Feuer und Flamme für die Mission

Romero-Preisträger Sen Vellakada
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Pater Sen Vellakada mit afrikanischen Kindern
Nachhaltige Schulbildung: Pater Sen Vellakada möchte Kindern in Afrika eine gute Zukunft ermöglichen. ©Missionare des heiligen Franz von Sales
Schülerinnen und Schüler im Tschad
Bildungsgerechtigkeit: Buben und Mädchen sind an der Schule in Doba gleichermaßen vertreten. ©Missionare des heiligen Franz von Sales
 Kindergarten in Doba, Tschad
Pater Sen vor dem Kindergarten in Doba. Unterstützung für den Bau des Kindergartens und der Schule kam aus Österreich vom Verein "AGAPE Austria". ©Missionare des heiligen Franz von Sales
Pater Sen Vellakada - Heilige Messe
Pater Sen feiert Heilige Messe in Kamerun unter freiem Himmel. ©Missionare des heiligen Franz von Sales

Das Engagement von Pater Sen Vellakada um Bildung in Afrika ist beispielgebend und verändert das Leben hunderter Familien im Tschad und in Kamerun nachhaltig.

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Pater Sen, in diesem Jahr hat Ihnen die Katholische Männerbewegung Österreichs den nach Erzbischof Óscar Romero benannten Preis zuerkannt. Wie haben Sie sich mit der Person des Namensgebers auseinandergesetzt? 

Sen Vellakada: Einen ersten Eindruck konnte ich in den 1990er-Jahren gewinnen. Damals sah ich einen Film über den Bischof, der für die Armen und für die Gerechtigkeit kämpfte. Das hat mich inspiriert. Später habe ich mehr über Romero gelesen und gehört.

Sie erhalten die Auszeichnung vor allem auch für Ihr entwicklungspolitisches Engagement im Tschad.

Uns ist besonders wichtig, Kindern Bildung zu ermöglichen. 2016/2017 haben wir in Doba begonnen, eine Schule aufzubauen. Nun können etwa 500 Schülerinnen und Schüler eine Grundschule und eine Sekundärschule besuchen. Die meisten Kinder kommen aus der Umgebung, manche haben einen langen Schulweg von eineinhalb Stunden zu Fuß. Wenn sie von noch viel weiter herkommen, versuchen wir, sie in unseren Heimen unterzubringen. Wir können aber nicht alle aufnehmen, weil die Anfrage einfach zu groß ist. Im Kinderheim in Doba haben wir Platz für 80 Kinder, im Heim in der Nachbarmissionsstation in Bera für 40 Kinder.

Was unterscheidet diese Schule von anderen Schulen im Land?

 Viele Schulen sind in einfachen strohgedeckten Lehmhütten untergebracht oder der Unterricht findet unter einem Mangobaum statt. Nicht immer gibt es eine Schultafel. Wir haben in Doba ein ordentliches Gebäude aus Ziegeln und Beton errichtet. Für die Schülerinnen und Schüler der Sekundärschule ist ein dreistöckiger Neubau geplant. Wir brauchen mehr Platz für Klassenzimmer, aber auch für Labore für den Physik- und Biologieunterricht.

Sie stammen ursprünglich aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Wie können wir uns die Situation der Christen dort vorstellen?

Nach der Überlieferung ist der Apostel Thomas im Jahr 52 nach Indien gekommen. Es gibt ganz klar eine uralte katholische Gemeinde seit dem ersten Jahrhundert. Wir selbst nennen uns Thomaschristen. Unsere Traditionen sind auch in der Gesellschaft stark verwurzelt. Die Kirche hat einen sehr starken Einfluss in Kerala. Sie betreibt in diesem Bundesstaat viele Ausbildungseinrichtungen, Schulen, Kollegs, sogar Universitäten.

Beten in der Familie gehört noch immer zur Tradition.

Sen Vellakada

Wie haben Sie den Glauben zuhause erfahren?

Unsere Pfarre ist nicht weit von unserem Zuhause entfernt, 20 Minuten zu Fuß. Das christliche Leben wird sehr aktiv gelebt. Eine Dreiviertelstunde vor dem Abendessen wird bei uns gebetet, wie in vielen Familien in Kerala auch. Wir beten jeden Tag in der Familie den Rosenkranz und ein Gebet für die Verstorbenen. Dann lesen wir ein Stück aus der Bibel. In jeder Pfarre werden einmal im Jahr Exerzitien angeboten. Es geht dabei stets um die Erneuerung des Glaubens. So bleibt der Glaube lebendig. Kinder erhalten am Sonntag den Religionsunterricht – zwölf Jahre lang. Diese Tradition hat sich bis zum heutigen Tag erhalten.

War schon früh klar, dass Sie Priester werden wollen?

Ich habe als Jugendlicher nie daran gedacht, Priester zu werden. Ich hatte andere Interessen wie etwa das Fußballspielen. Aber nach der Schulzeit habe ich meine Berufung irgendwie gespürt. Dann habe ich meinen Vater gefragt, ob ich gehen darf. Er hat zu mir gesagt: ‚Du kannst gehen, aber du bist jederzeit wieder zuhause willkommen.‘ Mein Vater und andere Verwandte konnten sich nicht vorstellen, dass ich wirklich Priester werde.

Fast wäre ich Journalist geworden.

Sen Vellakada

Welchen anderen Beruf hätten Sie sonst ergriffen?

Wenn ich nicht Priester geworden wäre, wäre ich heute Journalist. Das war mein ursprünglicher Traumberuf. Ich hatte schon früh eine Begabung zum Schreiben. Bei Wettbewerben habe ich immer wieder Preise gewonnen. Ich habe sogar ein Magisterstudium in Journalismus absolviert, war aber nie in diesem Bereich beruflich tätig.

Ihnen war das soziale Engagement schon als Schüler wichtig, oder?

Ich konnte mich schon damals für die Mission begeistern. Ich war der Präsident der Vereinigung „Mission League“ in meiner Pfarre. Wir haben landwirtschaftliche Produkte wie Kokosnüsse, Kautschuk und Gemüse gesammelt und verkauft. So kam Geld für die Mission herein. Dieses war für Projekte außerhalb von Kerala bestimmt.

Sen Vellakada

Pater Sen Vellakada stammt aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Der 48-jährige Priester ist Mitglied des Ordens der Missionare des heiligen Franz von Sales. Er ist Regens für die Theologiestudenten sowie Ökonom seiner Gemeinschaft in Kamerun und Koordinator der beiden großen Schulprojekte in Doba, Tschad, und in Ngaoundéré, Nordkamerun.

Sie haben die Berufung zum Priester verspürt. Was waren die nächsten Schritte? Wo klopft man in Indien an und sagt: „Hier bin ich und ich möchte Priester werden“?

Man muss nirgends anklopfen, sie klopfen an deiner Tür (lächelt). Bei uns in Kerala gibt es jeden Sommer ein Camp für Menschen, die eine Berufung verspüren. Von fast jeder Ordensgemeinschaft kommt ein Berufungsförderer, der den jungen Menschen auf der Suche nach dem rechten Lebensweg Begleitung und Orientierung anbietet. Man hat Gelegenheit, mehr über die jeweilige Ordenskongregation zu erfahren und nachzudenken, ob ein geistliches Leben wirklich für einen selbst das Richtige ist. Ich habe mich für die Missionare des heiligen Franz von Sales entschlossen. Erstens hat mich der Name „Missionare“ fasziniert. Und außerdem war dieser „Vocation Promoter“, der uns angesprochen hat, so ein freundlicher Priester mit einem unglaublichen Charisma. Da habe ich gleich gespürt, in dieser Gemeinschaft werde ich gut aufgehoben sein.

Wie sind Sie nach Österreich gekommen? 

2009 hat unser Provinzial das Angebot bekommen, Studenten nach Klosterneuburg zu schicken. Einzige Bedingung: Wir müssten in der Pastoral des Stiftes Klosterneuburg als Seelsorger mithelfen. Gleichzeitig dürften wir auch studieren. So haben wir dieses Angebot angenommen, das hat mir gut gefallen. Ich war hauptsächlich als Krankenhausseelsorger in Klosterneuburg tätig, aber auch als Aushilfspriester, indem ich eben in verschiedenen Pfarren eingesprungen bin. In dieser Zeit habe ich das Doktoratsstudium in Theologie an der Universität Wien absolviert.

Während Ihres Aufenthalts in Österreich kam die Berufung für den afrikanischen Kontinent. 

Ich wollte immer in die Mission gehen. Ich dachte, je älter ich werde, desto schwieriger wird es.  Nach fast sieben Jahren quasi in Luxus in Österreich wollte ich den Kontrast erleben und habe meiner Ordensleitung meine Entscheidung, in die zentralafrikanische Mission zu gehen, mitgeteilt. Ich habe mich für fünf Jahre verpflichtet, nun bin ich schon im siebenten Jahr in Afrika tätig. 

Video: Das Leben des heiligen Oscar Romero

Autor:
  • Stefan Hauser
  • Porträtfoto von Markus Langer
    Markus A. Langer

Woraus schöpft Pater Sen für den Alltag Kraft?

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