Freiwillig: Wie junge Menschen die Welt verändern

Engagement mit Herz
Ausgabe Nr. 42
  • Leben
Autor:
Freiwillige Auslandseinsätze gibt es in Lateinamerika, Südamerika, Indien, Afrika, Asien und teilweise auch Osteuropa. ©DKA
Horizonterweiternd: Ein freiwilliger Einsatz im Ausland verändert im positivsten aller Sinne das eigene Leben, den Blick auf die Welt. ©Jesuit volunteers/ Steyler Missionsschwestern

Erfahren Sie, wie junge Menschen durch weltweite Freiwilligendienste bei "ausserordentlich" soziale Veränderungen bewirken. Luzia Krenn teilt ihre inspirierende Geschichte.

Es ist kurz nach ihrer Matura im Jahr 2017 – da beschließt die damals 19-jährige Luzia Krenn für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Aber nicht um Urlaub zu machen, sondern um sich sozial zu engagieren. „Ich wollte eine Zeit lang nicht nur etwas für mich machen, sondern etwas, was auch anderen zu Gute kommt“, sagt sie heute. Die Wahl fällt auf einen freiwilligen sozialen Einsatz in Costa Rica. Sechs Monate arbeitet Luzia Krenn dort in einem Kindergarten. Untergebracht ist sie bei einer Gastfamilie. „Das war für mich schon recht abenteuerlich“, erzählt sie. „In Costa Rica spricht man Spanisch – eine Sprache, die ich am Anfang nicht gesprochen habe. Und ich hatte auch keine Erfahrung mit der Arbeit in einem Kindergarten.“ Doch das alles ändert sich schnell. „Meine Gastfamilie hat mich in einer Art aufgenommen, die mich umgehauen hat“, sagt Luzia Krenn. „So herzlich, so liebevoll.“ Die Kinder im Kindergarten schließen sie schnell ins Herz – und umgekehrt. Und auch die Sprache spricht sie  binnen kürzester Zeit. „Meine Gastfamilie hat mir dabei unheimlich geholfen. Und die Arbeit im Kindergarten hat ihr Übriges getan: Die Kinder reden wie ein Wasserfall auf dich ein – da musst du geradezu mit.“

Zurück in Österreich bleibt das gute Gefühl, die vergangenen Monate sinnvoll verbracht und die Freude, eine andere Kultur hautnah kennengelernt zu haben. Außerdem die große Liebe zur spanischen Sprache und das Wissen, wie viel Freude es ihr macht, mit Kindern zu arbeiten. „Ich habe in Costa Rica viel gelernt – vor allem auch über mich selbst. Die Entscheidung, Spanisch zu studieren mit dem Ziel, Lehrerin zu werden, hätte ich davor wohl nicht getroffen.“

Werbung

Vielfältige Projekte

Wie Luzia Krenn geht es Jahr für Jahr vielen jungen Menschen. Sie schließen die Schule ab, wollen aber danach nicht gleich zu studieren oder zu arbeiten beginnen und suchen nach einer Alternative, sich für einige Monate sinnvoll zu beschäftigen. Möglichkeiten dafür bieten verschiedenste Organisationen. Die Arbeitsgemeinschaft „ausserordentlich“ ist eine davon. „Hier sind fünf internationale Freiwilligendienste von Ordensgemeinschaften vernetzt: der Internationale Freiwilligeneinsatz der Kapuziner, die Jesuit Volunteers der Jesuitenmission, das Programm MaZ – Missionar und Missonarin auf Zeit der Salvatorianer, der Steyler Missionsschwestern und der Steyler Missionare.

Und außerdem auch noch das Programm Mission beyond borders (MBB) der Steyler Missionsschwestern. In jedem dieser Dienste geht es in Länder des Globalen Südens in Lateinamerika, Südamerika, Indien, Afrika, Asien und teilweise auch Osteuropa,“ sagt Luzia Krenn, die seit Anfang dieses Jahres die Koordinatorin bei „ausserordentlich“ ist. Oft hätten die Interessenten eine klare Vorstellung, was sie machen wollen. Oft aber auch nicht. „Ich zeige den Leuten dann, was möglich ist. Und man kann sagen: Es ist eine Menge möglich! Man kann mit Kindern arbeiten, mit Jugendlichen, mit Wohnungslosen, es gibt Projekte im Pastoralbereich, Gesundheits- und Umweltbereich.“ Mindestens drei bis sechs Monate, im Idealfall zehn bis zwölf 12 Monate dauern die Auslandseinsätze mit „ausserordentlich“.

Religion ist uns wichtig

Gerade bei „ausserordentlich“ stehe zudem der religiöse Aspekt des sozialen Engagements im Vordergrund. „Das kann natürlich verschiedenste Dimensionen haben“, sagt Luzia Krenn. „Zum einen sind die Projekte, bei denen die jungen Leute eingesetzt werden, ja von den jeweiligen Ordensgemeinschaften vor Ort betreut und da gibt es natürlich automatisch einen engen Kontakt. Zum anderen ist es oft so, dass man meistens nicht in einer Gastfamilie unterkommt, sondern auch bei der Ordensgemeinschaft lebt und so bei Gebetszeiten dabei ist, die kirchlichen Feste mitfeiert und ähnliches.“

Intensive Vorbereitung

Ist dann die Entscheidung gefallen, beginnt die intensive Vorbereitung auf den Einsatz. „In Vorbereitungsseminaren werden dann die verschiedensten Themen bearbeitet – man bekommt Informationen über das Land, in das man reist, und den Einsatz selbst.“ Manche der Ordensgemeinschaften, die in „ausserordentlich“ vernetzt sind, bieten in der Vorbereitungsphase auch das Mitleben in der Gemeinschaft hier in Österreich an.  Die Kosten für den Freiwilligeneinsatz müssen die Teilnehmenden übrigens selber tragen. „Mit Flug und Impfungen und ähnlichem muss man da – je nach Einsatzland und Dauer des Aufenthaltes – mit 500 bis 3.000 Euro rechnen“, sagt Luzia Krenn. „Aber es gibt verschiedenste Stellen, bei denen man um eine Förderung ansuchen kann – Infos dazu gebe ich schon in den Beratungsgesprächen.“

Offenheit ist das Wichtigste

Und was sollten Interessierte außerdem mitbringen? „Offenheit – man muss sich auf Neues und auch auf Unvorhergesehenes und Ungeplantes einlassen können und auch wollen“, sagt Luzia Krenn. „Zudem braucht es ganz bestimmt Flexibilität, Toleranz und Teamfähigkeit. Und auch ein gewisses Maß an Stressresistenz.“ Und zuletzt müssten Interessenten auch ein hohes Maß an Eigeninitiative mitbringen. „Das beginnt schon bei der Organisation des Aufenthaltes. Ich helfe bei der Auswahl und gebe die Kontaktdaten weiter, aber bei den Ordensgemeinschaften müssen sich die Leute dann selbst melden.“

Die Freiwilligen müssen also eine Menge investieren – bekommen aber im Gegenzug auch unheimlich viel zurück. „Der eigene Horizont weitete sich“, sagt Luzia Krenn. „Und man lernt sich selbst unheimlich gut kennen, entdeckt Eigenschaften, die man bisher nicht kannte oder Interessen, die einem nicht so bewusst waren. Und man wird wirklich auch demütig – sieht, dass man, egal wie und wo man eingesetzt ist, nicht alles verändern, sondern nur punktuell helfen kann. Gleichzeitig aber bekommt man einen Eindruck davon, wie wichtig es trotzdem ist, dass sich der Einzelne oder die Einzelne engagiert, weil es die Welt eben doch ein Stückchen besser macht, wenn man hilft.“

Ausserordentlich – und mehr

Freiwillige Auslandseinsätze werden von verschiedenen Organisationen angeboten. Manche davon können auch als Zivilersatzdienst gemacht werden. Was alle Anbieter gemeinsam haben, ist die fundierte Vorbereitung auf den Einsatz im Rahmen von Vorträgen und/oder Wochenendseminaren. Meist starten die im Dezember, Jänner und Februar. Im Herbst ist dafür die „heiße“ Bewerbungsphase.

 

Ausserordentlich
Nähere Informationen zu den freiwilligen Auslandseinsätzen von „ausserordentlich“ bekommen Sie direkt auf der Website. Infos unter: ausserordentlich.at

 

Volontariat bewegt
ist eine Initiative von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos. Mit „VOLONTARIAT bewegt“ sind Einsätze von 10 bis 12 Monaten in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Osteuropa möglich. Infos unter: volontariat.at

 

Dreikönigsaktion
Die Dreikönigsaktion bietet sogenannte „LernEinsätze“ an. 2 bis 4 Wochen sind die Freiwilligen dabei bei Projektpartnern der Dreikönigsaktion im Einsatz. Infos unter: dka.at/lerneinsatz

 

Weltwegweiser
Einen umfassenenden Überblick über verschiedenste Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit im Ausland gibt es bei Weltwegweiser, einer von Jugend Eine Welt getragenen Internetplattform. Infos unter: weltwegweiser.at

Autor:
  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
Werbung

Neueste Beiträge

| Wien und Niederösterreich
Klemensfest 2024

Erfahren Sie, wie 500 Kinder in einem Festprogramm in der Wiener Innenstadt den Lebensweg des Heiligen Klemens Maria Hofbauers entdeckten.

| Sonntag
Dreifaltigkeitssonntag

Gedanken zur 1. Lesung von Sr. M. Anna Pointinger

| Leben
Politik und Kirche

Was macht einen guten Manager aus? Warum ist das Image der Politik so schlecht? Über diese Themen und mehr hat der SONNTAG mit dem ehemaligen Spitzenpolitiker Thomas de Maizière gesprochen.