Ein Neuanfang ist trotz Trennung möglich

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 27
  • Spiritualität
Autor:
Ein Neuanfang ist trotz Trennung möglich.
Sie erzählt ihre eigene Geschichte und macht anderen mit ihrem Neuanfang Mut: Andrea Lentner. ©privat

Als ihre Ehe scheiterte, ging Andrea Lentner durch ein dunkles Tal. Sie glaubte nicht daran, dass sie je wieder glücklich sein würde. Heute unterstützt die Seelsorgerin mit ihrem Onlineprogramm „Aufgerichtet“ Frauen mit ähnlichen Erfahrungen.

Andrea Lentner, 36, ist Kirchenmusikerin und Pastoralassistentin in der Pfarre Deutsch-Wagram und in den sozialen Medien sehr präsent. 

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Andrea, du teilst viel von deinem Leben auf Facebook und auf Instagram, auch sehr Persönliches. Was treibt dich an?

Zum einen ist es für mich als Kirchenmusikerin wichtig, mit dem, was ich mache, gesehen zu werden. Mit der Musik bin ich in den sozialen Medien schon länger präsent. Das andere ist für mich besonders spannend: Ich teile viel von meiner eigenen Geschichte. Vor vier Jahren habe ich mich von meinem Mann getrennt, vor drei Jahren wurde die Ehe geschieden und vor einem Jahr annulliert. Soeben habe ich ein Onlineprogramm gestartet, mit dem ich andere Frauen begleite, die in einer Trennungssituation sind oder waren. 

Wie bist du darauf gekommen?

Seit meiner eigenen Trennung sind immer wieder Frauen auf mich zugekommen, die sich getrennt haben, um sich Rat oder Begleitung zu holen. Und ich habe gemerkt, wenn ich über meine Geschichte spreche, ziehe ich Menschen an, denen es ähnlich geht. Dann kam der Moment, in dem ich mich fragte, was ich jetzt weiter damit mache. Letztlich habe ich den Ruf gespürt, noch mehr Frauen Mut und Hoffnung zu machen. Denn eine Trennung heißt nicht, dass kein Neuanfang möglich ist. Gott hält Geschenke für uns bereit. Er bleibt auch in den tiefsten Tälern treu. 

Du hast diese Täler selbst durchschritten.

Und ich habe nicht gedacht, dass ich je wieder glücklich sein kann. Ich habe erlebt, dass das Leben nicht immer geradlinig verläuft. Dass es Widersprüche geben kann. Ich arbeite in der katholischen Kirche und habe mich scheiden lassen. Als Katholikin war in mir stark verankert: Ich habe das Eheversprechen abgelegt, und das kann ich nicht einfach widerrufen. Der Schritt zur Trennung fällt noch einmal schwerer, wenn man Kinder hat. Aber wenn der Punkt kommt, an dem es nicht mehr geht, darf man eine Seite umblättern und ein neues Kapitel aufschlagen.    

Wie hast du den Weg aus Trauer und Schmerz gefunden?

Drei Begriffe sind mir zum Anker geworden, sie sind mir ins Herz gefallen: Heilung, Aufrichtung und Versöhnung. Ich konnte mich nach und nach unter den Blick Gottes stellen, er hat mich nicht verurteilt, hat meine Wunden versorgt und mir schließlich Versöhnung mit meiner Geschichte geschenkt. In der Krise hatte ich viel Begleitung und Therapie, wo ich mir meine eigene Geschichte angeschaut habe, und deshalb lebe ich heute eine ganz neue Freiheit. Ich spüre, dass ich mit meiner Geschichte rausgehen kann. Die Sorge, was andere darüber denken könnten, versuche ich abzustellen. 

Wenn die Andrea von vor drei Jahren auf dein Leben heute schauen würde: Wovon wäre sie am meisten überrascht?

Sie wäre zum einen davon überrascht, wie gut es funktionieren kann, wenn man die Kinder nicht durchgehend bei sich hat und davon, dass Patchwork funktionieren kann. Und sie wäre überrascht, dass sie eine neue, glückliche Partnerschaft haben wird. 

„Seit meiner eigenen Trennung sind immer wieder Frauen auf mich zugekommen, die sich getrennt haben, um sich Rat oder Begleitung zu holen.“

Andrea Lentner

Musik spielt in deinem Leben eine wichtige Rolle. War sie dir in der Krise eine Hilfe?

Musik hat mir extrem durch diese schwierige Zeit geholfen. Das gesungene Wort Gottes ist eine große Kraft in meinem Gebetsleben. Ich liebe es zum Beispiel, Psalmen zu singen, die für mich eine unglaublich verändernde Kraft haben. Im Psalm 23 heißt es: Gott geht mit uns durch das finstere Tal, aber wir bleiben nicht dort. Sondern er führt uns heraus.

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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