoßen wurden und über Macht, aber nicht unbegrenzte Macht verfügen. Der Einfluß des Bösen artikuliert sich insbesondere über Täuschung, Lüge, Betrug und Verwirrung.

„Es war die Macht des Gebets“

 

Als Beispiel eines Exorzismus berichtet Redemptoristenpater Andreas Resch über seine persönliche Erfahrung einer Heilung.


Eines Tages rief mich ein Arzt um Hilfe in einem besonderen Fall an und ersuchte mich, in einer Grenzsituation zu helfen, die er nicht weiter allein tragen wollte. Seit fünf Jahren, so erzählte er mir, betreue er eine etwa 30-jährige Frau, Mutter von vier Kindern, mit Angstattacken sowie aggressivem Verhalten und Kontrollverlust in der Nacht. Zunächst behalf er sich mit einem Gitterbett, doch war er schließlich gezwungen, zu Morphium zu greifen, was er aber mit seiner ärztlichen Verantwortung nicht mehr vereinbaren wollte. 


Ich konnte auf seine Frage nur erwidern, dass es sich hier wohl um einen Fall für die Psychiatrie handle. Er solle die Frau in die entsprechende Abteilung der Klinik einweisen. Ich selbst würde nämlich durch Annahme eines solchen Falles zweifellos rechtlich belangt werden. Der Arzt entgegnete, dass er schon oft eine Einweisung verschreiben wollte. Die Frau agiere jedoch bei Tag großteils normal, sei selbstbewusst und lehne jede Einweisung ab. Sie sei aber bereit, zu mir zu kommen. Ich sollte doch zumindest mit ihr sprechen, worauf ich mich dann einließ, denn sprechen könne man schließlich immer, meinte ich. 


Schon am nächsten Tag suchte mich die Frau in meinem Therapieraum auf, eine charmante, gepflegte Frau, die in Aussehen und Verhalten keinerlei Auffälligkeiten zeigte. Ich begrüßte sie und bot ihr einen Platz auf der Couch an. Sie setzte sich und ich nahm in gebührendem Abstand neben ihr Platz. Ich blickte sie an und hatte dabei das sichere Empfinden, dass sie psychisch gesund sei. Das sagte ich ihr auch, ebenso, dass sie keine Therapie benötige. Dabei fügte ich, wie in einem veränderten Bewusstseinszustand, ganz gegen meine Praxis und Einstellung hinzu, dass ich ihr nur als Priester helfen könne.

 

In diesem Augenblick verspürte ich einen heftigen Schlag gegen meine Brust, wie mit einer Eisenstange. Der Schmerz war so stark, dass ich mich nur mit Mühe aufrecht halten konnte. Ich blickte zu der Frau hin. Sie war völlig ruhig und schwieg. Bei mir sprach ich ganz leise folgendes Gebet des Exorzismus: „Sollten böse Mächte Sie bedrängen, so befreie Sie der Herr! Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Mit einem Schlag verschwand mein Schmerz. Ich wandte mich der Frau zu, die mein Befreiungsgebet akustisch in keiner Weise vernommen hatte, weil ich es nur in Gedanken formulierte und ihr davon keinerlei Mitteilung machte. Sie selbst wirkte gelöster. 


Da ich weiters keine therapeutischen Notwendigkeiten mehr sah, verabschiedete ich mich von ihr mit den besten Wünschen. Als sie den Raum verlassen hatte, überkam mich das unangenehme Gefühl, sie auf billige Art und Weise abgeschoben zu haben. Ich hätte mich zumindest mit ihrem Problem auseinandersetzen sollen. Doch spielte sich alles völlig automatisch ab, jenseits jeder Diskussionsebene.


Am Tag darauf rief mich der Arzt an, um mir mitzuteilen, dass die Frau vollkommen gesund sei. Sie habe nicht nur ruhig geschlafen, sondern fühle sich auch frei von Angst und Aggression. Im Dorf, wo das Los der Frau allgemein bekannt war, ging die Rede vom „Wunderdoktor“ um.


Zehn Jahre später hielt ich in einer Nachbarstadt ihres Wohnortes einen Vortrag. Nach dem Vortrag kam eine Frau auf mich zu und sagte: „Ich bin die Frau, die ins Gitterbett gelegt werden musste und die Sie aufgesucht hat. Seither bin ich gesund. Ich bin gekommen, um mich zu bedanken.“ Ich nahm den Dank mit Freuden entgegen, wenngleich ich bis heute sagen muss, dass es nicht meine Leistung war. Es war die Macht des Gebets. 

 

P. Andreas Resch CSsR ist Theologe, Psychologe und Experte im Bereich der Grenzgebiete der Wissenschaft (Paranormologie).

Autor:
  • Porträtfoto von Markus Langer
    Markus A. Langer
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