Adventspaziergang mit Bischofsvikar Dariusz Schutzki

Ausgabe Nr. 50
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Dariusz Schutzki vor seinem Wohnhaus
Prägende Zahl im Leben: Stefan Hauser mit Bischofsvikar und Pfarrer Dariusz Schutzki vor dessen Wohnhaus Nr. 19. ©Markus A. Langer
Dariusz Schutzki in Punschhütte
Adventmarkt für die gute Sache: Hausherr Dariusz Schutzki schenkt selber am Kolonitzplatz aus. Der Pfarrer von St. Othmar empfiehlt den Schilcher-Glühwein. ©Markus A. Langer

Seit über einem Jahrzehnt ist der Pfarrer von St. Othmar unter den Weißgerbern in Wien-Landstraße auch Bischofsvikar für Wien-Stadt. Pater Dariusz Schutzki führt uns durch seinen Bezirk, von der Landstraßer Hauptstraße über die Untere Viaduktgasse bis zum Kolonitzplatz.

Wir holen Bischofsvikar Dariusz Schutzki von seinem Büro im Erzbischöflichen Palais in der Wollzeile ab. Dann geht es Richtung Osten immer leicht bergab, wir überqueren die Ring­straße und den Wienfluss. In der Landstraßer Hauptstraße bleibt der Bischofsvikar stehen und zeigt auf eine Statue des heiligen Nikolaus an der Fassade eines Hauses. „Den heiligen Nikolaus finden wir auch im Wappen des dritten Gemeindebezirks“, erzählt Pater Dariusz Schutzki. „Hier an diesem Ort, wo wir stehen, auf der alten Römerstraße, befand sich ab dem 13. Jahrhundert das Nikolaus-Kloster, ein Frauenkloster.“

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Sie haben gerade einen beliebten Heiligen des Advents angesprochen. Wie erleben Sie als Pfarrer die Adventzeit?

In dieser Zeit, in der das natürliche Licht ein bisschen weniger wird, zünden wir die Kerzen an, um das wahre Licht wahrzunehmen – das ist Jesus Christus. Mehrere Momente sind für mich im Advent wichtig. Alle Gruppen der Pfarre St. Othmar basteln im Pfarrhof Adventkränze. Das kann man sich kaum vorstellen, alles duftet nach Reisig. Was meinen Kalender sehr stark kurz vor dem Advent prägt, sind die Adventkranzsegnungen in vielen Schulen, mit denen ich mich verbunden fühle. Ich bin in diesen Tagen ständig unterwegs. Erwähnen möchte ich auch die Kinderrorate jeden Mittwoch um sieben Uhr, mit dem besten Frühstück der Welt beim Herrn Pfarrer (schmunzelt). Und die Roratemesse um sechs Uhr am Donnerstag für die Erwachsenen mit einer sehr stimmigen, schön beleuchteten Kirche. Damit beginnt der Tag bewusst gleich ein bisschen anders als sonst. Und ganz wichtig ist unser Weißgerber Adventmarkt, von dessen Erlös wir ein Schulprojekt in Ecuador unterstützen.

Wir stehen jetzt bei einem Gebäude mit der Hausnummer 19. Die Zahl 19 ist sehr prägend für Sie.

Es ist tatsächlich so, denn ich bin am 19. April geboren und wurde am 19. Mai zum Priester geweiht. Am 19. Dezember habe ich Namenstag. Ich wohne nun in der Unteren Viaduktgasse Nr. 19. Das Haus in Prellenkirchen, wo ich auch einmal Pfarrer war, trägt auch die Nummer 19. Sogar das niederösterreichische Kennzeichen des damaligen Autos des Pfarrers enthielt die 19. Also die Zahl verfolgt mich sehr. Beim Lotto hat es nie geklappt (lacht kurz), aber wahrscheinlich bei anderen Dingen sehr wohl. Ich bin mit 19 sehr zufrieden.

Waren Sie 19 Jahre alt, als Sie Ihre Berufung zum Priester erkannt haben. Oder war das früher der Fall?

Mit 19 habe ich meine ersten Gelübde abgelegt, mit 18 bin ich ins Kloster gegangen. Seit meinem Eintritt 1982 bin ich Resurrektionist, gehöre der Ordensgemeinschaft von der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus an. Das heißt, 40 Jahre bin ich bereits Ordensmann. Nach wie vor darf ich die Freude der Auferstehung und der Hoffnung des Lebens, soweit ich kann, verkünden. Es ist immer wieder ein neuer Anfang, wie die Auferstehung immer ein Aufbruch zum Leben ist.

 

Wie ist es gekommen, dass Sie in Wien gelandet sind?

Es geschah aus Gehorsam gegenüber dem Ordensoberen. Damals hast du ganz einfach ein Kuvert mit einer Adresse darin bekommen und dort bist du hingefahren. Ehrlich gesagt wollte ich nicht nach Wien, aber der Provinzial hat gesagt: „Nein, du gehst nach Wien, du kommst in die Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern. Und somit wurde ich im Jahr 1990 hierher geschickt. Ich war nur eine Woche Priester in Polen. Am 19. Mai wurde ich in Krakau geweiht und zehn Tage später war ich in Wien.

Da muss man aber dann auch Deutsch können.

Man muss es lernen. Die Sprache ist ganz einfach eine Tür zur Kultur, zur Mentalität, zu den Herzen der Menschen. Da bin ich sehr konsequent und wahrscheinlich aufgrund meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass das schwer ist. Es kostet sehr viel, es immer wieder zu versuchen, immer wieder Fehler zu machen und aus diesen Fehlern zu lernen. Aber ohne Sprache, und das sage ich mit ganzer Deutlichkeit, tut sich da gar nichts. Darum lege ich jedem, der in ein fremdes Land kommt, nahe, die Sprache zu lernen. Weiters ersuche ich jeden, der einem Lernenden begegnet, Nachsicht zu haben und wirklich auf einer Augenhöhe mit diesem zu sprechen und ihn im sehr guten Sinne auch immer wieder auszubessern, aber mit einem wirklich ehrlichen, offenen Herzen, damit keine Verletzungen oder Irritationen entstehen.

Dadurch, dass Sie aus Polen stammen, und aufgrund Ihres Alters war natürlich für Sie wie für alle polnischen Gläubigen – und das sind sehr viele – Papst Johannes Paul II. eine prägende Gestalt.

Viele meiner Jahrgangs- oder Priesterkollegen, aber natürlich die große Schar der damaligen Jugend bezeichnen sich nach wie vor als eine JP2-Generation. Es gab eine große Eintrittswelle in viele Priesterseminare und in viele Klöster. Es war eine wunderbare Zeit und die Person des heiligen Johannes Paul hat ganze Generationen geprägt – auf vielfältigen Ebenen: auf der spirituellen, menschlichen, gesellschaftlichen, politischen Ebene. Er war einfach eine charismatische Person, die wirklich die Welt, natürlich Polen und den Osten verändert hat.

Jetzt spricht man bei uns viel vom säkularen Ort der Stadt. Sie sind Bischofsvikar von Wien-Stadt und kommen aus einem Land, wo die Mehrheit sehr gläubig ist. Wie nehmen Sie die Situation hier in Wien wahr?

Die Gesellschaft verändert sich von Jahr zu Jahr rasant, wenn man das genau beobachtet. Aber ich glaube, viele Menschen, wenn sie diese säkulare Welt auch schätzen, weil es ein gewisser Ausdruck der Freiheit ist, sind doch auf der Suche nach etwas Höherem, auf der Suche nach etwas, was sie begleitet und erfüllt. Sei es die Hoffnung, Frieden, Liebe. Die Werte sind nach wie vor sehr stark präsent und ich meine, das ist eine große Chance der Kirche, überhaupt der Christen – da schließe ich keine christliche Konfession in dieser Aufgabe aus – die Menschen zu begleiten und ganz einfach zu erzählen, dass es eine Botschaft gibt, die ein Fundament im Leben darstellen kann.

Die Menschen sind früher verstärkt in die Pfarre gekommen. Muss jetzt der Pfarrer, der Priester zu den Menschen gehen?

Gerade in diesen Zeiten müssen wir die Chance nützen, hinauszugehen und ganz einfach zu fragen: „Wie geht’s dir?“ Und zuhören. Ganz einfach zuhören. Kardinal Franz König sagte oft: „Geht und macht Hausbesuche. Schaut, wie die Menschen leben.“ Wenn ich nur irgendwie Zeit habe, stehe ich auf meinem Kirchenplatz und dann ergibt sich das eine oder andere Gespräch. Und dann kann es auch vorkommen, dass ein Vater zu mir sagt: „Herr Pfarrer, wir wollen, dass Sie unsere zwei Kinder taufen.“

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