Nach der Krise zurück zum Glauben

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 28
  • Österreich
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Ein unscheinbarer Zettel mit der Einladung zum Ministrieren übte auf Raphaela Köfner vor rund 25 Jahren eine starke Anziehungskraft aus. Jahrelang war sie eifrige Ministrantin. ©ChiccoDodiFC
Ein arbeitsreicher, aber sehr schöner Sommer liegt vor Raphaela Köfner. ©Elisabeth Köfner

Raphaela Köfner fand nach einer persönlichen Krise zurück zum Glauben und leitet seit September 2023 die Fachstelle „Ministrieren“ in der Erzdiözese Wien.

Raphaela Köfner arbeitet seit April 2023 als Organisationsreferentin bei der „Jungen Kirche“ in der Erzdiözese Wien. Im September wird sie die Fachstelle „Ministrieren“ übernehmen. Im Glaubenszeugnis erzählt Sie, wie sie nach einer Krise zum Glauben zurückfand. 

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Durch einen Zettel zum Ministrieren

Frau Köfner, Sie sind als Kind durch einen unscheinbaren weißen Zettel aufs Ministrieren aufmerksam geworden. Wo ist Ihnen dieser Zettel untergekommen? 

Im Religionsunterricht habe ich eine Einladung bekommen, auf der stand „Wir suchen Ministranten“ mit einer Telefonnummer, mehr nicht. Ich habe davor nie daran gedacht, selbst einmal zu ministrieren. Aber diese Einladung hat mich gepackt. Ich wollte das unbedingt machen und habe es meinen Eltern zu Hause so erklärt. Die waren bis dahin nur sehr sporadisch mit uns in der Kirche, zum Glück aber sehr offen und haben sich bald selbst in der Pfarre engagiert. 

Erstaunlich: ein einfacher Zettel, nicht besonders kindgerecht gestaltet, der eine so große Anziehungskraft auf Sie ausgeübt hat. Wie erklären Sie sich das?

Gott hat seine Wege, seine Schafe zurückzuholen. (Lacht.) Man könnte auch vom Heiligen Geist sprechen, wenn man auf einmal gepackt wird, selbst wenn das rational gesehen nicht nachvollziehbar ist. Als Kind hat mich das nicht beschäftigt, später habe ich lange darüber nachgedacht.  

„Ich habe Gott ganz neu kennen gelernt.“

Entfernung vom Glauben

Als Jugendliche haben Sie sich wieder vom Glauben entfernt. Was war der Grund?

Einer der Hauptgründe war, dass mein Papa sehr schwer an Krebs erkrankt ist. Ich konnte nicht verstehen, warum ein liebender Gott das zulassen kann. Ich hatte darauf keine Antwort, und auch niemand sonst konnte mir eine geben. Interessanterweise ging es meiner Schwester genau umgekehrt: Sie hat sich total auf den Glauben eingelassen.    

Ihrer Schwester und später Ihrem Schwager haben Sie es zu verdanken, dass Sie sich nach 15 Jahren wieder dem Glauben angenähert haben. 

Ich steckte mit Mitte zwanzig in einer schweren Krise, ich habe eine Beziehung beendet, bin umgezogen, hatte einen neuen Job. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich. Ich habe ich mich auf einmal daran erinnert, wie sehr meine Schwester und ihr Verlobter, der heute mein Schwager ist, an diesem Gott festhalten. Mir ging es schlecht, ich fand das aber unglaublich faszinierend. Das war wie ein Licht, das mich angezogen hat. Mein Gedanke war:  Auch sie leben in dieser Welt, wissen, was Leid bedeutet, und glauben trotzdem an Gott! Mit meinem Schwager habe ich sehr viel geredet, habe ihm alle meine kritischen Fragen gestellt. Und er hat sich nicht wie andere vor meinen Fragen gefürchtet, sondern mit mir darüber gesprochen. Er hat mir viel von Gott erzählt. Gleichzeitig habe ich andere Menschen in meinem Alter kennen gelernt, die an Gott glauben. Mein Leben hat sich komplett verändert. Ich habe Gott ganz neu kennen gelernt. Es ist wie in der Bibel beschrieben: Mein Fundament ist jetzt neu, nicht mehr aus Sand, sondern es hält.

Durch die Krise zum Glauben zurück

Zurück zu Ihrem Job in der Erzdiözese. Sie haben als Organisationsreferentin begonnen und bereiten aktuell die Ministrantenwallfahrt nach Rom vor.  

Für den Bereich Ministrieren wurde ich gar nicht angestellt. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass mir alles, was mit Ministranten zu tun hat, sehr taugt. Also wurde ich ins Projektteam für die Wallfahrt geholt. Ganz bald ist es soweit: 40.000 Ministranten aus der ganzen Welt werden erwartet, aus den Diözesen Wien und Eisenstadt sind es 650. Mein Sommer ist sehr arbeitsreich, aber schön. 

Autor:
  • Sandra Lobnig
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